5 YouTuber, die Rap-Karriere gemacht haben

YouTube-Deutschland hat schon vor Jahren das Potenzial von Rap erkannt. ApoRed, Dagi Bee, Julien Bam – viele (frühere) Größen des Videoportals haben mehr oder weniger geschickt probiert, musikalisch zu überzeugen. Wir stellen dir fünf Artists vor, die als YouTube-Creator gestartet sind und inzwischen eine erfolgreiche Rap-Karriere verfolgen.

Mois reguliert aus dem Keller

Wer in der YouTube-Rap-Bubble unterwegs ist, hat schon von Mois gehört. Was 2017 als Ein-Mann-Keller-Projekt begann, ist heute eine professionelle Anlaufstelle für allerlei Persönlichkeiten der Deutschrapszene. Statt für Interviews stellen Rapper und Rapperinnen sich für meist launige Videos mit einem gewissen Unterhaltungsfaktor zur Verfügung.

Mois ist ebenfalls seit einiger Zeit selbst als Rapper aktiv. Seine erste Single droppte er 2019 zusammen mit Sun Diego. "Keller oder C*ckschelle" konnte sich auf Anhieb in den Top 100 der Charts platzieren. Es folgte die Gründung eines eigenen Labels. Über Keller GmbH releast zudem Maestro seine Songs, der im Vorfeld oftmals als Moderator vor der Kamera stand. Mit Albozz und Sokko167 stehen weiterhin zwei Newcomer bei Mois unter Vertrag. Neben diversen Solosongs kann Mois außerdem auf Features mit King Khalil, Sinan-G oder Manuellsen verweisen. Seine letzte Solosingle "Egal" erschien Mitte Juni.

Lil Lano schafft den Absprung

Lil Lano hat seine Tätigkeit als schräges YouTube-Experiment inzwischen vollständig eingestellt. Er tritt ausschließlich als Rapper auf. Dass eine der weirdesten Figuren der Web-Welt irgendwann zu einem Major-Deal gelangt und sich hauptsächlich auf Musik konzentriert, hätten wohl vor ein paar Jahren die wenigsten vorhergesehen. Aus dem Typen, der für ein bisschen Aufmerksamkeit seine Mutter beleidigt hat, ist jemand geworden, der regelmäßig mit musikalischem Output überzeugt.

Auf Lil Lanos Habenseite stehen diverse Top-100-Platzierungen. Über eine Million monatliche Hörer auf Spotify zeigen, dass Lil Lano seine vornehmlich junge Fanbase erreicht. Ananas bleibt der Squad. Das eigene Konsumverhalten feiert Lil Lano nicht mehr so bedingungslos ab, wie es eine Weile der Fall war. Seine Vergangenheit und Metamorphose zum Rapper bildet sein YouTube-Kanal nur noch bruchstückhaft ab. Den Hinweis, dass seine Videos Teil eines Kunstprojektes sind, spart er sich mittlerweile auch. Abnabelung completed.

Lil Lano ist der Beweis: Die Money Boy-Formel lässt sich wiederholen

"Bei diesem Video handelt es sich um ein Kunstprojekt." - das dachten die Zuschauer und Hörer auch jahrelang über den Output von Money Boy.

Taddl hat das Rap-Ding durchgespielt

Taddls Raphistorie ist umfangreich. Er nahm schon 2013 am VBT teil. Ein Stück weiter zurück liegen allerdings die Anfänge seiner Creator-Laufbahn.
2009 brachte er auf YouTube mit ein paar Kollegen einen Kanal an den Start. Aufbauend auf einer gewachsenen Community gelang der nahtlose Übergang zur Musik.

Als Teil der Gruppe Dat Adam war Taddl bisher kommerziell am erfolgreichsten. Mit der Formation konnte er zwei Einstiege in die Top 5 der Albumcharts verbuchen. Auftritte bei Festivals wie Rock am Ring oder Rock im Park hat die Band in der Vita stehen. Zwei Alben und drei EPs wurden insgesamt releast. 2018 folgte die Auflösung. Taddl ist immer noch dabei: Unter dem Namen TJ_beastboy erschien Ende 2019 eine neue EP "Hyperreal-Ravelord". Kürzlich zudem die Single "LVL-UP". Der YouTube-Veteran fährt zweigleisig und versorgt seine Anhängerschaft weiter mit Gaming-Content, Reactions oder persönlichen Einblicken. Fast eine halbe Million monatliche Hörer auf Spotify legen nahe, dass die Musik von TJ_beastboy auch 2020 auf breite Akzeptanz trifft.

Mert bringt beständig Straßenrap

Wie bei Lil Lano deutet bei Mert zunächst wenig daraufhin, dass er nicht immer einfach Rapper war. Zu lange ist er in diesem Game unterwegs. Mert (oder hin und wieder Mert Abi) hält sich von typischem Creator-Content einigermaßen fern. Auf die homofeindlichen Entgleisungen der Vergangenheit gibt es keinen Hinweis mehr. Mert versteckt seine früheren YouTube-Erfahrungen jedoch keineswegs.

Bis zu 5 Jahre reicht das verfügbare Material noch zurück. Darunter ist Gaming-Content sowie Videos der Sorte "10 Arten von ...". Der Fokus liegt aber klar auf der Musik. Mert hat inzwischen sein schon viertes Album "Kunde ist König 2" in den Startlöchern. Alle seine bisherigen Releases charteten in den Top 20. Auch die erste Single-Auskopplung seiner neuen Platte "Ausländer 2020" konnte sich in dieser Region platzieren. Mert ist als Künstler in einer Position angekommen, wo er sich einen Plattendeal scheinbar fürstlich entlohnen lassen kann.

Mert über den 1,5-Millionen-Deal, enttäuschte Fans, Spielsucht & Mula Brothers (Interview) #waslos

Mittlerweile hat der ehemalige YouTuber Mert drei Rapalben veröffentlicht und einige Erfahrungen im Musik-Business gesammelt, aus denen er viel für sich und seine Musik gelernt hat. Im Interview mit Rooz spricht er darüber, dass das Drumherum bei seinem letzten Album ihm gar nicht gefallen hat, über enttäuschte Fans und das neue Umfeld, in dem er sich nun deutlich wohler fühlt.

Leon Machère & eine Goldene Schallplatte

Leon Machère ist sicher der streitbarste Charakter in dieser Auflistung und noch am meisten YouTuber. Allein die kunterbunten Thumbnails des Contents, den er auf seinem Kanal präsentiert, sprechen eine deutliche Sprache. Es soll geklickt werden – ohne, dass es irgendwie um Rap gehen würde. Warum taucht er dennoch hier auf? Naja, er rappt mit einer gewissen Regelmäßigkeit und hat etwas erreicht, was bei Weitem nicht jedem musizierenden Emporkömmling des YouTube-Kosmos vergönnt war – er ist mit einem Track Gold gegangen. Seine Single "Copacabana" lässt sich von der Herangehensweise mit "Mamacita" von Kay One und Pietro Lombardi vergleichen. Dass es mit "Portofino" auch schon einen gemeinsamen Song mit Kay gibt, verwundert daher kaum.

Leon Machère hat 2017 ein Album auf den Markt gebracht und versorgt seine Fans selbst in den heutigen Corona-Zeiten mit Urlaubsmusik. Erst im Juni droppte er seine neue Single "Venezuela", die sich bemüht, an den Gold-Erfolg anzuknüpfen. Für den Beat zeigt sich Kay Ones Produzent Stard Ova verantwortlich.

Eine gesonderte Erwähnung soll noch Katja Krasavice erhalten, die auf ihrem Album "Boss B*tch" auch hin und wieder rappt, aber wohl eher als Produkt aus der Popmaschinerie durchgeht. Aufbauend auf einem jahrelangen Grind als offensiv offenherziges YouTube-Sternchen ist sie mit ihren Tracks offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen. "Boss B*tch" ging auf die #1 und Rooz fragte mal nach, wie die Blondine auf die Idee kam, zu rappen:

Katja Krasavice, warum rappst du? (Interview) #waslos

Katja Krasavice liebt es zu provozieren. Ihre wilden Fantasien und erotischen Vorlieben präsentiert sie offen in Songs wie "Doggy", "S*x Tape" oder "D*cke Lippen". Trotz ihres großen Erfolgs im Bereich Pop und Schlager demonetarisiert Youtube grundsätzlich ihre Videos. Als P*rnostar würde sie sicher mehr Geld verdienen aber Katja möchte wie Cardi B oder Nicki Minaj Musik machen.

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Mois mit Ansage an Bushido & Ende von "Nice or Scheiss"

Mois mit Ansage an Bushido & Ende von "Nice or Scheiss"

Von HHRedaktion am 16.05.2020 - 02:28

Der YouTuber Mois hat sich in einem knapp 50-minütigen Video sichtlich emotional an seine Fans und Gegner gewendet und unter anderem das Ende des erfolgreichen Formats "Nice or Scheiss" bekanntgegeben. Bei der Reaction-Sendung reagierten Mois und Manuellsen mit unterschiedlichen Gästen auf neue Musikvideos, hatten dabei bis weit über 100.000 Live-Zuschauer und sammelten teils vierstellige Spendensummen.

Mois beendet Sendung "Nice or Scheiss" mit Manuellsen

Man merkt Mois in seinem Video-Statement an, dass ihm die toxischen Kommentare, mit denen ein großer Teil der Deutschrap-Fans im Internet um sich schmeißt, an die Substanz gehen. Für jeden, der in den sozialen Medien arbeitet, durchaus relatable. Man könnte meinen, in der größeren Menge an Followern würden die Hater eher untergehen, aber tatsächlich müssen es schon allein rechnerisch viel mehr sein.

Mois kritisiert, dass man es niemandem recht machen könne. Sowohl Fans als auch Newcomer und etablierte Rapper würden sich regelmäßig beschweren – in der Regel natürlich über Bewertungen ihrer Kunst. Das und mehr nennt er als Gründe für das vorläufige Ende von "Nice or Scheiss", das mit einer anderen Sendung ersetzt werden soll, die er mit Manuellsen auf die Beine stellen will. Diesen will er künftig auch intensiver mit seinen Kanälen pushen, damit die Musik mehr Leute erreichen kann.

"Offiziell: Ihr seid hier unglücklich? Ich scheiß drauf. Es ist vorbei. 'Nice or Scheiss' ist offiziell aus."

Positiv hebt er hervor, dass angeblich 15-20 Acts durch nur sieben Folgen der Sendung einen Vertrag unterschrieben haben sollen – bei Mois' eigenem Label oder auch bei Majors. Seine in der Tat sehr wertvolle Reichweite will er nun keinen Newcomern oder anderen Rappern mehr schenken, nur um sich anschließend Beschwerden anzuhören.

Mois mit offensiver Ansage an Bushido

Dem Video vorausgegangen war ein eine Provokation von Bushido auf Instagram. In seiner Story schrieb der 41-Jährige vermeintlich über Mois, der gestern seinen neuen Song "Sucht" veröffentlichte: "Der Moment[,] wenn sich Deutschrapper, äh ich meine YouTube-Rapper, anhören wie ertrinkende Katzen."

Mois kündigte daraufhin an, "heute Abend mal paar Sachen" zu zeigen. Es folgte ein Screenshot der DMs zwischen den beiden, in denen sie sich für die Zeit nach Ramadan eine mehr oder weniger ehrenhafte Auseinandersetzung androhen.

Im 50-minütgen Video wendet Mois sich nach etwa 41:50 Minuten dem Thema Bushido zu. Zwischen Fronts unter anderem für die Zusammenarbeit Bushidos mit der Polizei verpackt der YouTuber subtil die Vermutung, dass Bushido wohl langsam wieder Promo für ein neues Album starten könnte.

"Er braucht für jede Promophase irgendeinen Beef. Der Grund, warum er geklickt wird, ist seit sechs Jahren, um zu hören, ob er jemanden disst."

Es folgen mehrere Provokationen der offensiveren Art, wie beispielsweise:

"Ich hole meinen minderjährigen Bruder. Versuch den mal wenigstens zum Hund zu machen! [...] Schaff's und ich geb dir Hand. Ansonsten spuck ich dich an. Auf Kamera."

Neben diesem eher weniger ernsten Angebot, das Bushido ohnehin niemals annehmen würde, bleibt die Ansage zwar angriffslustig aber wenig konkret. Wahrscheinlich besser so. Vielleicht ändert sich das aber nach dem Ende des Ramadan am 23. Mai. Womöglich läuft der Konflikt zwischen einem der größten YouTuber Deutschlands und einem der ehemals wichtigsten Rapper Deutschlands aber primär auf ein Duell der Fangemeinden heraus.

Hier weiß Mois eine leidenschaftliche Community hinter sich. Ob diese noch irgendwie an Bushidos verbliebenen Fans rütteln kann, ist jedoch fraglich. Am Ende profitiert wohl am ehesten Bushido von der Reichweite, die Mois eigentlich keinen Newcomern oder etablierten Rappern mehr schenken will. 


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