12 Kollaboalben, die einen 2. Teil brauchen

 

The Twelve: Whisky und Rap haben viel gemeinsam. Man kann sie mit einfachen Mitteln produzieren, durch Skills und Hingabe werden aus ihnen beeindruckende Kunstwerke. Das braucht seine Zeit: Nur Whiskys, die 12 Jahre lang gereift sind, finden ihren Weg in den Chivas 12. Gemeinsam mit Chivas Regal suchen wir nach den Momenten der Rap-Geschichte, die die Zeit überdauern. Immer im Zeichen der Zwölf.

Deutschrap hat schon etliche Kollaboalben hervorgebracht. Doppelte Schlagkraft, doppelte Präsenz: So eine Zusammenarbeit von zwei Rap-Artists bekommt nicht selten Event-Charakter. Folgende zwölf Kollaboalben von Rappern, die nicht permanent als Tag Team in Erscheinung treten, haben viel dafür getan, dass Fans einen Nachfolger herbeisehnen. Egal, wie unrealistisch die eine oder andere Fortsetzung erscheint – hier kommen zwölf Mischen, die es so bisher nur einmal gab und einen weiteren Teil vertragen könnten.

Kool Savas & Azad One – One (2005)

Es ist inzwischen tatsächlich schon über 17 Jahre her, dass Azad und Kool Savas zu einer rappenden Einheit fusionierten. Auf dem gemeinsamen Album "One" wurde nicht nur der "Monstershit" ausgepackt, sondern auch samt Kinderchor mit "All 4 One" Angriff auf die Charts genommen – und das zu einer Zeit, als noch Maxi-CDs über die Ladentheke wanderten.

Aus dem schnellen Nachfolger wurde jedoch nichts. Doch vielleicht wird Azads Interview-Aussage aus dem Jahr 2009 ("Es wird auf jeden Fall noch ein gemeinsames Kollaboalbum von uns beiden geben.") ja irgendwann zu etwas Handfestem. Es scheint schließlich fast so, als möchten die beiden Vollblut MCs die Welt ab und zu daran erinnern, dass sie locker in der Lage sind, für Nachschub zu sorgen. In den letzten Jahren erschienen gleich mehrere Tracks in der "One"-Besetzung. Dort zelebrieren die lebenden Deutschrap-Legenden ihre Sicht auf "Hiphop" und spielen mit dem Wunsch vieler Fans.

"One ist wieder back, Rap kriegt wieder Eier!"

Coup (Haftbefehl & Xatar) – Der Holland Job (2016)

Haftbefehl und Xatar zusammen auf Albumlänge: Das ist Coup. Im Sommer 2016 wurden die Flaschen auf den Tisch gedonnert, ohne auch nur einen Cent zu zahlen. Baba Haft und der Baba aller Babas erledigten ihren "Holland Job". Dieser lief musikalisch wie ein Blitzraub ab. Die Beats von Die Achse, Enginearz, Reaf, Brenk Sinatra und Co. scheppern ordentlich auf den überwiegend kurzweiligen Tracks.

Die Promophase samt vermeintlicher Flucht und einem Kurzfilm versprach dabei noch ein bisschen mehr Blockbuster-Feelings. Zwischen all dem Entertainment und Promomoves droht in Vergessenheit zu geraten, dass "Der Holland Job" ein hungriges und wildes Straßenrap-Album ist, das auch heute problemlos bestehen kann. Haftbefehl hat bereits einen zweiten Raubzug in Aussicht gestellt.

Manuellsen & Massiv – Ghetto (2021)

Stimmgewalt von der Straße für die Straße: Manuellsen und Massiv haben für "Ghetto" erstmalig auf Albumlänge gemeinsame Sache gemacht. Darauf ziehen der Weddinger und M.Punkt sämtliche Register. Massiv punktet mit seinem Mix aus Pathos und Humor. "Die Rapper in die Sour Cream dippen" und gleichzeitig mit "blutroten Nikes durch den Regen" stapfen, kann wohl so nur der Wahlberliner, ohne an Kredibilität einzubüßen.

Über Manuellsens viel gepriesene Talente braucht man kaum Worte verlieren. Der Ruhrpottler singt und rappt, als gebe es kein Morgen mehr. Mit einer verschlankten Tracklist käme der "Lederjacken-Sound", der größtenteils von Tengo ausgerollt wird, vielleicht noch besser zur Geltung. Ein zweiter Teil ist laut Manuellsen bereits in Planung.

Sido & Kool Savas – Royal Bunker (2017)

Kool Savas hat im Laufe seiner Karriere schon so einige Kollaboprojekte aus dem Boden gestampft. Doch nur mit Sido ging es bisher zurück zu einer ikonischen Keimzelle des deutschen Raps – in den "Royal Bunker". Das gemeinsame Album holt die Zeit mit Open-Mic-Sessions in Kellerräumen des Labels von Marcus Staiger hervor.

Diese Hommage an früher kommt an. "Royal Bunker" ist ein Gold-Erfolg und bietet auch General Lakmann One einen wohlverdienten Platz im Spotlight. Mit DJ Desue, Smoove (RIP), Sir Jai und X-Plosive sind zudem Produzenten am Werk, die ihr Handwerk nicht erst gestern erlernt haben. Am Mic: "Zwei der besten, die es je taten." Mehr davon!

Capital Bra & Farid Bang – Deutschrap Brandneu (2022)

"Deutschrap Brandneu" beginnt wie ein Statement gegen alles, was in den dominierenden Playlisten auftaucht – einem Storyteller ("Karma"). Mit ihrem enormen Standing richten sich Capital Bra und Farid Bang gegen den oft als gleichförmig wahrgenommenen Sound der Streaming-Ära. Samt Kyree, B-Case und Johnny Illstrument wird ein Straßenrap-"Molotov" nach dem anderen gezündet.

Die Comic-Präsentation der Platte scheint eh auf weitere Teile angelegt. Der Kampf von Joker Bra und Banger Bane gegen die Algorithmen der Gegenwart stößt auf Gegenliebe. Das Album ging direkt auf die Eins und wurde den Erwartungen der Fans offenbar gerecht. Doch da ist noch mehr drin. Capital Bra war vor Release wegen familiärer Angelegenheiten eingeschränkt. Mit der vollen Aufmerksamkeit des Bratans wartet auf Deutschrap womöglich ein noch größeres Spektakel.

LGoony & Crack Ignaz – Aurora (2016)

Im Januar 2016 droppten LGoony und Crack Ignaz mit "Aurora" ein New Wave-Gemisch, das für manche vielleicht zu sehr Richtung Zukunft schielte. Rückblickend macht die deutsch-österreichische Swag-Kombo auf Beats von Lex Lugner, DJ Heroin, GEE Futuristic und hnrk so ziemlich alles richtig.

Der Mob wird seinerzeit mit einem Freedownload beschenkt. Der König der Alpen liefert majestätischen Mundart-Rap und LGoony kostet sein Lausbuben-Image vollends aus. Was auf dem Album passiert, fällt wohl am ehesten unter das, was in jener Zeit Cloudrap genannt wurde. Tracks wie "Tokyo Boys" oder die Turn-Up-Hymne "Oida Wow" sind jedoch alles andere als wolkig und sphärisch. Trotz solcher harten Banger muss sich kaum jemand vor lauernden Hittas in Köln und Wien fürchten – selbst wenn der selbstbewusste Vortrag darauf schließen lassen könnte. Künstlerisch sind beide inzwischen ein Stück weiter gezogen, aber als Statement dürfte bis heute gelten:

"Ich hör‘ Young Thug und Lil B / Und du Fanta 4"

Casper & Marteria – 1982 (2018)

Deutschraps Live-Giganten Casper und Marteria haben 2018 ein Versprechen eingelöst. Sie trauten sich zwar nicht als Casimoto aus der Deckung, aber releasten nach etlichen Jahren des Tuschelns endlich ein Kollaboalbum. Die zwei Künstler, die mit "Zum Glück in die Zukunft" und "XOXO" Deutschrap aus einer Talsohle führten, liefern darauf durchweg "Champion Sound".

Ohne das ganz große Kopfzerbrechen hinter jeder einzelnen Songskizze blicken beide auf das Aufwachsen in der Provinz oder genießen auch mal das gute Leben. Es sei ihnen gegönnt. Diesem Started From The Button-Feeling fehlt es schließlich nicht an Authentizität. Vor dem heutigen Star-Status lagen Jahre voller Struggle. Einst war an Gigs in Stadien und Headliner-Slots auf den größten Festivals des Landes noch nicht zu denken. The Krauts bereiten überwiegend die musikalische Bühne, die Casper und Marteria gelöst und lässig bespielen. Warum nicht noch einmal eine "Supernova" zünden?

Capo & Nimo – Capimo (2019)

Der "Lambo Diablo GT" auf Capos Album "Alles auf Rot" dürfte nicht unerheblichen Anteil daran haben, dass Capo und Nimo den "Achtziger-Film" auf ein gemeinsames Release bringen wollten. Zu geschmeidig groovten die "Cocaine Cowboys" über den Beat von SOTT, Veteran und Zeeko. Die Vibes aus einem anderen Jahrzehnt treffen beim Kollaboprojekt "Capimo" auf Autotune und gar nicht so für den Streaming-Markt optimierte Songlängen.

"Es ist kein Album, worauf ich stolz bin. Es ist keine Zeit, worauf ich stolz bin", sagte Nimo im Nachhinein im Hiphop.de-Interview mit Aria Nejati und bezog sich dabei vor allem auf seinen Anteil an dem Album. Capo konnte der Platte hingegen auch Jahre nach Release weiter einiges abgewinnen. Inzwischen ist Nimos kritische Sicht schon wieder ein bisschen aufgeweicht und so scheint es zumindest nicht vollends ausgeschlossen, dass der Achtziger-Film irgendwann ein Sequel erhält. Capo prophezeit schon mal: "[...] die Leute werden es blind feiern".

PA Sports & Kianush – Crossover (2020)

Im Hause Life Is Pain lassen sich mit den gleichen Künstlern vollkommen unterschiedliche Kollaboalben konzipieren. PA Sports und Kianush haben ihre "Desperadoz"-Reihe, aber ließen auch schon mit "Crossover" aufhorchen. Das Rezept für die Kollabo bringt Kianush in der Single "Streit mit dem Mond" auf den Punkt:

"Crossover, 80er-Pop / Gemixt mit dem Rap aus dem achtzehnten Stock"

PA Sports wollte bei dem Projekt "einfach Mukke machen, ohne gezielten Plan dahinter". Diese Lust am Experiment geht auf. Die Single "Casino Royal" streamt sich gen Gold-Status. Musikalische Verweise auf die "Sweet Dreams" der Eurythmics oder auch auf "Last Resort" von Papa Roach sorgen für ein untypisches Soundbild. Bei diesen einzelnen Anspielungen auf die Achtziger sowie die Crossover-Phase um 2000 muss es ja nicht bleiben. Mit Unterstützung von Produzenten wie Cheeka und Chrizmatic scheinen hier ein weiteres Mal Großtaten möglich.

Frauenarzt & Taktloss – Gott (2017)

Als Frauenarzt mit den Atzen schon längst jede Großraumdisko in Schutt und Asche gelegt hat, kehrte der Untergrund-König mehr und mehr zu seinen Wurzeln zurück. Zusammen mit Taktloss stellte er die Berliner Battlerap-Schule einem neuen Publikum vor. Nur die Beats auf "Gott" erinnern hin und wieder an den bunten Elekto-Spaß der "Disco Pogo"-Crew.

Doch alles andere will mit Mainstream nichts zu tun haben. Es gibt hier definitiv kein Battle. Mütter kommen auf alle erdenklichen Weisen ins Spiel. Takti der Blonde ballt durchweg mit Lines, die so nur er bringen kann und Frauenarzt ist die rappende Ignoranz. Samt Produktionen von Hell Yes, dem Produzenten-Duo bestehend aus Specter und David Bwoooi, ist "Gott" ein vollkommen wilder Ritt, den man wohl nur lieben oder hassen kann. Westberliner Rap, der die Hörgewohnheiten derart herausfordert, bietet Raum für noch mehr drückenden Wahnsinn.

Fler & Jalil – Epic (2017)

Das gemeinsame Album von Fler und Jalil sollte kurz vor Toreschluss "Future" heißen, es ist dann aber doch "Epic" geworden. Passt auch ganz gut: Denn Jalils und Flers Kollabowerk ist eine überwiegend düstere Trap-Predigt auf Albumlänge. Der Vibe, den Fler mit seinem gleichnamigen Soloalbum erschuf, wird konsequent fortgeführt. Jalil und Fler ergänzen sich auf den Produktionen von Nico Chiara, Iad Aslan, Simes und Co. und spielen gekonnt mit Lines und Flows.

Beide schauen mit gepflegter Arroganz auf das Treiben im Deutschrap – durchweg mit dem Mindstate, allen mehrere Schritte voraus zu sein. Aus einer "Gang für immer" ist bekanntlich leider nichts geworden. Das Tischtuch zwischen den Berlinern ist seit Jahren zerschnitten. "Epic 2" wäre schön, aber ob einer der beiden das heutzutage ähnlich sieht, kann getrost angezweifelt werden.

Mädness & Döll –  Ich und mein Bruder (2017)

Darmstadt represent! Mädness und sein jüngerer Bruder Döll geben keinen F*ck auf Pathos. Allein, dass beide Ausnahmekünstler mit dem gleichen Geburtsnamen auf einem Album zusammengekommen sind, ist Balsam für die Seele von Rapfans, die das Game seit seinen Anfängen beobachten. Der Titelsong zitiert dabei die Stieber Twins – die auf "Fahrenheit 72" schon in den Neunzigern als "das zweite Weltwunder" durchgingen. 

Beat-Virtuosen wie Torky Tork, Yassin, Fid Mella, ­Dexter und Gibmafuffi lassen Mädness und Döll stilsicher aus dem Leben zweier Geschwister erzählen, bei denen nicht alles glatt lief. Diese Kombo wird auch von Kollegen über alle Maßen geschätzt. Um es mit den Worten von Audio88 zu sagen:

"Wir kommen mit Mädness und Döll / Ihr mit Wackness und Müll"

Einen Unterschied haben Whisky und Rap übrigens auch: Während man von Rap nie genug bekommmen kann, muss man Whisky bewusst und bewusst und verantwortungsvoll genießen. Informationen zu "Genuss mit Veratwortung" findest du auf massvoll-geniessen.de.

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