Die 12 besten Hiphop-Dokus
Skepta, Lil Peep, Ice-T und Chivas Regal Whisky

 

The Twelve: Whisky und Rap haben viel gemeinsam. Man kann sie mit einfachen Mitteln produzieren, durch Skills und Hingabe werden aus ihnen beeindruckende Kunstwerke. Das braucht seine Zeit: Nur Whiskys, die 12 Jahre lang gereift sind, finden ihren Weg in den Chivas 12. Gemeinsam mit Chivas Regal suchen wir nach den Momenten der Rap-Geschichte, die die Zeit überdauern. Immer im Zeichen der Zwölf.

Hiphop wächst und gedeiht seit nun knapp 50 Jahren. Eine stetig größer und relevanter werdende Kultur, die von außen betrachtet wie schillernder Maximalismus daherkommen kann. Möchte man als Normalsterblicher aber mal hinter die Kulissen blicken und den langen Weg bis zur Gegenwart nachvollziehen, eignet sich wohl kaum ein Medium besser als die klassische Dokumentation. Ja, das gilt auch in Zeiten sozialer Medien: Intimste und persönlichste Momente gepaart mit einem wissenswerten Mix aus Kultur und Geschichte sowie cineastischer Dramaturgie – das ermöglicht tiefe Einblicke. So tief, wie es keine private Instagram-Story aus den millionenschweren vier Wänden eines jeden Rap-Artists je bieten könnte.

Nachfolgend blicken wir also auf zwölf der besten Dokumentationen, die allesamt ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Hiphop-Kultur und ihre Protagonist*innen vermitteln. Wie immer gilt hierbei natürlich: Die Reihenfolge ist beliebig und hat nichts mit der Qualität der jeweiligen Dokus zu tun.

Hip-Hop Evolution

Um gleich mal zu Beginn den Elefanten im Raum anzusprechen: Viel besser, detaillierter und eindrucksvoller als "Hip-Hop Evolution" kann eine Dokumentation über die Kultur eigentlich gar nicht mehr werden. Als eines der wohl größten und ambitioniertesten Projekte dieser Liste bietet es dem Publikum einen Deep Dive in die Ursprünge und Entwicklungen des Genres, der seinesgleichen sucht.

Jede der mittlerweile vier Staffeln legt dabei besonderen Wert auf ein bestimmtes Jahrzehnt oder eine bestimmte Epoche. Angefangen in den 70ern mit Pionieren wie DJ Kool Herc oder Grandmaster Flash, hangelt sich die kanadische Netflix-Serie peu à peu am Zeitstrahl der Hiphop-Kultur entlang, bis sie schlussendlich in den 2000ern landet. Die vierte und bislang letzte Staffel beschäftigt sich mit damals wie heute wichtigen Künstlern à la 50 Cent, Lil Wayne und Timbaland. Angekündigt wurde eine fünfte Staffel bisher noch nicht – so viel steht aber fest: Auch die 2010er würden genug Material für weitere Episoden im Emmy-ausgezeichneten Stilmix aus Interviews und Archivaufnahmen hergeben.

We Wear The Crown – 40 Jahre Rap aus Deutschland

Mehr Interesse an Deutschrap? Auch dafür soll gesorgt sein. Die arte-Produktion "We Wear The Crown" ist so etwas wie die deutsche Antwort auf "Hip-Hop Evolution": Ein Roundhouse-Kick durch alle prägnanten Perioden deutschen Raps, angefangen in den frühesten 80ern mit Thomas Gottschalks "Rapper's Delight"-Cover und der eigens für den Song gegründeten Musikgruppe "G.L.S.-United".

Falk Schacht, der selbst an der Produktion der Serie beteiligt war, führt durch die einzelnen Etappen der Deutschrap-History. Für das Projekt wurden circa 80 Interviews geführt, dabei kommen "alte Hasen" wie Cora E., Torch oder die Stieber Twins genauso zu Wort wie RIN, Haiyti oder Bausa. Zugegeben: Die insgesamt siebenteilige Serie fokussiert sich eher aufs vergangene Jahrtausend. Lediglich der letzte Part der Doku rollt die knapp über zwanzig Jahre Hiphop seit Beginn des neuen Millenniums auf. Nichtsdestotrotz bleibt "We Wear The Crown" Pflichtlektüre für alle Hiphop-Fanatiker hierzulande!

Jeen-Yuhs

Arrogant, wegweisend, umstritten, genial – je nach persönlicher Meinung zu Kanye West ließe er sich mit vielen Adjektiven beschreiben, "langweilig" lautet aber keines davon. Seinen faszinierenden wie tragischen Weg vom weitläufig übersehenen Producer / Rapper aus Chi-Town bis hin zum weltbekannten bipolaren Mode- und Musik-Visionär gibt es so kein zweites Mal zu sehen. Zum Glück hat Coodie Simmons von Anfang an die Kamera draufgehalten.

Das dreiteilige Netflix-Exclusive fokussiert sich in den ersten beiden Dritteln auf die Zeit bis Release seines ersten Albums "College Dropout" im Jahre 2004. Meilensteine seiner Laufbahn werden detailliert dargestellt, so etwa die kieferorthopädische Behandlung nach seinem schweren Autounfall, der schlussendlich zur Aufnahme von "Through The Wire" und seinem Durchbruch als Rapper führte.

Am stärksten ist die Doku aber immer dann, wenn Ye Momente mit seiner Mutter Donda West teilt. Man scheint förmlich durch den Bildschirm spüren zu können, wie sich Kanyes Psyche nach ihrem Tod verschlechtert. Auch der Kontakt zu Kameramann Coodie wird über die Jahre immer sporadischer, was dank der Erzählperspektive zum Teil nah ans Herz gehen kann. "Jeen-Yuhs" ist nicht nur für Kanye-Fans ein Must-Watch, sondern für alle, die Liebe für dokumentarisches Filmemachen übrig haben.

The Defiant Ones

Um direkt mit dem nächsten Schwergewicht der internationalen Hiphop-Szene weiterzumachen: "The Defiant Ones" beleuchtet den Werdegang von Dr. Dre. Von Dre und Musikproduzent Jimmy Iovine, um genau zu sein. Die Partnerschaft und Freundschaft der beiden ist nämlich ein elementarer Bestandteil der Karrieren auf beiden Seiten.

Iovine hatte schon lange vor Dre mit Künstlern wie John Lennon oder Bruce Springsteen zusammengearbeitet. Dass diese Doku also weit über den Hiphop-Tellerrand hinausgeht, zeigen schon die Interviewgäste auf konstantem Superstar-Niveau: Neben Eminem, Snoop Dogg oder (einem Gänsehaut erzeugenden Auftritt von) Kendrick Lamar gesellen sich Namen wie eben Springsteen, Bono oder Gwen Stefani.

Vier Folgen, 260 Minuten, eine hochkarätige Doku: Warum "The Defiant Ones" so besonders ist, haben wir schon damals zu Release zusammengetragen.

Rhyme & Reason

"Rhyme & Reason" ist ein certified hood classic. Frag' Urban Dictionary. Zwar dreht sich die 94-minütige Doku um die altbekannten Gesichter und Geschichten des Hiphop-Aufschwungs in den 90er-Jahren (und ja, dazu zählt natürlich auch Dr. Dre, den wir erst im vorangegangenen Spot behandelt haben) – nichtsdestotrotz hat dieses Projekt hier einen besonderen Platz verdient. Warum? "Rhyme & Reason" ist einfach authentisch.

Diese Doku wurde 1997 produziert und erzählt damit keine Geschichten längst vergangener Tage im hochqualitativen Großbudget-Format. Man kriegt einen Einblick in das damalige Hier und Jetzt, ohne vom Erzähler durch ein "Was damals noch niemand wusste..." unterbrochen zu werden. Nein, damals wusste wirklich noch niemand. Ein sehr interessantes Stück Zeitgeschichte, das nur so vor 90er-Flair trieft. Besonders wild: "Rhyme & Reason" enthält exklusives 2Pac- und Biggie-Footage. Weniger als vier Tage nach Veröffentlichung der Doku wurde Letzterer ermordet. Immer noch: Damals wusste einfach niemand.

Dichtung und Wahrheit

Nix mit Hollywood, Frankfurt, Brudi! Wenden wir den Blick doch noch mal ab von den Staaten hin zu Deutschland. In Richtung des Rhein-Main-Gebiets, genauer gesagt. "Dichtung und Wahrheit" nimmt den Quasi-Entstehungsort deutschen Hiphops nämlich ganz genau unter die Lupe. In Frankfurt stationierte US-Soldaten haben die Kultur in den frühen 80ern vielen jungen Menschen nähergebracht. Und der Rest ist History.

Von Konkret Finn und RHP über Azad, Haftbefehl bis hin zu Liz stand die hessische Bankenmetropole schon seit Tag 1 für Rap der raueren und härteren Sorte. Auch Künstler wie D-Flame, Azzi Memo, Credibil oder Celo & Abdi kommen in der vierteiligen Doku zu Wort. Zwar bestehen mit der Zeitstrahl-Erzählstruktur natürlich gewisse Ähnlichkeiten zu "We Wear The Crown", der Fokus auf die Frankfurter Szene macht "Dichtung und Wahrheit" aber immer noch zu einer sehenswerten Wahl für den Doku-Abend.

Freestyle: The Art of Rhyme

Wie bringt es ein YouTube-Kommentar unter der vollständigen Doku passend auf den Punkt?

"Lehrmaterial für alle, die behaupten, Hiphop zu sein"

Viel besser kann man "Freestyle: The Art of Rhyme" wohl nicht beschreiben. Erschienen im Jahr 2000 mit einer Laufzeit von knapp über einer Stunde, hat die Doku zwar nicht die Möglichkeit, en détail in die Materie einzutauchen – den richtigen Spirit fängt sie aber allemal ein. Über 15 Jahre war der Film in der Mache. Das Ergebnis: eine kompromisslose Reise durch kleine Cyphers und hochgestochene Freestyle-Battles, durch Underground und Mainstream-Rap, durchs Flowen, Texten, Reimen.

Der ganze Film ist eine Ode an die Freestyle-Kultur. Wer auch immer damit nicht viel anfangen konnte, wird spätestens nach dem Auftritt von Mos Def in dieser Doku anders denken. Versprochen.

Skepta: Top Boy

Eigentlich wird es langsam mal Zeit – Fans von britischem Rap haben bisher nicht die Möglichkeit, eine allumfassende und mehrteilige Epochen-Doku über die letzten 40 Jahre Hiphop im Vereinigten Königreich zu schauen. Umso wichtiger sind die gut halbstündigen Kurzdokus von Noisey, die genau dort ansetzen und sich eingehend mit UK-Rap beschäftigen. "Blackpool" und "Don't Call it Road Rap" sind tolle Beispiele für kulturelle Vertiefungen, die hier genau so gut einen Platz hätten verdienen können. Trotzdem ist "Skepta: Top Boy" die dritte Noisey-Produktion im Bunde, die wir uneingeschränkt jedem ans Herz legen können.

Der Grime-Rapper ist ohne Frage einer der größten und wichtigsten Acts der britischen Hiphop-Szene. Die Dokumentation – die an den gleichnamigen Track angelehnt ist und Material für das später erschienene Musikvideo lieferte – begleitet Skepta bei seiner Tour durch Nordamerika und Kanada, die schlussendlich auf Drakes OVO Fest gipfelte. Machart, Schnittstil, O-Töne, manchmal auch nur die Day-to-Day-Situationen im Tourbus – "Top Boy" ist in jeder einzelnen Sekunde vor allem eines: extrem inspirierend.

808: The Heart of The Beat That Changed Music

Mittlerweile bedarf es keiner großen Production-Kenntnisse mehr, um zu wissen, dass heutzutage nur noch wenige Rap-Songs ohne eine geschmeidige 808 auskommen (wollen). Der Sound des japanischen Drumcomputers aus dem Jahre 1980 erfreut sich im Hiphop schon längst größter Beliebtheit. Die gleichnamige Doku beleuchtet die Geschichte der legendären Roland TR-808 und lässt dabei namhafte Hiphop-Acts wie Pharrell Williams, Lil Jon oder Afrika Bambaataa zu Wort kommen. 

Wenn die Dokumentation aber eines zeigt, dann ist es, wie weitläufig Ideen in der Musikwelt weitergereicht und angepasst werden. Denn auch außerhalb der Hiphop-Kultur sorgen die elektronischen Percussion-Samples auf ganz andere Art und Weise für ein stimmiges Soundbild. Ob David Guetta oder Phil Collins: Sie alle haben 808s in ihren Songs genutzt und erläutern das in diesem Film. Empfehlenswert für alle, die Lust auf instrumentales, technisches wie musikalisches Knowledge haben.

Everybody's Everything

"What's the 27 Club?
We ain't making it past 21"

Die bittere Wahrheit, die Juice WRLD in "Legends" besang und damit sein eigenes Schicksal prophezeite. Zur Riege der viel zu frühen verstorbenen Musiker zählt auch Gustav Elijah Åhr, der unter seinem Künstlernamen Lil Peep bekannt war und von der New York Times ziemlich treffend als "Kurt Cobain des Lofi-Raps" betitelt wurde. Der Kinostart von "Everybody's Everything" erfolgte am 15. November 2019 und damit genau zwei Jahre nach dem Tod des Musikers – benannt wurde der Film nach einem der Instagram-Posts, die Peep am Tag vor seinem Tod absetzte. Ein Begleitalbum erschien ebenfalls.

Mit der Doku geht eine Schwere einher, die man nicht nur fühlt, wenn man Fan seiner Musik ist. Von seinen Kindestagen über die Musikkarriere bis hin zu seinem Tod bildet "Everybody's Everything" in knapp zwei Stunden das Leben von Lil Peep ziemlich vollständig und komplettiert ab. Besonders rührend sind dabei die Elemente, in denen sein Großvater im Voiceover Briefe vorliest, die er an seinen Enkel geschrieben hatte. Melancholisch wie bewegend fällt der Lil Peep-Tribut auf jeden Fall ins Gänsehaut-Raster.

Something from Nothing: The Art of Rap

Diese Doku versteht Rappen und Texten als waschechtes Handwerk: Wie genau schreibst du deine Texte? Eine Frage, die sich immer wieder in den knapp 50 Interviews wiederfindet, die "Something from Nothing: The Art of Rap" in unter zwei Stunden zu bieten hat. Niemand Geringeres als Ice-T führt durch die Doku, der eben genau diejenigen fragt, die wissen müssen, wie's geht.

Den beeindruckenden Cast konnte er durch jahrzehntelange Connections im Game selbst zusammentrommeln. Durch Ice-Ts freundschaftliches Verhältnis zu jedem einzelnen der interviewten Rapstars schafft "The Art of Rap" es außerdem relativ schnell, sich von informativ-historischen Dokus abzuheben: Die Vibes sind einfach gut und unbeschwert, wenn Ice-T zusammen mit Snoop Dogg ein paar Bars zum Besten gibt und sich beide sichtlich amüsiert zeigen. Der Feel Good-Film unter den Hiphop-Dokus.

Hiphop und die DDR

Bushido, Schwesta Ewa, Apache 207 – natürlich hätten wir hier auch auf deutsche Portrait-Dokus eingehen können. Schließlich sind auch diese allesamt gut produziert und interessant zu schauen. Trotzdem wollen wir die Liste mit einem eher ungewöhnlichen Pick beenden. "Hiphop und die DDR" ist nämlich eine ganz besondere Doku. Die MDR-Produktion taucht tief ein in die Etablierung einer Subkultur unter staatlicher Aufsicht.

Natürlich kam das internationale Phänomen, als das sich die Hiphop-Szene schnell herausstellte, früher oder später auch im Osten Deutschlands an. Der Breakdance-Film "Beat Street" war damals wie eine Droge, heißt es in der Doku. Doch wie kann Hiphop sich durchsetzen, wenn schon das Tanzen zu amerikanischer Musik verboten ist? Wenn die richtigen Klamotten nur schwer zu ergattern sind? Es ist toll zu sehen, wie kreativ und rebellisch sich trotz der heute kaum mehr vorstellbaren Umstände in der DDR eine neue Jugendkultur breitmachte. Ein gutes und mit 45 Minuten Laufzeit relativ schnell geschautes Doku-Stück, das auch im Hinblick auf unsere politische Landesgeschichte ziemlich aufschlussreich ist.

Einen Unterschied haben Whisky und Rap übrigens auch: Während man von Rap nie genug bekommen kann, muss man Whisky bewusst und bewusst und verantwortungsvoll genießen. Informationen zu "Genuss mit Verantwortung" findest du auf massvoll-geniessen.de.

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