Homerecording (Teil 10): Delay - Die Sache mit dem Echo
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Mit dem Reverb-Effekt wirkt unser Vocal Mix schon mal um einiges natürlicher. Schließlich soll der Sound im Ohr unserer Hörerschaft ja möglichst real und ehrlich klingen. Nach dem gleichen Verfahren, das wir in Teil 9 für den Reverb-Effekt angewandt haben, schalten wir nun noch ein weiteres Plug-in hinzu: Es nennt sich Delay.

„Delay“ bedeutet zunächst nichts anderes als Verzögerung – und genau die machen wir uns für unser Eingangssignal zunutze. Der Delay-Effekt erzeugt verzögerte Kopien unseres Audiosignals, was für den Zuhörer wie ein Echo wirkt. Der Vorteil: Wir sind in der Musikbearbeitung keineswegs auf eine exakte Kopie des Eingangssignals beschränkt und können unser „Echo“ nach Belieben modifizieren! Der Nachteil: Ein stümperhaft angewandtes Delay kann euren ganzen Vocal Mix rasieren. Es ist also Vorsicht geboten.

Ob der Zuhörer den Effekt überhaupt aktiv wahrnimmt, können wir frei entscheiden. Das Delay ist Stilmittel und Mittel zum Zweck zugleich, subtil verwendet verschafft es uns einen deutlich dichteren Vocal Mix.

Wie also wende ich Delay an?

Wenn es um Vocal Delay geht, rate ich - ähnlich wie bei Reverb - dringend zu Parallel Processing. Damit ist die parallele Verarbeitung verschiedener Effekte über Auxilary Tracks (Hilfsspuren) gemeint - es entlastet unter anderem euren Rechner und erlaubt ein höheres Maß an Kontrolle. Im Video zu Teil 9 habe ich bereits demonstriert, wie man Auxilary Tracks erzeugt und mit dem entsprechenden Effekt versieht.

Für das Delay erstellt ihr natürlich einen neuen Bus und fügt es nicht im Reverb-Track ein – auch Reverb und Delay sollen parallel, jedoch gleichzeitig unabhängig voneinander, verarbeitet werden. Wichtig ist, dass ihr Reverb und Delay mit viel Muße aneinander anpasst – wenn man die beiden gekonnt abstimmt, erhält man einen weitaus professionelleren Sound.

Parameter

Zuletzt noch die wichtigsten Parameter, die euch beim Delay begegnen:

  • Delay (in ms): Verzögerungszeit in Millisekunden
  • Groove: Rhythmische Verschiebung des „Echos“
  • Feedback (in %): Rückkopplung des Ausgangssignals mit Hinblick auf das  Eingangssignal
  • Wet: Ausgangslautstärke des durch Delay erzeugten Signals
  • Dry: Ausgangslautstärke des ursprünglichen Signals
  • EQ: Frequenzbereich des Wet-Signals

Natürlich gibt es je nach Art des Delays noch zahlreiche weitere Parameter. Verwendet zu Anfang vielleicht nicht direkt ein Stereo- oder Filter-Delay, sondern nutzt beispielsweise ein Tape-Delay. Setzt es lieber subtil ein, bevor der Mix am Ende völlig unkontrolliert und verwaschen klingt.       

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Wie Dieter Bohlen Jumpas "Cherry Lady"-Remake "eiskalt" nachgebaut hat

Wie Dieter Bohlen Jumpas "Cherry Lady"-Remake "eiskalt" nachgebaut hat

Von Michael Rubach am 19.05.2021 - 13:41

Producer Special bei Apple Musics HYPED Radio: Aria Nejati begrüßt Jumpa zum Interview. Der in Berlin ansässige Produzent droppte allein in den letzten Wochen Singles mit Artists wie Samra, Zuna oder badmómzjay. Im Talk (hier anhören) spricht er nun über seine ersten musikalischen Gehversuche, den Auslöser für seine Deutschrap-Faszination und über Dieter Bohlens wilde Moves im Nachgang von Capital Bras Cover-Version von "Cherry Lady".

Remake vom Cover: Dieter Bohlen baut "Cherry Lady" im Jumpa-Style

Obwohl Jumpa erst 25 ist, produziert er seit zehn Jahren für Künstler*innen im Deutschrapkosmos. So hat er auf Fards Album "Invictus" 2011 bereits zwei Beats platzieren können. Jumpa-Produktionen finden bundesweit in der Szene Anklang. Vom "Outro" auf Farid Bangs "Asphalt Massaker 3" bis zu "High Life" auf dem "Sampler 4" der 187 Strassenbande – Jumpa, make it jump. Kein Wunder, dass sich auf seiner kommenden EP "Make It Jump" unter anderem Zuna, Samra, badmómzjay und Vega tummeln. Der Beat zur Auftaktsingle von badmómzjays Debütalbum "badmómz." geht ebenfalls auf das Konto von Jumpa.

Auch mit Capital Bra hat er schon für verschiedene Songs zusammengearbeitet. Das von Jumpa produzierte Cover von "Cherry Lady" ist inzwischen Platin gegangen. Davon dürfte jedoch vor allem Dieter Bohlen profitieren. Der Pop-Titan hält laut Jumpa die gesamten GEMA-Rechte. Ebenso hat der Modern Talking-Gründer offenbar ganz genau hingeschaut, wie heutzutage Musik entsteht. Die Inspiration für ein weiteres Dieter Bohlen-Remake des Songs liegt für Jumpa auf der Hand.

"Ich hab auch mal mit ihm telefoniert. Ich hab, glaube ich, ein zwölftel Aufführungsrecht. Es ist ein Witz einfach. Viel krasser ist aber, dass Dieter dann irgendwann noch einmal eine eigene 'Cherry Lady'-Version releast hat und meinen Beat eins zu eins nachgebaut hat. Und ich da auch nix machen konnte, weil er die GEMA hat. Er hat eins zu eins meine Chord Progression nachgebaut. Eiskalt."

Jumpa über seine Anfänge als Producer & den Weg zum musikalischen Gehör

Wie ist Jumpa überhaupt dorthin gelangt, dass er es mit Kalibern wie Dieter Bohlen zu tun bekommt? Er hat früher zur Übung mit dem Nachbauen von Instrumentals begonnen. Als er mit dem Beatmaking anfing, sei er noch "komplett unmusikalisch" gewesen. Seine persönliche Deutschrapinitialzündung fand bei ihm mit Sido und "Fuffies im Club" statt. Dann folgte ein Ratschlag seiner Mutter und YouTube-Tutorials.

"Dann habe ich irgendwann Beats nachgebaut, weil meine Mom ist eine Sängerin gewesen früher [...]. Die hat ein sehr gutes Gehör. Die hat dann irgendwann einmal den simplen Satz zu mir gesagt, der mir sehr viel gebracht. Und zwar einfach so: 'Versuch nicht nur, die Musik zu konsumieren, sondern versuch mal den Song in deinem Kopf auseinanderzunehmen. Welche Instrumente sind in dem Song drin, wie bewegen die sich, wie spielen die und so weiter?' Seit dem kann ich auch nicht mehr normal Musik, hören. [...] Ich guck immer so: Wie spielt er Synthy? Welche Noten sind das ungefähr? Wie hat er das gemacht? Wie hat er den Sound hinbekommen? Dadurch hab ich am Anfang immer bei YouTube-Tutorials, die Beats, die da gebaut haben, einfach nachgebaut – als ich zwölf, dreizehn war. [...] Da hab ich die Noten nachgeklickt und dann hab ich irgendwann ein Verständnis bekommen. [...] Dadurch hab ich bin bisschen autodidaktisch mein musikalisches Gehör bekommen."

Die komplette Folge HYPED Radio kannst du hier hören:

Producer Special: JUMPA auf Apple Music

Geh mit Musik auf Entdeckungsreise. Hör dir Producer Special: JUMPA - einen Streaming-Radiosender - auf Apple Music an.


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