Exklusives Statement: Fler über Bushido, das LKA und die Bild

Gestern berichteten wir bereits über den Konflikt zwischen Fler, dem Bild-Reporter Peter Rossberg und den Spiegel-Journalisten Claas Meyer Heuer und Thomas Heise. Wir haben sowohl Fler als auch Peter Rossberg um eine Stellungnahme gebeten. Fler war so freundlich, einige unserer Fragen zu beantworten. Peter Rossberg hat bis jetzt nicht auf unsere Anfrage reagiert.

Fler: "Das sind keine Hirngespinste"

In seinen Tweets erklärt Fler immer wieder, dass es eine Dreiecksbeziehung zwischen Bushido, der Bild und der Staatsanwaltschaft gäbe. Auf die Frage, wie er darauf kommen würde, antwortet Fler, dass ihm diese Information ein Beamter des LKA Rocker-Dezernats gegeben hätte. Tatsächlich gab Bushido zuletzt im Prozess an, er und Peter Rossberg wären gute Freunde.

Peter Rossberg und Spiegel TV-Reporter Claas Meyer Heuer waren bei der Razzia von Arafat Abou-Chakers Wohnräumen am 22. September vor Ort. Die Staatsanwaltschaft leitete aus diesem Grund ein Verfahren ein, wegen "Verrats von Dienstgeheimnissen". Es ist unklar, woher die beiden Reporter von der Razzia wussten.

Fler vermutet, dass es Bushido oder sein Anwalt gewesen sein könnten, die die Infos über die anstehende Razzia an die Presse weitergegeben haben. Rossberg würde angeblich auch mit Bushido eine Doku über den Rapper produzieren. Fler wolle aber gar nicht die ganze Bild verfluchen, es handele sich hier wirklich nur um Peter Rossberg. Dieser würde nicht neutral berichten, da er mit Bushido gemeinsam eben diese Dokumentation produzieren würde und schon lange mit Bushidos Anwalt Steffen Tzschoppe befreundet sei.

"Die machen ja gemeinsam eine Doku mit Peter Rossberg. Die haben selber im Gerichtssaal Aussagen gemacht, wo die gesagt haben: 'Ja, wir sind gut befreundet'. [...] Das heißt, das ist halt eine Interessengemeinschaft, [...] Die spielen sich halt die ganze Zeit Informationen zu."

Für Fler ist klar, dass Peter Rossberg und Spiegel TV eine Agenda gegen Arafat Abou-Chaker fahren. Ihr Ziel sei es, den Prozess durch ihre Berichterstattung so zu beeinflussen, dass Bushido am Ende als Sieger dastehe.

"Im Grunde genommen, möchten Peter Rossberg und Spiegel TV die Öffentlichkeit beeinflussen, dass der Prozess sozusagen für Bushido gut ausgeht."

Auch das LKA würde mit Rossberg und Spiegel TV zusammenarbeiten. Für die neue Doku "Die Macht der Clans", welche passend zum gleichnamigen Buch erschien, hätten die Spiegel TV-Reporter Informationen vom Landeskriminalamt erhalten. Das LKA würde die Journalisten nutzen, um Stimmung gegen Arafat zu machen. Auch Peter Rossberg würde immer wieder Infos erhalten, dies würde besonders deutlich, wenn man seinen Podcast höre.

Fler: "Die hauen auf die Kacke, wo es nur geht"

Außerdem spricht Fler einen interessanten Punkt an, als es um den medialen Wirbel geht, den der Abou-Chaker-Prozess hervorruft. Laut Fler kämen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht damit klar, dass Bushido so viel mediale Aufmerksamkeit mitbringen würde. Das wäre der Grund, warum dann Leute wie Peter Rossberg und Spiegel TV die Infos gesteckt bekommen würden. Damit diese dann öffentlichkeitswirksam agieren.

"Die Staatsanwaltschaft, die Polizei und das LKA können einfach mit dieser Öffentlichkeitsarbeit nicht umgehen. Du merkst es halt, die haben jetzt da halt so einen Bushido, das ist eine Riesenberümtheit. Der sagt jetzt da halt aus. Arafat ist auch so was wie eine Berühmtheit. Und die können damit halt nicht umgehen. Die werden dann in die Öffentlichkeit gezogen und müssen sich da sozusagen Gedanken machen, wie sie Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Dann entsteht halt so was, wie Spiegel TV und Peter Rossberg. [...] Du merkst ja, dass die Polizei die ganze Zeit damit nicht umgehen kann."

Die angebliche Unfähigkeit des LKAs, mit der gesteigerten Aufmerksamkeit umzugehen, würde man laut Fler auch an deren Maßnahmen erkennen. Es würde zum Teil auf rechtswidrige Mittel zurückgegriffen. Als Fler sich für Arafat eingesetzt habe, sei er kurz darauf wegen Raub angeklagt worden. Normalerweise hätte es sich bei dem Vergehen lediglich um Sachbeschädigung oder Ähnliches gehandelt, ordnet er die Situation uns gegenüber ein.

Auf unsere Nachfrage nach seinem persönlichen Interesse am Prozess erklärt Fler, dass er natürlich gegen Bushido ist. Im Detail erläutert er, warum er bis heute die Motivation in diesem langjährigen Konflikt oben hält:

"Der Typ macht ja keinen Punkt. Der ist ja alleine und will immer noch ein Tyrann sein. Und das mit Unterstützung von LKA, Staatsanwaltschaft und halt Bild und Peter Rossberg. Der probiert ja alle Kanäle zu nutzen, die er hat."

Es ginge bei der ganzen Sache aber auch um die Egos der Polizeibeamten. Die Vorwürfe gegen Arafat Abou-Chaker seien ganz eindeutig aufgebauscht.

"Alles, was du liest, 90% davon ist richtiger Blödsinn. Auch mit diesen Steuern und so was. Der macht da Sachen, die sind voll erlaubt, [...] und die machen daraus einen Hickhack. Die machen ihn zum Al Capone. Man merkt halt, da ist so viel Ego im Spiel, bei den Bullen. Das ist so ein Ego-Ding und jeder der sich irgendwie auf die Seite [von Arafat] stellt, kriegt auf den Deckel."

Arafat steht seit August vor Gericht. Ihm wird unter anderem schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll Bushido eingesperrt und dann mit einem Stuhl und einer Wasserflasche attackiert haben.

Zusammenfassend geht Fler also davon aus, dass Peter Rossberg und Spiegel TV sowohl von Bushido und dessen Anwalt als auch vom LKA und der Staatsanwalt genutzt würden, um den Abou-Chaker-Prozess medienwirksam zu beeinflussen. Deutlich würde dies dadurch, dass Rossberg und Bushido laut eigener Aussage "gute Freunde" seien. Daher vermutet Fler, dass Peter Rossberg und Claas Meyer Heuer von Spiegel TV die Informationen über die Razzia in Arafats Wohnräumen am 22. September unrechtmäßiger Weise zugesteckt bekommen hätten.

In der Tat leitete die Staatsanwaltschaft aufgrund der Tatsache, dass die Reporter vor Ort waren, ein Verfahren wegen "Verrats von Dienstgeheimnissen" ein.

Abseits der Freundschaft habe Rossberg auch berufliches Interesse daran, den Prozess zugunsten von Bushido zu beeinflussen. Er drehe angeblich aktuell mit Bushido eine Dokumentation über den Rapper. Die Info, dass Bushido aktuell an einer Dokumentation über sich arbeiten soll, ist keine neue. Bereits Anfang des Jahres berichtete Marcus Staiger in seinem Podcast, er habe in der anstehenden Doku mitgespielt.

Peter Rossberg hat sich uns gegenüber zu diesem Zeitpunkt nicht zu der Angelegenheit geäußert.

Fler & Bild-Reporter im Streit: Worum es geht & was bisher geschah

In den vergangenen Tagen überschlugen sich die Ereignisse, rund um den Prozess gegen Arafat Abou-Chaker, in welchem Bushido Nebenkläger ist. Nach einer Hausdurchsuchung bei Arafat, welcher auch Vertreter der Presse beiwohnten, droht der Prozess nun zu platzen. Währenddessen legt sich Fler auf Twitter mit den anwesend gewesenen Journalisten an.

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"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

Von Till Hesterbrink am 18.10.2020 - 13:37

Der YouTube-Kanal History of Berlin macht seinem Namen alle Ehre und hat ein Interview mit Maxim aus dem Jahre 2001 veröffentlicht. Attila Murat Aydın, wie Maxim mit bürgerlichem Namen hieß, war einer der Hiphop-Pioniere der Hauptstadt. Er gründete zahlreiche Breaker-, Sprayer- und MC-Crews und war einer der ersten, die Hiphop in Deutschland nach amerikanischem Vorbild verstanden hatten.

Maxim nimmt HoB mit auf eine Zeitreise

In dem Interview erzählt Maxim von seinen Anfängen und wie er zum Breaken und Beatboxen gekommen ist und wie sich die Hiphop-Szene in Berlin mit den Jahren veränderte. Die Faszination begann für Aydın mit 12 Jahren, als ein bodenturnender Cousin aus Manchester ihn besuchte und ihm die ersten Moves zeigte. Nachdem er dann den Film "Wildstyle" gesehen hatte, war er endgültig begeistert. Neben dem Breaken entdeckte Maxim schnell auch das Beatboxen und Malen für sich und begann, sich einen Namen in Berlin zu machen.

Mit den Jahren galt Maxim als einer der Ersten, der den West-Berlin-Hiphop-Style etabliert hat und wurde so zu einer der bekanntesten Figuren in der Hauptstadt. Er war zwar Breaker, Sprayer, Beatboxer und Rapper, doch sein größtes Talent scheint das connecten von Leuten gewesen zu sein. So schreibt History of Berlin über ihn:

"Das wahre Talent von Maxim, war allerdings das vernetzen und verknüpfen von Leuten aus der Hip Hop Szene, denn er kannte wirklich jeden aktiven Tänzer und jeden relevanten Berliner Sprüher persönlich."

Aydın gründete Ende der 80er Jahre die legendäre Berliner Crew 36 Boys, welcher unter anderem auch der heutige Starkoch Tim Raue angehörte. Wie vieles, was Maxim machte, gelten die 36 Boys mittlerweile als Vorreiter für Crews und Gangs der nachfolgenden Generationen.

Auch die Glorious Five Artists wurden von Maxim gegründet, welche von der Backspin als eine der besten Writer Crews Europas bezeichnet wurde. Der Tagesspiegel nannte die GFA mal "die bekannteste deutsche Writer Verbindung".

Maxim: Viel zu früh gestorben

Wohl am Tag dieser Videoaufnahmen, seinem 33. Geburtstag, starb Maxim, als er einen Streit zwischen seiner Ehefrau und einem Rentner klären wollte. Der 76-Jährige zog jedoch ein Messer und erstach Aydın. Maxim hatte sich zeit seines Lebens gegen Gewalt eingesetzt und war ein berühmter Streitschlichter.

Auf der Aggro Ansage Nr.4 widmeten Fler, Sido und B-Tight der Straßen-Legende mit "Maxim ist King" einen ganzen Song.

"Der erste Beatboxer, erste Writer, erste B-Boy, er war die erste Eins" (Fler auf "Maxim ist King")

Des Weiteren wurde der "Maxim Memorial Day" ins Leben gerufen, bei welchem viele Berliner Künstler dem Verstorbenen ihren Respekt zollten. Außerdem erschien der "Maxim Memorial Sampler", auf dem unter anderem Kool Savas, Eko Fresh, Fler, Sido, Taktloss und B-Tight vertreten waren.

Bis heute findet Maxim immer wieder Erwähnungen in deutschen Raptexten:

"Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)/
Hoff', ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)" (Fler auf "Vermächtnis")


Maxim (Zeitreise 1982-2001) Hip Hop Legende, Graffiti, Break Dance, Beatbox - HISTORY OF BERLIN

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