"Aber" als Aufruf zur Spaltung: Wie AfD-Anhänger Eko Freshs Botschaft missbrauchen

Offensichtlich haben sich AfD-Anhänger dreist an Eko Freshs "Aber" bedient. Der Song, der gegen die Spaltung in unserer Gesellschaft kämpft, kursiert im Internet augenscheinlich als bearbeitete Parteiwerbung für die AfD.

Eko macht seinem Ärger darüber in einem Facebook-Statement Luft:

Eko Fresh

Unfassbar!!! Es kursiert bei Facebook und WhatsApp eine Version meines Videos, bei der anscheinend Sympathisanten der AFD, die erste Strophe rausgeschnitten haben, um dann am Ende ihr Logo...

Die Macher des Clips haben demnach "die erste Strophe rausgeschnitten, um dann am Ende ihr Logo einzublenden". Zeilen, die aus der Perspektive eines Wutbürgers gerappt werden, bleiben somit kommentarlos stehen. Die Gegenposition aus der Sicht eines in Deutschland aufgewachsenen Migranten oder der schlichtende Eingriff von Eko im dritten Part des Videos entfällt.

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Die Lines, welche die AfD für ihre Zwecke instrumentalisiert, klingen aus dem Kontext gerissen radikal. Sie passen anscheinend perfekt ins Weltbild der Partei. Das verdeutlicht umso mehr, wie genau Freezy den parteipolitischen Ton getroffen zu haben scheint:

"Gott anbeten ist 'ne persönliche Sache / Aber ihr wollt Bomben legen oder Köpfe abhacken / Was möchtet ihr Kanaken? Geld und unsre Töchter anpacken?"

"Guck, die Kurden in Berlin, Araber und Mafia-Clans / No-go-Areas, Terror wie im Bataclan / Die Geister eines linksgrün versifften Masterplans / Deshalb zünd' ich Fackeln an und schütze unser Abendland"

Rechtlich sind Eko Fresh wohl die Hände gebunden. Es sei schlichtweg nicht zurückzuverfolgen, wer die Urheberrechte seines Tracks verletzt habe:

Es ist nicht das erste Mal, dass die kontroverse Partei probiert, mit bekannten Rappern Stimmung zu machen. Alice Weidel sorgte dieses Jahr mit einem Tweet für Aufsehen, als sie anregte, Farid Bang abzuschieben.

Ekos Song kannst du ungeschnitten hier hören:

Eko Fresh - Aber [Video]

Eko Freshs Best Of-Album "Legende" soll in Kürze erscheinen, ein genaueres Release Date hat der Künstler uns bis jetzt aber noch nicht verraten. Ablenken können wir uns aber bestens mit Ekos neuster Veröffentlichung: "Aber". Im Track treten sich AfD-Wähler und Erdogan-Anhänger gegenüber. Eko steht dabei in der Mitte und fungiert im dritten Part als Schlichter.

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Kommentare

Eines Tages werde ich in Düsseldorf vorbeikommen...

wie oft hat ein eko fresh das rassistische wort kartoffel benutzt ? heuchler !

Kartoffel is n gemüse... was is daran bitte rasistisch ? so ein dummer kommentar...

schub bist du soo dumm??

deutsche kartoffel ist die türkische antwort auf kümmel türke, beides sind nur vorurteile auf essgewohnheiten, weder ist deutsch noch türkisch eine rasse das sind beides nur nationalitäten

aber wehn versuch ich hier was zu erklären in den sch**ß kommentaren bei hiphop.de?

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Wurst, Tee & Donuts: Deutschraps wildeste Ausflüge in die Werbung

Wurst, Tee & Donuts: Deutschraps wildeste Ausflüge in die Werbung

Von Michael Rubach am 05.08.2019 - 16:48

Der Cashflow darf nie abklingen. Damit sich die begehrten Scheine auch ohne Straßenhustle bis zur Decke stapeln, stellen Rapper ihr Talent gerne Mal der Werbewirtschaft zur Verfügung. Dabei ist manchmal nicht ganz klar, wie sehr sich der Künstler eigentlich wirklich mit den Dingen identifiziert, die er für den Extra-Taler anpreist. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit folgen hier ein paar interessante und teilweise amüsante Ausflüge von deutschen Rappern in die bunte Welt der Reklame.

MC Fitti der Vielwerber

Gute-Laune-Multiplikator MC Fitti hat ein "grünes Pferd auf dem Balkon" und wirbt damit für eine Versicherung. Bei einer Party kann schließlich immer etwas zu Bruch gehen und Haften in vollem Umfang feiert Fitti null.

Dafür ahnt er Marken wie Fritt, Saturn, Volkswagen und große Klassiker im Bereich der Gesellschaftsspiele. In Scrabble-Fans ist einiges zerbrochen, als Fitti die Wortlegerei als "Buchstaben Yolo" präsentierte. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war die Kampagne absichtlich so krampfig lit und Scrabble behält seinen Namen. Da Fitti von außen als dauerlachendes Rap-Meme wahrgenommen wird, das harmlose Botschaften verbreitet, eignet er sich hervorragend als Projektionsfläche für Produkte aller Art. Angst um das Markenimage braucht hier niemand haben.

Kay One & Cro lieben es

Für Kay One ging mit seiner McDonald's-Kooperation nach eigenen Angaben "ein Traum in Erfüllung". Also rappt und posiert Kay in einer Fastfood-Filiale fröhlich vor sich hin. Ob es die Lines des Herrn am Ende des Clips wirklich noch gebraucht hätte? Zweifelhaft.

Cro hat schon vor Kay mit dem Fastfood-Riesen zusammenarbeitete. Als ganz Deutschland auf den Pandarapper durchdrehte, griff McDonald's zu und parkte das ehemalige Chimperator-Signing neben anderen deutschen Promis, um günstige Snacks zu bewerben. Hoffentlich wurde ihm seine Rolle als "Snack Wrap TS" stabil vergütet.

Schon weit vor Cro ist McDonald's mit deutschem Sprechgesang in der Werbung auffällig geworden. 2003 war die Kampagne zu "Ich liebe es" mit einem Raptext verknüpft. Der MC dahinter wollte allerdings aus der Öffentlichkeit rausgehalten werden. Damals sagte der Pressesprecher von McDonald's dem Spiegel, dass der Künstler im Verborgenen bleiben wolle, da er "sehr authentisch" und "tief in der Hiphop-Szene verwurzelt" sei. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass es sich beim anonymen Fritten-Spitter um Dra-Q (inzwischen SirQlate) und keineswegs um MC Rene oder Ju von den Massiven Tönen handelte.

Samy Deluxe und Das Bo im "Wurst-Case-Szenario"

Seit Samy Deluxe sein Gesicht für die GEZ zur Verfügung gestellt hat, weiß man, dass der Hamburger für vieles offen ist. Auch der Lebensmittel-Discounter Penny scheint davon gehört zu haben und sicherte sich einen ganzen Song von Herrn Deluxe. Für ein gutes Miteinander im Viertel werden die Würste auf den Grill gepackt und die Pappe zum Breaking ausgelegt.

Auch trat Samy Deluxe einst schon als Testimonial auf, um Fleisch und Fleischersatzwaren mit einer Prise Rap anzureichern. Wenn dein DJ eine Chain aus Würsten in die Luft hält und die Crowd kaum irritiert ist, dann bist du in der Rügenwalder Mühle angekommen.

Einen Schritt weiter ging sogar Kollege Das Bo. Er rief 2014 das "Wurstcase-Szenario" mit dem "Feierabend-Song" aus. Dabei entstanden Rügenwalder-Bars, die ihresgleichen suchen:

"Wie sie reinbeißen, das so sexy / The Most Wanted Wurst wird gesucht per Steckbrief"

Massiv battlet typische Adventswerbung

In der Weihnachtszeit kommen sie so sicher, wie unbefriedigende Geschenke – sentimentale Weihnachtsspots. Conrad Electronic nahm dies zum Anlass, um das gefühlige Treiben auszukontern. Mit am Start war Massiv, der im "ehrlichsten Weihnachtswerbespot der Welt" in eine Mitarbeiter-Uniform schlüpfte.

EstA: Vom Battle-Fießling zum Saarland-Botschafter

EstA hat sich einst beim VBT vor allem dadurch einen Namen gemacht, weil er irgendwie gemeiner und durchtriebener agierte als seine Battle-Kontrahenten. Dann folgte ein Signing bei Baba Saads Label Halunkenbande und eine musikalische Entwicklung, die für Punchlines kaum noch Platz ließ. Nun scheint EstA mit Werbeaufträgen sein Geld zu machen. Sowohl das Saarland als auch die AOK ließen sich bereits mit einer Portion "EstAtainment" versorgen.

Dass die heilende Wirkung von Homöopathie höchst umstritten ist, hat EstA inzwischen auch geschnallt. Er war sich nicht zu Schade, bei Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale einzuräumen, dass er sich von den Euros der Gesundheitskasse hat locken lassen.

"Alles nur Dreck, alles Placebo und heut' erfährt die Welt davon / Und nein, ich sag das nicht nur, weil ich dafür sehr viel Geld bekomm'"

Eko Fresh serviert den Tee – aber nicht in der Bahn

Das Image der Deutschen Bahn könnte besser sein. Das aufwendige Musikvideo zum Track "Rollin" war offenbar ein Versuch, möglichst lässig gegenzusteuern. Eko Fresh behält dabei lyrisch den Durchblick, wenn die Regionalbahn Bayern das Schienennetz unsicher macht:

"Wir entdecken Bayern und ich hab die beste Optik, wenn ich im Cockpit meiner Lock sitz"

Ein Videoauftritt war Eko scheinbar zu wild. Die Mischung aus bayrischem Brauchtum, Hiphop und formelhaft performendem Zugpersonal wirkt ziemlich überladen. Reuploads halten die Legende des Spots am Leben.

Einem Tee hat Eko sogar mehr als seine Stimme geliehen. Hier sieht man Freezy bei seinem bevorzugten Heißgetränk:

Disarstars paradoxer Auftritt

Mit Konsum- und Kapitalismuskritik geht Disarstar in seinen Songs nicht gerade sparsam um. Dass ausgerechnet er für einen Onlineversandhändler reimt, klingt wunderlich – ist aber exakt so passiert:

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Majoe passt zur Muckibude wie der Magerquark zur Defiphase. In einem Spot von McFit sah man den Duisburger schon 2017 Gewichte drücken. Darüber hinaus entstand auch ein Musikvideo zum Motivations-Song "Wenn die Sonne aufgeht".

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Das Gegenprogramm zu schweißtreibenden Sportsessions spulen Jonesmann und Hassan Annouri ab. Sie besingen und berappen die Vorzüge einer Donuts-Filiale in Frankfurt.

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Einem großen Sportwettenanbieter unterlegte seinen Spot mit der unverkennbaren Stimme von Summer Cem. Der Killa und Chief hält eine motivierende Ansprache auf dem Beat seiner Single "Erster Alles".

Manuellsen zieht "Vor-Bye"

Der Automobilverleih Sixt hat sich in seiner Werbehistorie auch schon bei Deutschrappern bedient und 2008 den jungen Manuellsen vor den (Leih)-Karren gespannt. Wer kein Loser sein will, ridet mit M. Bilal oder er zieht direkt "Vor-Bye".

T der Bär mag es unkompliziert

Zum Abschluss noch ein nicht ganz so naheliegendes Beispiel für einen Rapper, der sich in einem Werbespot verewigt hat. Für viele ist Tim Sander einfach nur der Kai aus GZSZ (Kenner erinnern sich). Er rappt aber auch als T der Bär. In dieser Rolle erklärt er, wie günstig man mit einem Smartphone eigentlich unterwegs-wegs-wegs sein kann.

Deutschrap & Werbung haben bisher ein schwieriges Verhältnis

Früher hätte man wohl sämtliche Werbeauftritte deutscher Rapper direkt als Sellout gebrandmarkt. Heute hat sich die Lage merklich entspannt. Kaum jemand startet eine Realness-Debatte, sobald ein Rapper Markenbotschaften verbreitet. Die Künstler und die Konsumenten sind parallel gealtert. Die spießbürgerlichen Vibes, die Werbung gerne transportiert, überschneiden sich nun häufiger mit der eigenen Lebensrealität.

Irgendwie beschleicht einem beim Schauen mancher Spots totzdem weiterhin das Gefühl, dass hier etwas zusammengewürfelt wurde, das sich auf natürlichem Wege kaum begegnet wäre. Das Cringe-Gefühl ist vorprogrammiert, insofern Produkt und Rapper nicht durch ein stimmiges Konzept verbunden werden. Ein gewisses Maß an (Selbst)-Ironie kann der Schlüssel sein. Diese Karte spielen die Beteiligten aber noch zu selten.

Kaum verwunderlich, dass viele junge Rapstars nicht in solchen Spots auftauchen, sondern sich selbst und eigene Produkte vermarkten. Modelinien, Tabaksorten oder Getränke können sie auch ohne gescriptete Abläufe an die Käuferschicht bringen. Allein dieser Umstand zeigt überdeutlich, wie sehr die Szene in den letzten Jahren gewachsen und den klassischen Werbeformaten auch entwachsen ist.


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