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Laruzo x Eko Fresh – Money (prod. by Laruzo)

Es geht immer nur um Bares, Batzen, Mula oder eben "Money". Das wissen auch Laruzo und Eko Fresh, die sich für einen Track über das liebe Geld zusammengetan haben. Die Produktion stammt von Laruzo höchstpersönlich. Im Video sehen wir viele Luxusgegenstände und Artikel angesagter Marken.

16.02.2018 - 14:27

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Ismail Boloughmal über die erste Million, Karriere mit Hiphop & erfolgreiches Streetwear-Marketing (Interview) #macher

Ismail Boloughmal über die erste Million, Karriere mit Hiphop & erfolgreiches Streetwear-Marketing (Interview) #macher

Von Michael Rubach am 10.03.2019 - 14:58

In unserer Serie "Macher" sprechen wir mit den wichtigsten Akteuren der Hiphop-Welt über ihr Leben und ihre Karriere. Wie weit können einen Hiphop-Tugenden bringen? Ismail "Isy B" Boulaghmal machten sie zu einem der erfolgreichsten Player im Streetwear-Marketing. Und sollte dir sein Name spontan nichts sagen: Seine Beats kennst du bestimmt.

Bevor wir zu deinem Werdegang kommen, sollten wir klären, was du zurzeit machst. Du warst 10 Jahre Marketingchef bei SNIPES und bist jetzt als Marketingberater für viele Firmen unterwegs. Was bedeutet das?

Isy: Das bedeutet, dass ich mich mit den Geschäftsführern und Management regelmäßig hinsetze und wir Ideen bezüglich der Strategie des Unternehmens austauschen. Je nach Situation der Firma, kann das von elementaren Dingen, wie Struktur, Prozesse und Ausrichtung bis zu einer Erneuerung oder Entwicklung einer Marke gehen. Im Fokus ist immer das Gefühl, das die Marke transportieren will.

Du bist nicht ausschließlich Marketingberater. Was tust du noch?

Ich mache seit fast 25 Jahren Musik. Ich hab ein Tonstudio in Köln, recorde und produziere immer noch. In meinem Studio werden zum Beispiel Luciano, Aldan und Yonii von Deemah produziert oder einige Tracks der letzten drei Alben von Eko Fresh. Mal alleine und mal im Team. Außerdem caste ich Talente und habe eine Verlagsedition. Vor allem sehe ich mich aber mittlerweile als Unternehmer. Ich führe mehrere GmbHs – unter anderem eine Werbeagentur und ein Musiklabel. Es macht mir Spaß, selbständig zu sein und mir mein eigenes Gehalt zu zahlen.

Was ist deine erste Hiphop-Erinnerung?

Es fing alles mit dem Breakdance-Film "Breakin'" an. Damals lebte ich noch in Casablanca. Rapmusik ging Ende der Achtziger mit LL Cool J, Kool Moe Dee und Run DMC los. Anfang der Neunziger kam Public Enemy dazu und hat alles auf den Kopf gestellt. Bis dahin war Rapmusik irgendwie cool und lustig. Aber mit Public Enemy kam der Ernst. Man hat sich als Minderheit in Deutschland sofort mit der Musik identifizieren können. Ich hab die Texte nachts im Viertel auf der Straße laut gerappt und wusste eigentlich nicht so genau, worum es ging. Aber die Botschaft und das Gefühl waren klar. Die Stimme und der Flow von Chuck D hat einen mitgerissen. Man hat sich dann so angezogen wie Public Enemy. Man hat sich so bewegt wie sie. Man hat mit anderen Fans direkt eine Gang gegründet und zusammen die Platten gehört. Alles crazy.


Foto:

Altes Home-Studio

Hat Public Enemy auch eine politische Bedeutung für dich gehabt?

Absolut. Ich habe damals schon verstanden was "Fight The Power" heißt. Das Schöne am Hiphop ist, dass er für die Außenseiter der Gesellschaft einsteht. Ich bin gebürtiger Marokkaner und meine Familie ist in den Siebzigern nach Deutschland gekommen. Als hier lebende Minderheit fühlst du Songs über Minderheiten mehr. Das hilft, das Bewusstsein über die eigene Identität zu schärfen.

Damals liefen die Glatzen im Alltag ganz normal rum und man musste echt aufpassen. Man hatte keinen richtigen Platz in der Gesellschaft. Dagegen musste man irgendwie rebellieren – aber ohne Gewalt, sondern durch Kreativität. Wenn ich mit 15 auf der Bühne bei einem Stadtfest gerappt habe und Applaus bekam, dann war das ein Moment der Zugehörigkeit. Ein Moment der Wertschätzung und des Respekts. Damals brannten die Flüchtlingsheime in Rostock. Darüber hatte ich einen Rapsong geschrieben. Diese Art von Rebellion ist bis heute ein wichtiger Teil von Hiphop. Der Alltag sah natürlich anders aus. In der Schule haben mich immer alle gefragt, warum meine Schnürsenkel offen sind. Von Run DMC hatte man in der siebten Klasse noch nichts gehört.

Im Marketing geht es darum, Produkte zu verkaufen und Geld zu machen. Steht das nicht im Widerspruch zur Rebellion gegen das Establishment?

Eine Eigenschaft von Mode war schon immer, den Menschen zu ermöglichen, ihre Geschichte über ihre Kleidung zu erzählen. Sioux haben Federn getragen, Inka-Stämme die Köpfe ihrer Feinde. Ich trage heute immer noch Public-Enemy-Merch, weil es aktueller denn je ist. Silvesternacht in Köln, der Nafri-Stempel, AfD, Chemnitz – da wurden viele Menschen über einen Kamm geschert. Mit dem Eintritt der AfD in die Politik hat man nochmal das Gefühl bekommen, dass man als Ausländer in Deutschland nicht mehr erwünscht ist. Erinnerungen kommen hoch. Ich kann mich an so manche Situationen erinnern, die echt crazy waren. Eine Bank wollte mir nicht mal ein Geschäftskonto und eine andere keine EC-Karte geben, weil "einige Mitbürger damit ihr Unwesen treiben". Mit ausländischen Nachnamen sind Behördengänge ein Problem – ist sogar bis heute so. Da sieht man, dass Schulbildung kein Mittel gegen Rassismus ist.

Wo das Schulsystem versagt, kann Hiphop aber einen Beitrag zur Integration leisten. Siehe "Aber" von Eko. Und hier kann auch Mode ins Spiel kommen. Wer zum Beispiel Karl Kani mit Jordans trägt, kann doch kein bekennender Rassist sein. Es sei denn, er hat Hiphop nicht verstanden. Die Geschichte von Mode hat immer wieder bewiesen, dass man mit seinem Outfit ein Statement setzen kann. Man denke hier an die Hippies oder an Punks. Und es funktioniert leider auch umgekehrt: Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln waren ein klarer Look der Nazis in den Achtzigern und Neunzigern.

Du trägst auch zu geschäftlichen Meetings Public-Enemy-Jacke statt Sakko. Was sagst du damit aus?

Wer das Public-Enemy-Logo an mir erkennt, weiß direkt, wo mein Mindset liegt. Man muss auch mal in Erinnerung rufen, dass Hiphop, Rap und RnB in den Anfängen der 2000er nur eine Nische besetzt haben. Unter anderem aufgrund der Hautfarbe der Künstler wurde dieser Teil der Kultur von der Medienlandschaft ausgegrenzt. Ich hatte zum Beispiel die RnB-Gruppe Sat-R-Day unter Vertrag. Radiosender haben gesagt, dass sie das nicht spielen würden, weil die Jungs schwarz sind. Ich weiß noch, dass Dunkelhäutige nicht auf Cover von Magazinen abgebildet wurden. Das Argument lautete, dass dann die Verkaufszahlen sinken würden. Jetzt sind die vormals Unterdrückten überall. Und heute komme ich mit meinem Hiphop-Outfit in die höchsten Etagen. Hiphop ist jetzt anerkannt und es ist ein Vorteil, sich damit auszukennen. Um meine Kompetenz zu vermitteln, muss ich mich nicht anpassen – ganz im Gegenteil.

Wie bist du zum erfolgreichen Unternehmer geworden?

In erster Linie hat das bestimmt damit zu tun, dass es für mich keine Alternative gab. Jeder sollte seine Energie und Kreativität selber einteilen können, um sich zu entwickeln. Man steht ja nicht morgens auf und hat von 09:00 Uhr bis 17:30 Uhr die geilen Ideen oder den nötigen Output parat. Das hinterfragt den Sinn so mancher Kreativabteilungen in Konzernen. Dazu kommt, dass ich eine Eule bin. Soll heißen, dass ich immer die ganze Nacht wach bin und bis Mittags schlafe. Aber dafür bin ich 100% am Start, bis 05:00 Uhr morgens. Eulen sind im normalen Arbeitsleben oft Außenseiter und gelten als undiszipliniert. Das stimmt nicht. Eulen sind sehr kreativ und produktiv. Aber das muss man zuerst mal raffen, dass man nicht schlechter dasteht als die frühen Vögel. Auch die Schule stand mir eher im Weg, wenn ich die Schulzeit im Nachhinein betrachte.

Mit vierzehn hab ich Beats gemacht und Geld dafür bekommen. Dann hatte ich eine Band (ZU3ST). Da konnte ich auch schon einiges mit Gigs verdienen. Nach dem Abi kam direkt der Gewerbeschein und ich hab mir ein besseres Studio mit meinem ersten Verlagsgeld gebaut – damals zusammen mit DJ Krazee G und DJ Lil Tommy (KIT Records). Dann habe ich mit DJ Lil Tommy das erste RnB-Label 2JIGGY Records in Deutschland ins Leben gerufen. Ich hab am Wochenende in Black-Music-Clubs bearbeitet und Tagsüber mein Label geführt. Das heißt, dass ich Vinyls am Telefon an kleine Plattenläden verkauft habe, um mir den Gitarren- und Klavierunterricht leisten zu können. Bis ich irgendwann auf Pro7 Popstars produziert habe und Acts wie Lumidee. Ich glaube ich hatte Ende 2005 sogar gleichzeitig acht Titel in den Top 100 auf Europa verteilt. Ohne es zu merken, habe ich mir ständig Gedanken über Marketing gemacht und mir solche Fragen gestellt: Wie kann ich die CD promoten? Wie muss das Foto-Shooting sein oder wie verbreite ich das Video? In der Retrospektive war das meine Musik-Marketing-Schule, von der ich heute noch profitiere.

Logo K.I.T Records
Foto:

Mit freundlicher Genehmigung von ismail Boulaghmal
Logo K.I.T Records

Und dann kam mir Bodo Schäfers Buch "In 7 Jahren Millionär" (heute: "Der Weg zur finanziellen Freiheit") in die Hände. Das hat alles, was ich gemacht habe, strukturiert und mir viel Selbstvertrauen gegeben. Ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg war. Ich hatte weniger Angst vor der Zukunft und hab weniger Umwege gemacht. Aber der Stress bleibt nicht aus. Jeden Tag. Und davor fürchten sich die meisten Menschen und unterdrücken ihren natürlichen Drang nach Selbstverwirklichung. Aber ich fürchte mich mehr vor dem Verlust meiner beruflichen Freiheit, als vor dem Stress der Selbstständigkeit.

Und wann hast du gemerkt, dass du von Musik leben könntest?

Am Anfang war das Kriterium weniger Leben sondern Überleben. Geld hat nicht gejuckt. Der Spaß, den Musik mir gegeben hat, kompensierte alles. Aber natürlich hatte man auch das ganz Große vor Augen – den dicken Vorschuss oder den großen Hit. Als die MP3 kam, waren alle diese Träume zuerst mal im Eimer. Die Industrie war tot. Ich hab nur noch 300 Euro pro Beat bekommen, wenn überhaupt.

Ich hab dann zuerst mal viel komisches Zeug produziert, wie zum Beispiel Studenten-Lieder, Hörspiele oder Didgeridoo-CDs. Einfach um zu überleben. Um die Musik und mich nicht aufzugeben. Das wollte ich auf keinen Fall. Aber das alles hat mir gezeigt, dass wenn man ein guter Musiker ist und viel vom Musik-Biz versteht, eigentlich
immer gut davon leben kann. Heute sind die Verdienstmöglichkeiten viel besser als früher. Und die Leute wollen immer Musik hören. Jeder Künstler oder Producer hat Gefühle, die irgendjemand auf dieser Welt mit ihm teilen will. Also geht immer was mit Musik. Aber man muss seine Erwartungen sauber im Auge behalten. Dann ist alles cool. Wer aber nur Fame und Cash will, wird meistens nicht weit kommen und aufhören oder trotz des Erfolgs in der Insolvenz landen. Ganz oben ist wenig Platz.

Woher kam dann der Wunsch nach einer Million Umsatz, wenn dir Geld eigentlich nicht wichtig war?

Wenn ich ganz ehrlich bin, kam die Anstrengung nach mehr Geld auch aus der Verantwortung meiner Familie gegenüber. Als Ersteinwanderer, zu denen meine Eltern gehörten, hatte man wenig Aussicht auf Eigentum, Erbe oder große Ersparnisse. Man hatte hier eine Familie zu ernähren und in der Heimat eine weitere. Eine nette Rente war das höchste der Gefühle. Wenn die Eltern aber alles im Heimatland aufgegeben haben, damit die Kinder ein besseres Leben haben können, dann müssen die Kinder diese Chance auch nutzen, um wiederum ihren Kindern die Integration und Chancengleichheit zu ermöglichen. Man will der Familie etwas zurückgeben und Dankbarkeit zeigen. Natürlich hat man auch die Klassiker wie das House On The Hill oder den Porsche im Visier. Aber wenn man das alles hat, dann ist es wieder egal. Irgendwann, wenn man selber Kinder hat, dann liegt der Fokus auf ihnen. Man handelt dann nachhaltiger. Ein anderer Trieb war es, die Geldsorgen loszuwerden. Eigentlich wird man die nie richtig los. Aber man sollte danach streben, Geldprobleme aus dem Alltag verschwinden zu lassen. Geld ist nur ein Problem, wenn man es nicht hat. Ansonsten kann Geld einem viele Freiheiten bieten. Diese Freiheiten waren für mich erstrebenswert. Zu tun was man will, mit wem man will, wann man will und wo man will.

Wie hast du die Million Umsatz erreicht?

Da ich meine Musik nicht kompromittieren wollte, brauchte ich eine andere Geldquelle. Rap und RnB hatten eine schlechte Phase. Also habe ich nebenbei als DJ gearbeitet und angefangen, für Plattenfirmen CDs im Club zu promoten. Hauptsache ich blieb in meinem Ökosystem Hiphop. Bis dahin habe ich nur auf kleinem Niveau Geld gedreht. Nach dem Prinzip "Liquidität vor Rentabilität". Vor allem im Club hab ich meinen Markt entdeckt. Deshalb heißt meine Agentur Clubkind. Ich habe unter anderem coole Missy-Elliott-Partys zum Release ihres neuen Albums veranstaltet und Geld von den Clubs bekommen. Das führte zu meinem ersten Auftrag aus der Modeindustrie für SNIPES, die diese Partys gesponsert haben. SNIPES war damals seiner Zeit weit voraus und eigentlich ein Fremdkörper in der Innenstadt. Ich meine, so neben Karstadt und Kaufhof. SNIPES war als Sponsor für mich interessant und ich anscheinend auch als kreativer Macher für SNIPES. Ich war zu allem bereit bei SNIPES. Ein großer Vorteil war, dass ich als Musikproduzent schon verstanden hatte, wie Gefühle kreiert und transportiert werden. Ich hab meine damaligen Kunden wie Mars, Langnese und Co langsam auslaufen lassen und mich auf SNIPES konzentriert.

Das war mein Einstieg in die Fashion-Marketing-Branche. Ich habe kleine Aufträge angenommen und Einnahmequellen entwickelt, die mir Geld bringen, den Kunden aber nicht belasten. Klingt widersprüchlich, aber ist möglich. Ich habe jedes Jahr meine Umsätze verdoppelt und angefangen Leute einzustellen, die ähnliche Vorlieben und Einstellungen hatten, wie ich – also Leute von der Street. Bis heute schaue ich nicht auf Zeugnisse. Die sind leider kaum was Wert. Mein Grafiker zum Beispiel war ein HipHop-DJ, der andere Grafiker war Sprayer, mein Marketing-Mann war Baller. Das war eine super Zeit. Ich muss auch sagen, dass ich das richtige Umfeld hatte. Meine damalige Freundin, heute meine Frau und Mutter meiner Kinder, hat mich und meine Visionen unterstützt und mir die notwendige Rückendeckung gegeben. Das ist wichtig für Unternehmer, weil ein marodes Beziehungsleben schon so manchen Unternehmer in den Ruin getrieben hat. Aber zurück zum Umsatz. Umsatz ist nicht Gewinn! Auch wenn man hohe Umsätze hat, muss man den Ball flach halten und lieber weiter in sein Vorhaben investieren. Wenn man (nach Steuern) gute Gewinne macht und sich abgesichert hat, dann kann man sich auch mal den einen oder anderen Traum erfüllen. Vorher nicht. Man kommt aber an einem Punkt an, an dem man sich als Spezialist positionieren muss. Gutes Handwerk können viele durch einfachen Fleiß bieten. Aber als Spezialist musst du etwas erlernen, was nicht jeder kann. Ob durch Wissen oder durch Kreativität. Dann steht einem die Welt offen.

Was hieß das konkret?

Ich habe mich auf eine bestimmte Art von Marketing spezialisiert beziehungsweise habe es einfach ausgeübt. Das war keine so bewusste Entscheidung. Ich kam einfach so langsam dahin, weil es Spaß gemacht hat. Ich habe mir eine Marke als Artist vorgestellt, zum Beispiel einen Rap-Artist. Rapper haben ein Cover. Rapper machen Videos. Rapper promoten ihre Alben und gehen auf Tour. Sie haben ein Image und die Fans lieben sie dafür, was sie sagen und dafür, was sie tun. Eine Marke, die beliebt sein will, wird es allein über ihre Produkte nicht schaffen. Ein gutes Beispiel wäre Klopapier.

Die Marke muss sich also über ihre "Persönlichkeit" beliebt machen. Das ist meiner Meinung nach kaum zu umgehen, weil der Mensch keine Gefühle gegenüber einem Gegenstand empfinden kann. Nur Gefühle gegenüber einem Menschen. Eine Marke wird nie wie ein Mensch sein. Aber eine Marke kann ein Wertemuster transportieren. Wir als Menschen mögen keine Leute, denen man nicht Vertrauen kann oder die jeden Tag ein anderes Gesicht zeigen. Wir wollen uns auf einen Menschen verlassen können und uns inspirieren lassen. Wir schätzen Menschen, die kompetent sind und sich konstant verhalten. Das ist die Basis für Vertrauen. Und da fängt alles an: Vertrauen. Vertrauen ist die Basis für eine Beziehung. Eine Marke, die eine Beziehung zu Menschen aufbauen kann, gewinnt das Marken-Game.

Du meintest, dass es außerdem dein Ansatz war, Hiphop als Kultur voranzubringen. Wie äußerte sich das in der Praxis?

Ich bin davon überzeugt, dass eine Marke keine Zielgruppe, sondern eine Community braucht und dass eine Marke sich die Anerkennung in dieser Community erarbeiten muss. Durch Taten. Nicht durch Postings oder konstruierte Storys. Eine Marke braucht eine solide Foundation und muss durch die kritischen Köpfe an der Basis ihrer Community gehen. Ein langwieriger Prozess, auf den 99% der Marken schlichtweg keinen Bock haben, weil sie zuerst mal keinen Umsatz damit generieren können. Wenn sich die Marke also bewiesen hat, dann wird es die Community ab einem gewissen Punkt auch danken, weil sie ihre Bedenken gegenüber der Marke langsam abbaut. Am Ende hat man als Marke eine echte und authentische Community hinter sich.

Aber das ist nicht alles. Eine Community hat eine Kultur. Und diese Kultur sollte die Marke fördern und im eigenen Interesse ausbauen. Bei SNIPES zum Beispiel hat man viele dafür getan, dass alle möglichen Hiphop-Communitys supportet werden. Tanz-Events wie EBS Krump oder Funkin' Stylez konnten durch den kontinuierlichen Support aufblühen und ihre volle Wirkung entfalten. Die Jungs, die diese Events machen (Takao Baba für Funkin' Stylez; Kid Tight Eyes für EBS Krump; Anm. d. Red.) sind Helden. Sie investieren ihre ganze Kraft in die Dance-Kultur. Sie geben etablierten Idolen eine Plattform und inspirieren die Idole von morgen. Sie glauben fest an das, was sie tun und verändern auf positive Weise unsere Gesellschaft. Leider versagt der Staat oftmals auf diesem Gebiet. Hier können Marken Verantwortung übernehmen und einen Teil ihres Geldes in die Community investieren, die ihre Produkte konsumiert. Ein Give-Back an die Community.


Foto:

Mit freundlicher Genehmigung von ismail Boulaghmal

Dazu gehört für dich auch Gaming? Ist das nicht zu nerdy, um zu Fashion zu passen?

Wiz Khalifa und Drake sind die härtesten Zocker. Lupe Fiasco ist offizieller Street-Fighter-Weltmeister. Ich kann mich an keine Phase in den Neunzigern erinnern, wo ich nicht auch Sega Mega Drives in Rapvideos gesehen habe. Ich zitiere auch gerne Biggie: "Super Nintendo, Sega Genesis. When I was that broke man, I couldn´t picture this!" ("Juicy"). GTA hat Hiphop-Radio-Playlisten. Kollegah und Farid Bang haben ein Gaming-Team gegründet. Da gibt es also keine Kluft zwischen beiden Welten. Der Punkt ist nur, man darf hier Birnen nicht mit Äpfeln vergleichen.

Gaming macht man einfach. Es macht Spass. Wenn ich zocke, dann höre ich aber bestimmt kein Techno dabei, sondern Rap. Dass oftmals der Link zwischen Hiphop und Gaming nicht offensichtlich ist, liegt also an der Betrachtungsweise. Ich sehe auf jeden Fall, dass Gaming zu unserer Jugendkultur gehört und seinen festen Platz in der Gesellschaft verdient. Das hat nichts mit Nerds zu tun. Alle zocken. Der eine mehr, der andere weniger. Gaming kann auch Mode in ihrer Aussage ergänzen. Ich trage gerne mein Street Fighter II T-Shirt zu Jordan 5 Supreme. Macht was her. Das beste Beispiel ist immer der Fußball: Was hat Fußball mit HipHop zu tun? Nichts! Trotzdem trägt MHD oft Fußball-Jerseys. Es ist ein Look, eine Attitüde. Gaming und Hiphop-Musik ist eine geile Kombination. Schon jetzt tragen bekannte Rapper in den USA Oberteile aus dem 100 Thieves-Merch – eine Pro-Gaming-Crew, in die Drake investiert hat. Da kommt noch einiges auf uns zu.

Wo siehst du Rap momentan aus der Business-Perspektive?

Hiphop im Allgemeinen gewinnt an Substanz hierzulande. Die Hemmschwellen sind in der Geschäftswelt weitestgehend weg. Also alles gut. Aber da geht noch einiges. Bis jetzt sind nur Mode und einige anderen Branchen aktiv. In Zukunft werden wir hoffentlich mehr aus dem Bereich Lebensmittel, Automobil und Telekommunikation sehen. Ich glaube fest daran, dass die Leute die Rapmusik machen, auch am besten wissen, was Rapfans wollen. Musik sorgt seit Jahren auch ganz direkt für Umsätze. Streaming-Rekorde, riesen Vorschüsse – siehst du den nächsten Crash kommen? Und schadet ein Crash in der
Musikindustrie auch den Branchen in ihrem Umfeld?

Da lässt sich Amerika heranziehen, wo Hiphop nicht mehr wegzudenken ist. Wenn ich von "Hiphop" spreche, meine ich das Gefühl. Das passt zur weltweiten Metropolisierung und zum Phänomen der Land-Stadt-Flucht. Ein allerdings trauriger Aspekt ist der Kapitalismus, der um sich greift und immer mehr Armut verursacht. Niemand braucht HipHop mehr als Menschen, die in einem Ghetto leben müssen und kaum Perspektiven haben. Dafür liebe ich Hiphop, weil er zu diesen Leuten spricht und ihnen einen Ausweg aus dieser Situation aufzeigt. Deswegen ist Hiphop der authentische Lifestyle der Großstadt.

Außerdem ist Hiphop nachhaltig, weil er sich allem anpassen kann. Der Klang und das Aussehen werden sich immer ändern und ist auch gut so. Aber die Genetik des Ganzen bleibt gleich. Der Tod von Klassik-Musik lag nicht daran, dass sie Schrott ist. Sie ist nur kein Massenphänomen. Zu Klassik gibt es keinen intuitiven Zugang. Rap ist da eher wie Fußball: Jeder kann Fußball spielen, wenn er etwas Talent hat. Die leichten Einstiegsmöglichkeiten einer Kultur sorgen für ihr Überleben. Die Ups und Downs im Umsatz von Rapmusik stehen nur mit dem Medium in Verbindung. Musik wird immer konsumiert, sonst drehen wir alle durch.

Crashs bieten immer auch Chancen. Diese Chancen muss man ergreifen, dann kommt man auf die Umsätze. Ob Rap irgendwann tot ist? Vorerst nicht. Irgendwie wird Rap seine Spur in der musikalischen Entwicklung hinterlassen. Ich mache mir aber in Sachen Plattenfirmen beziehungsweise Musikkonzerne eher Sorgen. Seit langem wird zu wenig in die Entwicklung und Förderung der Künstler investiert. Oft dienen die Konzerne nur als Geldgeber oder Vertriebe oder beides. Dabei hätte eine andere Handhabe auch Vorteile. Die Musik käme ohne große Manipulationen direkt von der Straße und wäre nicht nur Profit getrieben. Wenn ein Crash kommt, dann aus dieser Richtung. Die großen Konzerne könnten von Streaming-Diensten umgangen werden und ihre Umsätze verlieren. Dann hätten kleine Hiphop-Labels keine Geldgeber mehr, um ihre neuen Talente zu finanzieren. Das wäre tatsächlich eine Bremse im Rapgame. Aber auch das wird sich legen und es geht dann anders weiter. Ich denke, dass ein Musikgeschäft ohne Vorschüsse allgemein weniger spekulativ wäre und dann nur die guten Acts marktfähig blieben – eine schöne Welt!

Isy B. mit Joey Bada$
Foto:

Mit freundlicher Genehmigung von ismail Boulaghmal
Isy B. mit Joey Bada$$

Du hast erst mit Musikproduktionen Geld verdient und deine Hiphop-Erfahrungen anschließend auf einen ganz anderen Bereich angewendet. Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die mit Hiphop Geld verdienen wollen? Sei es direkt oder auch indirekt, indem man Hiphop-Prinzipien auf andere Tätigkeitsfelder überträgt?

Man muss sich zuerst selbst kennen und man muss an sein Talent glauben. Um herauszufinden, für was man brennt, muss man sich von allen Konventionen lösen. Die Stimmen der Eltern, Lehrer, Freunde, Schule und Gesellschaft möglichst komplett ausblenden und schauen, wie sich die eigene Persönlichkeit im Handeln verwirklichen lässt. Was kann ich den ganzen Tag machen, ohne es als Zwang zu empfinden? Wenn man das weiß, sollte man nicht auf ein Gehalt fixiert sein, sondern von Anfang an Unternehmer sein. Das heißt: Einen Gewerbeschein besorgen und seiner Leidenschaft nachgehen. Im Optimalfall nichts kopieren, sondern neue Wege suchen und Experte werden. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen.Wer ist echter Experte und wer tut nur so? Man sollte auf jeden Fall die gesamte Hiphop-Kultur und Geschichte verstanden und möglichst viele eigene Erfahrungen gemacht haben. Man sollte ein eigenes Unternehmen gründen, das die Bedürfnisse der Hiphop-affinen Community bedient. Oder anderen Unternehmen dabei helfen, zur Hiphop-Community zu sprechen. Mal ein Beispiel: Ich würde lieber Teller mit den besten 2Pac-Sprüchen kaufen als für den gleichen Preis einen Teller, der nur weiß ist. Das passiert doch heute schon mit T-Shirts oder?! Ein anderes Beispiel: sollte mal das ZDF auf die Idee kommen, eine HipHop-Sendung zu produzieren, dann würde nur ein echter Experte das Ding wuppen. Sonst landen wieder nur fake Acts in der Show und die Community schaut nicht hin. Einfacher ausgedrückt: Die Werte der Hiphop-Community auf das Wertemuster einer Marke übertragen und rigoros durchziehen – darum geht es.

Worauf legst du in Zukunft den Schwerpunkt für deine Karriere?

In den kommenden Jahren würde ich gerne noch beratend tätig sein. Aktuell darf ich an der einen oder anderen Uni Vorträge halten und kann auf Kongressen sprechen. Das macht Spaß. Ich möchte gerne Bücher über Hiphop-Ökonomie und Marketing schreiben, um die nächste Generation von Marketeers neue Denkanstöße zu geben. Denn wenn ich zurückblicke, haben einige Platten gereicht, um mein Leben nachhaltig zu beeinflussen und mir langfristig eine Karriere zu ermöglichen. Auf jeden Fall will ich noch herausfinden, wie weit mich mein Hiphop-Game bringen kann.


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