Schäden in Millionenhöhe: MDR schimpft über "neuen Train Bombing-Trend"

Es ist nicht einmal zwei Monate her, dass sich die WDR Lokalzeit Ruhr auf Facebook über Graffiti beschwerte. Jetzt zieht der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nach und äußert sich entsetzt zu den Sprühaktionen der vergangenen Tage. Als eines der Negativbeispiele von Malerei an Zügen zählt der MDR das 1UP-Wholecar aus der Silvesternacht diesen Jahres auf. 

Auf Facebook schreibt die Redaktion:

Es braucht nur ein paar Spraydosen und wenige Minuten, um Schäden in Millionen-Höhe an Zügen zu hinterlassen. Dabei warten die Graffiti-Sprayer nicht auf die Nacht, sondern ziehen einfach die Notbremse und legen los. Train-Bombing heißt der neue Trend.

MDR - Mitteldeutscher Rundfunk

Es braucht nur ein paar Spraydosen und wenige Minuten, um Schäden in Millionen-Höhe an Zügen zu hinterlassen. Dabei warten die Graffiti-Sprayer nicht auf die Nacht, sondern ziehen einfach die...

Dass der MDR mit dem Beitrag ordentlich ins Fettnäpfchen tritt, war wohl nicht seine ursprüngliche Intention. Ein Blick in die Kommentare zeigt aber, dass zum Glück nicht alle so undifferenziert über Graffiti urteilen wie der Rundfunk selbst.

Auch wenn das Bemalen von öffentlichen Flächen für den einen purer Vandalismus sein mag, sind andere bereits seit Jahrzehnten dankbar, sich durch das Malen kreativ ausdrücken zu können. Insbesondere Train Bombing erfreut sich bei den Streetart-Fans großer Beliebtheit und das nicht erst seit Kurzem. Da die Motive meist innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt werden müssen, um nach maximal 48 Stunden direkt wieder entfernt zu werden, erfordern sie ein besonders hohes Maß an Hingabe für die Kunst. 

Um die kosten- und zeitintensive Reinigung zu vermeiden, schlägt man in den Kommentaren eine Legalisierung der Werke durch Auftragsarbeit für Sprayer vor. 

Kunst bleibt eben polarisierend, auch wenn das nicht zur Verharmlosung von Sachbeschädigungen und Gesetzeswidrigkeiten führen sollte. Sich uninformiert über etwas zu echauffieren, bleibt allerdings lächerlich. 

Das Video vom Wholecar-Spektakel an Silvester in Berlin hat inzwischen übrigens mehr als 380.000 Aufrufe gesammelt. Die Resonanz ist fast durchweg positiv. Hier kannst du dir die Entstehung nochmal anschauen:

1UP - Happy New Year 2018 Wholecar

1UProduction presents: "1UP - Happy New Year 2018 Wholecar" - Daytime Madness and Wholecar Business. The "1UP Online Series 2017". There will be one new episode every month. Check our Instagram to stay tuned. 1UP on Instagram: instagram.com/1up_crew_official 1UP on Facebook: facebook.com/1upcrewofficial 1UP on Youtube (Playlist): tinyurl.com/1up-videos Music: Nico K.I.Z 1UP - One United Power - The Online Series 2017.

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Kommentare

Liebe Redaktion,
Ich bin sehr beunruhigt darüber wie hier über PUREN VANDALISMUS berichtet wird. Bei einem Zug die NOTBREMSE ziehen und dann den Zug VERUNSTALTEN?? GEHTS NOCH??
Liebe Grüße aus Wien

...und Du lass Ihn am besten drinne.

Kunst ist ein schöne Sache. Aber wenn andere damit belästigt werden, ist das nicht mehr lustig.

Ich sag nur
-Ein paar maskierte am dem Bahnsteig
-Zugverspätung
-Kosten für die Allgemeinheit
-Dunkle Kabinen

Auch wenn man das selber lustig findet und damit kein Problem hat. Sollte man sich vielleicht mal seine Oma, Mutter, Freundin, Kind in der Sitation mit ein paar maskierten auf einem Bahnsteig vorstellen. Da hört der Spaß auf.

Hahah, wie sich hier die Spiesser echauffieren! Geil :) Weiter so, Hiphop.de! Mehr Graffiti!

GRAFFITI IST FREIHEITSKAMPF!

Ich bin hiphop seit meiner Kindheit und liebe Graffiti, hab früher auch gemalt, allerdings eher schlecht als recht...
ich muss aber dennoch sagen dass sich solche Aktionen grenzüberschreitend finde! Das hat nichts mit der Kunst zu tun, die ist ja an sich cool, aber sollte halt nicht andere Menschen beeinträchtigen (negativ), also Handbremse ziehen, Fenster verdunkeln etc.. kann man auch anders machen. Ich finde, wie auch im letzten Artikel vor ca 2 Monaten zu dem Thema, die Berichterstattung sehr einseitig, nur weil dies eine hiphop Seite ist muss nicht alles mit Graffiti befürwortet werden, bzw. auch die negative Seite von solchen Aktionen beleuchtet werden...

Meine Rede! Bitte HipHop.de nicht mehr so einseitig!

hiphop.de- eine schulzeitung mit einseitiger berichterstattung, ausblendung von geilen artists- gemacht von eigenbrötlern, die sich für hiphop halten.

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Von Graffiti zu "CCN": Fler rekonstruiert seine Hiphop-Geschichte

Von Graffiti zu "CCN": Fler rekonstruiert seine Hiphop-Geschichte

Von Michael Rubach am 27.03.2021 - 14:51

Fler taucht tief in seine persönliche "History of Berlin" ein: Flizzy lässt auf dem gleichnamigen YouTube-Kanal nämlich seinen eigenen Hiphop-Werdegang Revue passieren. Die ersten Berührungspunkte mit der Kultur, die Leidenschaft für Graffiti Writing und nicht zuletzt das Deutschrap-historisch wichtige Aufeinandertreffen mit Bushido – bis einschließlich 2003 beleuchtet der Maskulin CEO seine Hiphop-Sozialisation in der Hauptstadt.

Fler: "Da hast du zum ersten Mal gemerkt, es gibt eine Deutschrapszene"

In Süd-Berlin kam Fler schon in jungen Jahren mit Hiphop in Kontakt. Die stationierten Soldaten der Alliierten Streitkräfte verbreiteten den amerikanischen Spirit. Die erste Rap-CD kommt dabei vom Nachbarn: "Da Mystery of Chessboxin'" vom Wu-Tang Clan. Fler beschreibt, wie er in der Kultur Halt findet, sich beweisen will und nach Anerkennung sucht. Er habe "radikal" seine Kunst ausleben wollen. In der Schule sei es damals vor allem um Graffiti gegangen.

"Auf dem Schulhof gab's kein Thema, was so wichtig war wie Graffiti. Es war Wahnsinn, wie die Jungs alle auf diesem Film waren: 'Okay, Graffiti ist der Shit und wir müssen hier Qualität abliefern, wirklich auf 'nem hohen Niveau.' Da hat man schon gemerkt, es waren junge Kids, die Hardcore-Leute aus der Szene als Vorbilder hatten. In diesem Alter ging es wirklich darum, dass man mittlerweile genau seine Vorbilder in der Hiphop-Szene hatte. Jeder wusste: Wenn du dich morgen dazu bekennst, dass du Writer wirst, dann ist es mehr als nur: 'Ich mal jetzt 'n bisschen'. Dann war klar: Du bist Teil einer Szene, die nicht sehr einfach ist."

Immer wieder betont Fler das Berlin-typische Konkurrenzdenken. Es sei stets darum gegangen, sich zu behaupten und sich seinen Respekt zu verdienen. All das sei eine "harte Schule" für ihn gewesen. Das Kennenlernen mit Bushido während der Malerausbildung brachte Fler schließlich nach und nach auf die musikalische Schiene. Die Connection mündete bekannterweise in der Entstehung des stilprägenden Kollaboalbums "Carlo Cokxxx N*tten" (2002).

Die Begegnung mit anderen Teilen der Deutschrapszene auf dem Splash! Festival schildert Fler rückblickend hingegen als regelrechten Kulturschock. Vorher habe er Rap vor allem aus einer Berliner Perspektive wahrgenommen.

"Da hast du zum ersten Mal gemerkt, es gibt eine Deutschrapszene. Wir sind da mit paar Kumpels übers Feld gelaufen, haben das "Carlo Cokxxx N*tten"-Tape aus so Pappkartons für 10 DM verkauft und haben dann zum ersten Mal diese Käuferschaft von Deutschrap gesehen und es war für mich - bei aller Liebe - nichts, womit ich mich identifizieren konnte. Irgendwelche Dorf-Kiddies, die sagen 'Samy Deluxe ist der bessere Freestyler', war für uns mit dieser Berliner Mentalität nicht vereinbar."

Diese beschriebene Einstellung spiegelte sich wohl auch bei einem kleinen Konflikt mit Melbeatz wider. Mit der Queen of Beats, die damals bei Optik Records unter Vertrag stand, sei es auf dem Splash! beinahe zu einer Schlägerei gekommen. Ein auf den Boden geworfener Flyer sei der Auslöser gewesen. Heute kann Fler darüber vor allem schmunzeln: "Mel ist die Beste, ich liebe die."

Die Episode "History of Berlin" hört an dem Punkt auf, an dem Fler selbst einen Plattenvertrag bei Aggro Berlin bekommt. Ein zweiter Teil von Flers Berlin-Geschichte soll am kommenden Ostermontag erscheinen.

Eine Legende aus der Hauptstadt, für die Fler Hochachtung empfindet, war Maxim. Hier kannst du die Zeitreise mit dem bereits verstorbenen Hiphop-Pionier anschauen.

"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte


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