Lang lebe "XOXO": Casper und sein Klassiker

Vor wenigen Tagen überraschte Casper mit der Ankündigung eines neuen Studioalbums: Lang lebe der Tod wird aller Voraussicht nach am 23. September dieses Jahres erscheinen – ziemlich genau drei Jahre nach Hinterland.

Sein bislang allerdings wichtigstes und größtes Werk XOXO feiert in diesen Wochen ebenso Jubiläum. XOXO wird fünf Jahre alt und ist nach einem halben Jahrzehnt nach wie vor ein starkes Album. Eine dieser Platten, die es sich mal wieder anzuwerfen lohnt. Also haben wir das gemacht...

Ausgangsposition

Als Casper sich zum Release von XOXO vorbereitete, hätte er wahrscheinlich noch nicht erahnen können, welche Karriere er damit anstößt. Nach seinem ersten Soloalbum Hin zur Sonne vergingen mehrere Jahre, von denen er knapp anderthalb bei Selfmade verbrachte. Ohne eine eigenes Release veröffentlicht zu haben, ging es für ihn weiter nach Berlin zu Four Music. "Es war das Arbeitsumfeld [...] Das war jedenfalls nicht wegen dem großen Berlin-Erlebnis oder den coolen Leuten", erzählte Casper damals im Juice-Interview. Dort stellte Casper sein Album drei Jahre nach Hin zur Sonne fertig.

Das Wesentliche: Der Sound

Mit XOXO wollte Casper erstmals seine eigene Ästhetik etablieren. Er ging sogar so weit, die Platte sein Debüt zu nennen. "Obwohl es nicht meine erste Platte ist, ist es die erste Platte, die mit einem Schritt in die Richtung des Casper-Sounds geht, wo man jetzt endlich sagen kann, das, was ich mache, ist ein Stück individuell."

Als Inspiration nannte Cas Indie-Alternative-Bands wie The xx und Explosions In The Sky, gleichzeitig aber Jay Z und Mannie Fresh. Er und sein Team hätten aus marketingtechnischen Gründen nach einem Überbegriff gesucht. "DoomHop" beispielweise, oder "RapGaze". Alles Blödsinn, fanden sie. "Vom technischen Anspruch her" handele es sich definitiv um Hiphop, musikalisch sei XOXO aber "sehr weit entfernt von einer Rap-Platte".

Der Juice erzählte Casper damals, typische Genre-Anleihen wären während der Produktionsphase strikt untersagt wegewesen. Im Studio hätten sie Regeln aufgehangen. Eine eher außergewöhnliche Arbeitsweise, die er sich möglicherweise beim Genre-Veränderungs-Großmeister Kanye West abgeschaut hat.

"Wir hatten im Studio viele kleine Zettel hängen. Regel 1: 'Crossover ist der Feind.' Alles, was auch nur annähernd an Crossover erinnerte, haben wir sofort weggeschmissen. Regel 2: 'Wie-Vergleiche sind verboten.' Dieses Rappertum wollten wir komplett entfernen. Ich hab stattdessen versucht, kleine Bomben zwischen die Bilder zu legen. Trotzdem wollten wir natürlich auch den Rap-Nazi in uns befriedigen und die Platte sollte unseren technischen Ansprüchen genügen. Das war schon eine Gratwanderung."

Erfolg

Im Juli 2011 erschien XOXO und stieg direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts ein. Wie das Album im Feuilleton, bei der breiten Masse und besonders beim Hiphop-Publikum ankommt, darüber hatte sich Casper im Vorfeld Gedanken gemacht: "Im Mainstream sehe ich die Platte überhaupt nicht, aber sie funktioniert hoffentlich in verschiedenen Subkulturen."

Da lag er wohl nicht ganz richtig. Immerhin verkaufte sich das Album über 200.000 Mal, holte damit Platin und hielt sich über 50 Wochen in den Charts. XOXO eröffnete Casper schier unendliche Möglichkeiten für Tour und Festival-Auftritte. Die taz schrieb außerdem von "einer positiven Dialektik aus HipHop und Hardcore, Zerstörung und Erneuerung, Lachen und Weinen, Zurücklassen und Wiederfinden, Liebe und Wut, Depression und Hoffnung".

Seitdem...

...ließ sich Casper einiges an Zeit. Zwei Jahre später kündigte er den Nachfolger Hinterland an. Weniger düster, deutlich lebensfreudiger, Jambalaya. Auch dieses Album konnte sich Platin holen. Doch Hinterland ist bereits drei Jahre her – nicht, dass das eine ungewöhnliche Pause für Casper wäre, bereits zwischen Hin zur Sonne und XOXO lagen 38 Monate.

Der erste Vorgeschmack auf Lang lebe der Tod gibt Rätsel auf: Hart, mutig, düster, laut. Ein bisschen verrückt, aber explosiv. In welche Richtung das Album gehen wird, weiß man wohl erst in knapp drei Monaten. Ende September erscheint Lang lebe der Tod über Sony/Columbia. Bis dahin ist ja auch genug Zeit, um 5 Jahre XOXO zu feiern...

Den Titeltrack XOXO und So perfekt mit Marteria findest du im Übrigen auch in der von uns gemeinsam mit Filtr zusammengestellten Deutsch Rap Playlist auf Spotify.

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Drake soll Kanye West zu "Donda"-Release gezwungen haben

Drake soll Kanye West zu "Donda"-Release gezwungen haben

Von Renée Diehl am 15.09.2021 - 13:31

Beef, parallele Album-Releases und Streaming-Duell: Zwischen Kanye West und Drake ging es in der letzten Zeit ordentlich rund. Dass die kurz aufeinanderfolgenden Releases von Kanyes "Donda" und Drakes "Certified Lover Boy" kein Zufall waren, war also von Anfang an offensichtlich. Nun aber meldet sich der Producer Todd Rundgren, der an "Donda" mitgearbeitet hatte, zu Wort – laut ihm hatte sich Kanye West durch Drake zum früheren Release seines Albums gezwungen gefühlt. 

Drake ist angeblich schuld an voreiligem "Donda"-Release

In seinem Interview mit "Ultimate Classic Rock" betont Produzent Todd Rundgren, dass das Timing des Donda-Releases kein Zufall war. Er selbst sei an den Aufnahmesessions für Kanyes zehntes Album beteiligt gewesen und behauptet, Drake habe "den ganzen Prozess angeführt". Kanyes Entscheidung, "Donda" zu veröffentlichen, sei so eine direkte Reaktion auf die Bekanntwerdung des Releasedatums von "CLB" gewesen: 

"Mein Engagement dauerte ein Jahr, und am Ende wurde mir klar, warum sie das Ganze so hastig eingetütet haben und offensichtlich rohes, unverarbeitetes Zeug veröffentlicht haben. Das liegt daran, dass Drake den gesamten Prozess anführte. Er [Kanye West, Anm. d. Red.] hatte zu viel Angst, dass Drake ihn übertrumpfen würde, also beeilte er sich und veröffentlichte das Album am Wochenende, bevor Drake sein Album herausbringen konnte. Und am Ende hat Drake trotzdem seinen Teil von Kuchen bekommen."

("My involvement went on for a year, and in the end I realized why they hurriedly wrapped the whole thing up and put out what is obviously really raw, unprocessed stuff. It’s because Drake was running the whole process. He was too afraid that Drake would one-up him, so he hurried up and released the album the weekend before Drake could get his out. And in the end, Drake ate his lunch anyway.") 

Drake hatte am 27. August das Releasedatum für "Certified Lover Boy" für den 3. September bekannt gegeben. Zwei Tage später droppte Kanye West (jetzt auf Apple Music streamen) "Donda" im Anschluss an seine Listening-Party in Chicago.

Rundgren nennt Kanye West einen "Schuhdesigner" und "Dilettanten"

Insgesamt lässt Rundgren kaum ein gutes Haar an seiner Zusammenarbeit mit Kanye West. Die beiden hätten über ein Jahr an "Donda" zusammengearbeitet und niemals habe er gewusst, wieviel von seinem Input wirklich genutzt werden würde. Am Ende hätte er Material für rund drei Kanye-Alben auf seinem Rechner gehabt und dann aufgrund des geringen Feedbacks die Zusammenarbeit beendet:

"Als es im Juli auf die Zielgeraden [der Albumproduktion, Anm. d. Red] zuging, sagte ich nur: 'Das reicht mir. Ich habe keine Ahnung, ob davon etwas verwendet wird.' Man bekommt nicht viel Feedback von ihm."

("When it got into the homestretch in July, I just said, 'That’s enough for me. I have no idea whether any of this is being used.' You don’t get much feedback from him regarding what it is.")

In seinem Rant nennt er Kanye West außerdem einen "Schuhdesigner" und "Dilettanten", denn niemand "würde ein solches Album machen, außer er hätte Geld zum aus dem Fenster werfen übrig". Was unsere Redakteurin Alina von "Donda" hielt, lest ihr übrigens hier:

Review: Kanye Wests "Donda" ist nicht so gut, wie alle sagen

"Donda" is here: Nachdem Kanye West seine Fans wochenlang mit immer absurder werdenden Listening-Partys gequält hat, ist das 10. Studioalbum des gebürtigen Chicagoers doch tatsächlich rausgekommen. Wer hätte es gedacht? Ich auf jeden Fall nicht. Denn Ye ( so heißt er doch jetzt, oder nicht?) ist ja seit jeher bekannt für messy Promo-Phasen.


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