Badmómzjay entschuldigt sich nach Rassismusvorwürfen für ihren neuen Song

Nach der gestrigen Empörung über Badmomzjays neuen Song "Snowbunny" hat die 17-Jährige eine Entschuldigung veröffentlicht. Darin stellt sie klar, dass sie alles andere als rassistische Absichten hatte, was jedoch auch zeigt: Es muss sich intensiver mit systemischem Rassismus beschäftigt werden.

"Mein Song wurde missverstanden": Schuldzuweisung ist keine Entschuldigung

Ihre Entschuldigung beginnt Badmomzjay mit der Behauptung, sie wäre missverstanden worden und würde Rassismus niemals eine Plattform geben. Damit weist sie jedoch die Kritik von sich und schiebt vermutlich unbewusst die Schuld auf jene, die sich durch ihren Song angegriffen fühlen. Rassismus muss nicht immer offen und absichtlich sein, sondern kann auch unterschwellig und unwissentlich ausgedrückt werden. Dabei spielt die Intention der sich falsch verhaltenden Person keine Rolle.

Es kann nicht jeder alles wissen und die Tatsache, dass sich Jordan einen Tag nach Veröffentlichung des Songs mit der Kritik soweit auseinandergesetzt hat, dass sie die Notwendigkeit einer Entschuldigung versteht, zeugt von Größe. Einzig an der Form dieser Entschuldigung hapert es noch ein wenig.

Badmomzjays "Snowbunny": Fetischismus & Rassismus

Was war überhaupt passiert? Badmomzjay veröffentlichte gestern ihren Song "Snowbunny" der ihr einiges an Kritik einbrachte. In dem Song rappt die Berlinerin anscheinend über ihren Typ bei der Partnerwahl, wobei man dem Text und Video entnehmen kann, dass ihr Typ BPoCs (Black & People of Color) sind.

Das klingt auf den ersten Blick zwar spielerisch, bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe auf ihre Sexualität reduziert werden. Hinzu kommt, dass Badmomzyjay fragwürdige Bezeichnungen für die Beschreibung ihrer präferierten Partner verwendet: Cappuccino, Karamell und Oreo werden von der Black Community als Begriffe abgelehnt, weil die Gleichsetzung von Essen und Hautfarben etwas sehr Entmenschlichendes hat. Ebenso ist der Titel "Snowbunny" eine umgangsprachliche Bezeichnung für eine weiße Frau, die auf Schwarze Männer steht.

Cappuccino, Karamell und Mokka: Kein Novum im Deutschrap

"Es ist traditionell

Hautfarbe Cappuccino, kriminell, Kahbas aus Rio wie bestellt"Kurdo (Traditionell)

Auch als Selbstbezeichnung wird im Deutschrap häufig auf Nahrungsmittel zurückgegriffen. Dies sei jedem selbst überlassen, jedoch beschränken sich unsere Lieblingsrapper längst nicht nur auf sich selbst.

"Ich lieb' dein'n Arsch, wenn du Jogger trägst

Ja, und deine Hautfarbe nenn' ich Mokka, Babe" – Kay One (Bentley)

"Sie ist wie Karamell

Sie ist braun, doch hat die Haare hell

Getuntes Fahrgestell" – Nate57 (Karamell)

Wenn Badmomzjay also mit problematischen Ausdrücken um sich wirft, ohne der Fehler darin zu verstehen, führt sie eine lange Deutschrap-Tradition fort. Es ist wichtig, eine Sensibilisierung in der Ausdrucksweise deutscher Rapper*innen voranzutreiben. Fragwürdig ist es jedoch, ob man nun an einer 17-Jährigen ein Exempel statuieren sollte, die immerhin noch kürzlich im Rahmen der BLM-Proteste in Berlin auf die Straße ging. Vor allem wenn so viele ältere und vermeintlich reifere Kollegen bis jetzt damit durchgekommen sind.

"Die Nacht ist noch hell, mach' Batzen mit Shem

Hautfarbe Karamell wie Pharell" – M.O.030 (Caramell)

"Rap läuft parallel, check Madame Annabelle

Hautfarbe: Karamell." – Kurdo (Magie)

Es scheint also, als fehle vielen deutschen Rappern das nötige Wissen und Fingerspitzengefühl, bezüglich eines sensiblen Umgangs mit Sprache. Man sollte diesen Vorfall also nicht nutzen, um Badmomzjay abzuschreiben, sondern viel mehr als weiteren Anstoß verstehen, sich tiefergehender mit Themen wie Rassismus und Diskriminierung auseinanderzusetzen.

Badmómzjay - Snowbunny [Video]

Badmómzjay widmet sich in ihrer neuen Single "Snowbunny" ihrem Liebesleben. "Nimm mir dein Girl oder Boyfriend", rappt sie in der Hook und warnt schon mal alle vor. Allerdings ist der Titel des Songs nicht nur das englische Wort für Schneehase, sondern auch der Begriff für eine weiße Frau, die auf Schwarze Männer - und in diesem Fall auch Frauen - steht.

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SAM ft. Booz, Nura, Chima Ede, Lary, Kelvyn Colt, Reezy & Ahzumjot – Da wo du herkommst (Remix) [Audio]
Sam

SAM ft. Booz, Nura, Chima Ede, Lary, Kelvyn Colt, Reezy & Ahzumjot – Da wo du herkommst (Remix) [Audio]

Von Clark Senger am 17.07.2020 - 11:12

Im November jährt sich der Tod von Samson Wieland zum zweiten Mal. Mit seinem Bruder Chelo bildete er das Duo SAM und das letzte Musikvideo, das die beiden gemeinsam veröffentlichen konnten, war "Da wo du herkommst" im September 2018. Der Song thematisiert Rassismus, den BPoC subtil oder ganz offensichtlich zu spüren bekommen, und versprüht trotzdem eine positive und optimistische Perspektive aufs Leben.

Nun haben sich einige Musiker*innen zusammengeschlossen, um Sam zu seinem 30. Geburtstag die Ehre zu erweisen, diesem wichtigen Song den Remix zu schenken, den Samson sich gewünscht hatte. Ahzumjot schreibt auf Instagram:

"du hast dir diesen remix 2018 gewünscht und ich hoffe, dass er so geworden ist wie du es dir gewünscht hast. danke, dass du diesen song gemacht hast. schade, dass sein inhalt immer noch eine solche relevanz hat." [sic]

Remix als Geschenk an den verstorbenen Samson Wieland

Mit an Bord sind Booz, Nura, Chima Ede, Chima Ede, Lary, Kelvyn Colt, Reezy und eben Ahzumjot, der außerdem auch die musikalische Untermalung geupdatet hat. Alle Beteiligten können ebenfalls von rassistischen Erfahrungen berichten und so ist der Song nicht nur gute Musik und eine rührende Geste für einen viel zu jung gestorbenen Freund, sondern auch etwas, wo man ganz genau zuhören sollte.

"Da, wo du wohnst, fragt der Cop nach dem Täter / da, wo ich wohn', ist es sehr wahrscheinlich jeder" (Booz)

"Sie sagen, Haare passen nicht zu deinem Namen / greifen einfach rein, ohne zu fragen" (Nura)

"Dein Dad warnt dich vor deiner Zukunft und / sagt, vermisch dich nicht mit Shaka Zulu Blut" (Chima Ede)

"Wir können nicht alle gut tanzen, aber besser als die meisten / wir können alle alles tragen, aber uns nicht alles leisten" (Lary)

"I was made aware I'm not from here in their eyes / I tried to blend and reinvent in disduise" (Kelvyn Colt)

"Da, wo dun herkommst, ist kein Platz für mich / denn meine Hautfarbe passt dir nicht" (Reezy)

"Jérôme ist sicher sowas wie ein Vorbild / den lieben wir doch alle, wenn das Tor fällt" (Ahzumjot)

Mit 6:35 Minuten hat der Remix für 2020-Verhältnisse fast schon EP-Länge. Es lohnt sich, jede Sekunde hinzuhören!

Die Musikwelt trauert: Reaktionen zum Tod von Samson Wieland

Die deutsche Musik- und Entertainmentlandschaft trauert um Samson Wieland.


SAM - “DA WO DU HERKOMMST (REMIX)“ FEAT. BOOZ, NURA, CHIMA EDE, LARY, KELVYN COLT, REEZY, AHZUMJOT

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