TIMEOTHY - Nicht

Raptexte zu schreiben? Das ist keine Kunst!

In TIMEOTHYs Kosmos spielt Kunst eine immer wiederkehrende Rolle. Seit klein auf war Musik für ihn nicht das einzige Mittel, um seine Gedanken und Ideen auszudrücken. Vom Artwork bis zum Video kommt alles aus einer Feder und bildet damit das Fundament für die daraus resultierende Ästhetik: OTHY.

Auf seinem zweiten Studioalbum Das Ist Keine Kunst (VÖ: 15.12.2017) definiert er in dem gleichnamigen Song den Kunstbegriff für (deutschen) Rap, indem er die Grenzen zwischen Haltung und Antihaltung verschwimmen lässt. TIMEOTHY zeigt Stereotypen auf, die unterschiedliche Wahrnehmungen von Musikästhetik thematisieren: „Dein Autotune ist keine Kunst - dein Auto tunen ist keine Kunst“. Ist Autotune ein geniales Stilmittel oder eine Maske für schlechte Performance? TIMEOTHY gibt dem Hörer eine Antwort: TIMEOTHY gibt dem Hörer keine Antwort. „Jemanden zu kopieren? Das ist keine Kunst. Was eigenes zu kreieren? Das ist keine Kunst.“

Neben der Erkenntnis, dass alles, was man tut, immer so ausgelegt werden kann, dass es keine Kunst ist, zeigt TIMEOTHY, dass hinter seiner neuesten Platte mehr steckt als eine Diskussion auf der Metaebene. Auf „Das ist keine Kunst“ wird der Hörer mit auf eine Reise durch die Empfindsamkeit genommen. 
Leer behandelt den Konflikt von innerer Leere gegen den Wunsch, sich aus dieser zu befreien: „Ich will nicht aufgeben, doch ich will aufgeben.“ Diese Stimmung setzt sich auch auf Bin fort. Durch pumpende Baselines, melodische Synthies und der Frage „warum verlässt du mich nicht wie ich bin?“, wird die Verzweiflung in eine Hymne des Nicht-Verstanden-Werdens verwandelt. 
Die Schwere der vorangegangenen Songs lässt TIMEOTHY auf Low endgültig los und gründet mit All eine außergewöhnliche Ode an die Liebe, die sich irgendwo zwischen Grime und Contemporary-R&B einordnen lässt. In dem Song Nach trifft das OTHYversum auf die mintgrüne Welt des Sadi Gent
Nach all der blauen Farbe (Eve Klein) wird mit Nicht ein wichtiger Teil von TIMEOTHYs Schaffen musikalisch neu interpretiert und hisst wieder die Fahne seiner Haltung: „Man sagt, du musst für kämpfen, was dir lieb ist. Doch wenn es spiegelt, brauchst du nicht kämpfen und nur lieben.“

Das ist keine Kunst ist ab sofort auf Spotify, Apple Music & iTunes, Bandcamp und Amazon verfügbar.


Tracklist:
1. Das Ist Keine Kunst
2. Leer
3. Eve Klein
4. Bin
5. All
6. Low
7. Nach (feat. Sadi Gent)
8. Nicht (D.I.K.K. Version)
 

Deine Meinung dazu?

Meinungen zu diesem U-Release

am 15.12.2017 - 16:58
Es ist das erste Album was ich von dem Künstler (und in dem Kontext kann man endlich mal die Definition Künstler verwenden) höre. Ich bin geflashed. Beats und Technik sind auf einen sehr anspruchsvollen Niveau, auf das man sich einlassen muss. Einmal eingetaucht in die Welt von Timothy empfinde ich jeden Track als Erlebniss, welches einen mental auf eine Reise mitnimmt. Vielen Dank dafür und ich hoffe mehr zu hören. Von mir also ganz klare eine Empfehlung und mein vote zum newcomer of the year