Juelz Santana - What The Games Been Missing!

What The Games Been Missing!

Artist

Label

Veröffentlichungsdatum

1 Dez 2006

Pressetext / Beschreibung

Nach Juelz' eigener Aussage, ist dieses sein eigentliches erstes Album. "They always say, you wait your whole life to make that first album and pour your whole life into it. But I feel like this one, man, this is my baby." Die Erwartungen waren nicht nur deshalb extrem hoch. Cams Dipset hat sich in den letzten Jahren wirklich zum neuen Wu-Tang Clan entwickelt, zu einer Crew, die die Straßen lieben und die mit ihrem eigenen Style, ihrer Größe und Vielfalt ein echtes Movement darstellt. Alleine die Diskussion darum, welcher deutsche MC den Style der Harlem Diplomats bitet und wer nicht, zeigt, welche Bedeutung das Set auch in Deutschland hat.
        
Wer das Zepter in Zukunft halten soll, scheint schon lange klar. Seit seinem Auftritt auf Oh Boy zeigt sich, welcher der Diplomats in der Lage ist Cam'ron die Schau zu stehlen. Das zeigt sich auch bei den Gastauftritten Cam's auf What the Game's been missing. Auf Murda Murda, das musikalisch auf Damien Marleys Welcome to Jamrock basiert, übernimmt Cam in der dritten Strophe den von Juelz eingeschlagenen Weg, inklusive der Gorilla - Chinchilla-Reime. Zu mehr als einem Feature wird Juelz' Meister, der den heute 23-jährigen LaRon Louis James bereits vor fünf Jahren unter seine Flügel nahm, dabei nicht. Auch wenn die trockene Arroganz Cam's, delivert in Lines wie "Some good coke, dawg, go get your base pipe - Put on my Laker jersey, then I go rape white (number 8)", nach wie vor selbst von Juelz nur schwer zu übertreffen ist. Der Wechsel an der Spitze der innovativsten Crew unserer Zeit scheint mit diesem Album, was die Rap-Qualität angeht, vollzogen. Die Leistung Cam'rons, der alleine schon mit der Dreistigkeit seines auf Come Home With Me erstmals vorgestellten, neuen Styles den Grundstein für das Movement legte, wird dadurch nicht geschmälert. Im Gegenteil. Alles läuft scheinbar wie geplant.

Während bei From Me To You, Juelz' Erstlingswerk, die meisten Kritiker Kollegen noch auf die angeblichen lyrischen Mängel hinwiesen, ist es inzwischen schwer en vogue Juelz und dem Rest des Sets das zu geben, was sie verdienen: Props. Langsam aber sicher fällt auch dem letzten Kritiker auf, was Fans schon um einiges früher bemerkt haben: das lyrische Komplexität schnell scheißegal wird, wenn das Ergebnis cool klingt. Und dass das wohl der Grund war, aus dem Cam'ron anfing, seinen Style auf ein paar légèr in den Takt geklatschte Sprüche herunter zu brechen. Im Jahr 2005 ist Juelz Santana nun reif, vom Soldier zum Leader zu werden. Ein Anspruch, den der Titel seines Albums verdeutlichen soll. Leadership ist demnach das, was das Game vermisst und Juelz will jemand werden, dem man folgen kann. Songs wie das Streetrunner produzierte Gone rechtfertigen diesen Anspruch. Juelz behält seinen Dipset Style bei, und baut aus Adlibs plus Rap einen Conscious-Storyteller, in dem zwei Storys eine Message zum Hörer liefern. "God will never put you in a situation that you can't handle. But you can definitely put ya self in a situation you can't handle.[...] Just don't be one of them people I'm talkin bout..." In eine ähnliche Richtung gehen Lil Boy Fresh, in dem Juelz die Story von Fresh (dem Film) nacherzählt, This is me und das stellenweise NWA-mäßig politische Whatever you wanna call it. Alle drei Tracks bieten ohne von Street Themen und dem gewohnten Style abzuweichen, tiefere Einblicke in das Leben und Denken des Künstlers. Ein Aspekt, den jemand der führen will, auf seinem Album nicht ganz vergessen sollte. Conscious ist dieses Album sicherlich nicht, es geht weit öfter um detaillierte Crack-Koch-Anleitungen als um Politik. Regelmäßig wiederkehrende Themen wie der Tod oder Juelz' Kinderliebe (im speziellen zu seinem Neffen Lil' Ja und seinem Sohn), machen aus What the Game's been missing mehr als ein Dipset-Mixtape. Auf Mic Check, dem einzigen schon bekannten Track, und I Am Crack, kann dann auch der letzte ignorante Rucksack-Träger erkennen, was Juelz kann. Lines wie "I'm so mean and nice with the things I write - Jesus might say Jesus Christ" bieten beste Unterhaltung, während Santana losstürmt, um imaginären Gegnern mit smoother Stimme verbal auf die Fresse zu hauen.

Den Rest des Albums füllen dann Dipset Street Tracks (wie das von Schützling Bezel unterstützte Violence) Chart-taugliche Club Tracks (wie der Whistle Song There it Go) und Thug Motivation Tracks wie Clockwork oder Rumble Young Man Rumble .
Auch bei den Beats bleibt man dem Konzept eigener Wege treu. Neben Neo da Matrix, Shoddy und Streetrunner sind Vier-Mal die Heatmakerz vertreten. Dipsets hauseigene Sample-Pitcher produzierten auch die für Raggae-resistente Ohren geniale Kollabo mit Sizzla, Shotta. Bleibt noch das sehr gute Make it work for you mit Young Jeezy und Lil' Wayne, auf einem sehr freshen, minimalistischen Doe Boys-Beat. Selbige bauten übrigens auch den Beat für Gangsta Shit, auf dem Juelz vorführt, wie man Adlibs perfekt in einen Text integriert um vollendeten Spitter-Rap zu kreieren.

Auch wenn der ganz große Hit, der das Set in den Charts etablieren könnte, nach wie vor fehlt, What the Game's been Missing zeigt Dipset in Perfektion. Nicht ganz neu, aber mit absoluter Sicherheit das, was das Game vermisst hat.

Bewertung:
5 von 6           
    
Fazit:
Juelz Santana liefert ein Album, dass für fast jede relevante Kategorie einen bomben Track dabei hat. Ohne den Style zu verlieren, der Dipset zu einem Movement gemacht hat, beweist der junge Diplomat wie New York-Rap im Jahr 2005 funktioniert. Auch wenn man konstant das Gefühl hat, dass noch mehr drin gewesen wäre - das hier ist eins der besten Alben der Dipset Geschichte.

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