Frauenarzt - T-Shirt und Jeans

T-Shirt und Jeans

Artist

Release Titel

Label

Veröffentlichungsdatum

19 Nov 2005

Pressetext / Beschreibung

Wer vierzehn Alben auf Independent-Basis veröffentlicht und in schöner Regelmäßigkeit zigtausend Einheiten verkauft, der darf sich sicherlich den Titel "Untergrundkönig" geben, ohne dass es nur Selbstbeweihräucherung wäre. Natürlich spricht die Masse Frauenarzt diese Stellung nur all zu gerne ab, weil sie mit seiner Musik nur niveaulose Fluchereien und Vulgärraps verbinden - was einfach falsch ist. Vor allem ist der Berliner mittlerweile ein überragender Produzent und einer der kontroversesten Rapper im deutschsprachigen Raum. Nicht dass ich persönlich ein Hardcore-Fan des Berlin Crime-Mitgliedes wäre, welcher alle seine Schritte gut hiesse, doch wenn ein Künstler gute Projekte veröffentlicht, wieso sollte man ihm dies absprechen? Eben ein solches Projekt ist die Maxi "T-Shirt und Jeans" (welche das am 25.11. erscheinende Album "Der Untergrundkönig" ankündigt). Wer sich fragt, was er bei einem solchen Titel zu erwarten hat, dem sei gesagt, dass es eben wirklich um eine Hymne an die genannten Kleidungsstücke geht. Hiess es noch vor Jahren "Hip teens don't wear blue jeans", widerruft Arzt diese These und macht sich über Leute lustig, welche ihre letzte Kohle aufbringen um sich über's Wochenende einen Armani-Anzug zu leihen, nur um im Club nach "Geld" aus zu sehen.

"Ich trage T-Shirt und Jeans und geh' damit in den Club. Ich trage T-Shirt und Jeans, seh' wie der Türsteher guckt. Ich trage T-Shirt und Jeans, doch er lässt mich hinein..." - "T-Shirt und Jeans" soll eine Lebensweise beschreiben - es geht um Authentizität. Natürlich ist Frauenarzt noch immer kein 0815-Rapper mit dem Flow eines Jadakiss, doch wer Dirty South oder Miami Bass mag, der ist hier auf jeden Fall gut bedient. Gerade eben, weil es NICHT nur um Geschlechtsverkehr oder primäre, weibliche Fortpflanzungsorgane geht. Neben der "Original"-, sowie "Album-Version" und dem "Bass Remix" wartet die Maxi noch mit einem "Beathoavenz Rmx" auf, welcher mich nicht überzeugen kann. Ist Frauenarzts Beat noch ein Beispiel an bösen und kompromislosen Synthesizern, bekommt man hier einen überladenen Beat, welcher einfach nicht so in's Ohr gehen will, wie es das Original tut. Abgesehen hiervon gibt es noch das bekannte "Hunnies im Club" (mit DJ Manny Marc und Smoky) und den Bonus Track "Im Tapedeck". Vor allem der Beat des letzteren ist ein Paradebeispiel dafür, was man mit einem Synthie so alles anstellen und wieviel Druck eine Bassline machen kann. Wer nichts mit Synthie-Beats und eigenwilligen Raps anfangen kann, wer künstlich auf den Conscienceness-Zug aufgesprungen ist und alles aus Berlin boykottiert, nur weil es aus Berlin ist, der wird dieser Maxi überhaupt nichts abgewinnen können. Doch "nur für Fans" ist Frauenarzt schon lange nicht mehr. Reinhören empfohlen.

Bewertung:
3,5 von 6

Fazit:

Frauenarzt wird sicherlich nie "Everybody's Darling" werden, doch dass will er auch garnicht. "Die Sprache der Strasse wird durch uns hier ersetzt" - und eben jene Sprache ist nicht unbedingt das, was jeder hören will. Noch immer ist Frauenarzts Musik Geschmackssache, doch wer ein wenig Offenheit für neues an den Tag legt, könnte hier auf jeden Fall ein interessantes Stück Musik für sich entdecken.

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