Was diese Woche lief: 9 Songs, die du gehört haben solltest

Einiges gebacken gerade im Rap-Kosmos. Diese Woche gab es unter anderem neue Releases von Rick Ross, Yung Hurn und Drake. Bushido und die KMN Gang haben neue Musik veröffentlicht und das war's noch lange nicht. Hier gibt's ein paar mehr und hoffentlich auch ein paar weniger offensichtliche Highlights der Woche. Subjektiv und ohne Gewähr für guten Geschmack.

Markennamen und Statussymbole sind im Rap allgegenwärtig wie eh und je. Der Stern auf der Motorhaube soll zeigen: Ich hab's geschafft, mir geht's großartig. Ok. Ist das so?

"Der Neid der Leute ist mein Rückenwind / ich will so reich und so mächtig werden, dass sie zu mir aufsehen, weil ich dann glücklich bin"

Disarstar und Tua reißen in Konsum mit ihrer direkten Art und Ausdrucksweise die Fassaden nieder, die der Kapitalismus rund um die Uhr um die braven Konsumenten hochzieht. Der Beat kommt von Sinch, Typhoon und Killa M, die zuletzt an Estikays Debütalbum fleißig mitgearbeitet hatten.

Rundum gutes Ding. Ab dem 31. März kannst du mehr davon konsumieren, wenn Disarstars neues Album Minus X Minus=Plus erscheint.

Yes, Marteria ist zurück. Gemeinsam mit Beatsteaks-Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß, der sich hinter dem Namen Teutilla versteckt, ließ der Rostocker diese Woche mit Aliens den ersten Vorgeschmack auf sein kommendes Album Roswell auf die Szene los. In dieser Alien-Geschichte verpackt er – wie schon Edgar Wasser vor rund anderthalb Jahren – auch politische Statements:

"Ihr könnt nicht woll'n, dass wir gehen / die meisten Fremden haben immer etwas Neues zu geben / haben so viel mitgebracht, könn'n so viel von uns lern'n / sind genau wie ihr, verlier'n nicht so gern" – Lass den sitzen!

Fürs Instrumental waren wie auch auf dem Rest des neuen Albums The Krauts zuständig. Roswell erscheint am 26. Mai und die Tracklist samt Features ist bereits online.

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Hörst du auch was anderes als Trap? Wie kann man das nur feiern, dafür braucht man kein Talent, das kann jeder.. Hört sich immer gleich beschissen an.

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Alte Schule, neue Gesichter: Wie der 90er-Sound alle Hypes überlebt
BHZ

Alte Schule, neue Gesichter: Wie der 90er-Sound alle Hypes überlebt

Von Clark Senger am 20.02.2018 - 17:15

2Pac, Eazy-E und Biggie rotieren kollektiv in ihren Särgen wie Gyros, wenn es nach Teilen der Community geht. Afrobeats, Autotune, Trap – immer noch Trigger für viele Heads, die auf Facebook und Co unterwegs sind. Dabei könnte man sich auch einfach aufs Positive fokussieren. Davon gibt es nämlich auch einiges für die Fans, die dem Sound der 90er hinterhertrauern – und das teilweise von Rappern, die in diesem goldenen Jahrzehnt geboren wurden.

Gerade erst hat Haze sein neues Album veröffentlicht. "Die Zwielicht LP" will mit Trends nichts zu tun haben, ohne irgendwelche aktuellen Entwicklungen zu verurteilen. Dreckige Samples kriechen aus den Boxen, Basslines rütteln am Brustbein und Drums klatschen gegen den Nacken, wenn der Karlsruher auf 45 Minuten Stories aus dem Zwielicht erzählt. Prodigy und Havoc wären stolz.

Ja, Xatar und SSIO lassen immer wieder R&B und Hiphop – besonders G-Funk – aus den 90ern in ihren Sound einfließen, klingen aber meistens sehr modern dabei. Cashmo muss man an dieser Stelle auch massive Props geben für seine beiden letzten Alben, auf denen er leidenschaftlichen G-Funk aufleben lassen hat.

Sido gönnte sich mit dem "Goldenen Album" 2016 den am meisten beachteten Trip in die goldene Ära der letzten Jahre. Es ist kein Zufall, dass er Haze als Gast auf dieser Platte haben wollte. Kaum jemand fährt seinen Film so konsequent wie er. Es passt nur zu gut ins Bild, dass er im Video seines Karlsruher Homies Ulysse zu sehen ist, der ebenfalls auf sample-lastigen Sound setzt: Dieser konnte uns schon Anfang 2017 mit seinem Kopfnicker "Pour Moi" überzeugen und bekam eine Videopremiere auf unserem YouTube-Kanal. In den folgenden Monaten tauchte er ein weiteres Mal bei uns auf und konnte sein Video zu "Debrouille" beim Format "Von der Straße in die Charts" von 385ideal platzieren.

Anfang Januar gab es dann erneut ein Lebenszeichen des Karlsruhers, der auch auf Französisch rappt und Sefyu zu seinen Inspirationen zählt. "KAWGA" kommt mit einem herrlich rumpeligen Klimper-Beat von Dasaesch und Henny-Flow à la Wu-Tang '97. Bei der Talentschmiede Beefhaus könnte er dieses Jahr sein erstes Release veröffentlichen – und das sollte man im Auge behalten:

Aber Karlsruhe ist nicht das einzige Enklave auf Deutschraps Landkarte, auf der sich immer mehr Chart-Hits ausbreiten. Einer, der seine Gegend explizit zum "gallischen Dorf" erklärt, ist Shacke One aka der H*rensohnzerstampfer. In Nordberlin geht man die Dinge allerdings deutlicher funkiger an. Eigentlich kein Wunder, wenn jemand mit dem Künstlernamen Achim Funk dein Album produziert.

Im Gegensatz zu Haze und Ulysse ist bei Shacki und der Mördertruppe, passend zum Sound, auch die ganze Attitude spürbar positiver. Es geht um wacke Rapper, Graffiti, Kopulieren in diversen Varianten, Trips durch den Ostblock, Saufen und Halligalli. Klassische Boombap-Elemente werden mit Funk-, Jazz- und 80s-Anleihen zum Nordberlin-Sound gepimpt und mit furztrockenen und unterhaltsamen Punchlines garniert.

Das Gesampaket, das aus einem anderen Jahrzehnt stammen könnte, wird auch visuell in den Videos umgesetzt. Keine Special Effects, alles echt und direkt. Shacke Ones letztes Album ist erst zweieinhalb Monate alt (Stream & Videos).

Ein weiterer Kandidat, den man 2018 im Auge behalten sollte, ist Kwam.E. Der Hamburger konnte an der Seite von Ace Tee Ende 2016 erstmals auf sich aufmerksam machen, als der gemeinsame Song "Bist du down?" sogar in den USA Hörer für das 90s Revival begeistern konnte. Auf der Kollabo-EP "Tee Time" stand dann jedoch eher die Künstlerin im Fokus als Kwam. Anders als bei Ulysse steht für ihn schon fest: Zumindest eine EP soll es sein in diesem Kalenderjahr.

Einen Song daraus hat er schon präsentiert. "#ESISKWAM" holt quasi aus dem Stand auf Kwam.Es zuvor jungfräulichem YouTube-Kanal bis heute 165.000 Views und damit mehr als das Nachfolgervideo zum millionenfach geklickten "Bist du down?". Ganz ähnlich wie bei Haze dürfte die größte Inspirationsquelle für den Sound der 90er-Jahre-Rap aus New York sein. Gut für Kwam: Seine variable Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert und man spürt, wie sehr er die Flows fühlt. Das ist einfach dope und die EP bestätigt hoffentlich das, was der Hamburger nun schon einige Male angedeutet hat.

Die Tatsache, dass Liebe für alte und neue Schule sich nicht gegenseitig ausschließen, verkörpert die Berliner Crew BHZ. Aus ihrem Hoodparadies heraus haben die Jungs zwar in den letzten zwölf Monaten hauptsächlich turnup-taugliches Material veröffentlicht. Die letzte und vielleicht bald schon erfolgreichste Single auf dem Kanal der Jungs klingt aber weniger nach Travis Scott als nach Fugees.

Bei "Schließe die Augen" schwebt ein diffuses Summen durch den Beat, während Boomtschak-Drums für das Hiphop-Gefühl sorgen. Dazu stellen die vier schon durch ihre Optik vielseitigen Jungs Longus Mongus, Ion Miles, Dead Dawg und Monk unter Beweis, wie gut sie auch diese ältere Rap-Disziplin beherrschen.

Ein Großteil der Vertreter in dieser Liste dürfte schon über 30 sein und damit als aktiver Hörer die 90er live miterlebt haben. Trotzdem vereint die Liebe für diesen "echten" Rap, wie manche es gerne nennen, alle Augelisteten. Sicher gibt es noch etliche weitere Rapperinnen und Rapper hierzulande, die ähnlich nice den Sound aus einer anderen Ära nachempfinden, aber ich erhebe hier gar keinen Anspruch auf Komplettheit. Was jedoch klar geworden sein sollte: Lasst die armen Jungs wie Pac, Eazy und Prodigy in Frieden ruhen. Es gibt keinen Grund, sich im Grabe umzudrehen.

Das Wort "zeitlos" wird im Rapkontext aus gutem Grund genutzt, wenn man über die goldene Ära spricht. Hiphop kann sich weiterentwickeln und sich trotzdem treu bleiben. Auch die jüngste Generation arbeitet daran. Skrrrrt!


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