Unabhängig & erfolgreich: Wie Independent-Rapper den Major-Code knacken

Independent-Labels schießen gerade in Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Jüngst gründeten die Jungs von Genetikk ihr eigenes Baby "Outta This World" und verließen den sicheren Hafen von Selfmade Records. Weitaus weniger Künstler berufen sich noch auf traditionelle Major-Strukturen und ihre Vertriebsmöglichkeiten. Wer sich nicht vor Arbeit scheut, der macht es heutzutage selbst und bekommt im Endeffekt deutlich mehr vom Kuchen. Nichtsdestotrotz diktieren weiterhin gigantische Konzerne, wann und wie Musik den Hörern zugänglich gemacht wird. Aus dieser Rolle heraus äußert sich Carl Chery, der bei Apple Music für die Künstlerbetreuung zuständig ist, in einem Interview bei Complex. Er sieht beispielsweise den weltweiten Erfolg von Independent-Star Chance The Rapper als einen irreführenden Einzelfall an. Sein Werdegang sei abnormal.

DJBooth on Twitter

@ChanceTheRapper's independent success is "misleading," according to Apple Music's @carlcheryAM, but he doesn't owe anyone an apology. https://t.co/i7RfxS0QEs

Diese Einschätzung ruft Chance The Rapper selbst auf den Plan, der genau die entgegengesetzte Meinung vertritt. In einer Reihe von Tweets argumentiert er für die radikale künstlerische Freiheit. In den Vorstellungen des Chicagoers sind die Industrievorgaben durch Verträge, Fristen und Mindestabsatzzahlen eher kreativer Bremsklotz als wirkliche Hilfestellung. Das volle Potenzial eines Künstlers könne sich erst entfalten, wenn er vollkommen frei von diesem Denken sei.

Chance The Rapper on Twitter

@DJBooth @carlcheryAM Also have some damn patience, all your favorite artists are locked up in deals and until they get out (and stay out) you wont see the realization of their full potential.

Wessen Aufstieg hierzulande diese These stützt, ist zweifellos Trettmann und seine von vorne bis hinten durchgezogene "#DIY"-Mentalität. Mit den individualisierbaren Deluxe-Rollen, die dann auch aus Privatwohnungen verschickt worden sind, spiegeln der Chemnitzer und die Kitschkrieg-Familie die totale Eigenkontrolle über ihre Kunst wieder. Abseits riesiger Marketing-Kampagnen haben sie es trotzdem geschafft, ihre Musik erfolgreich zu platzieren.

TRETTMAN - #DIY FANBOX

Shop & FanBOX: https://www.kitschkrieg.de/shop/ Spotify: http://spoti.fi/2fDP78Z AppleMusic: http://geni.us/TrettmannDIYAM iTunes: http://geni.us/TrettmannDIY Deezer: http://geni.us/DIYDeezer Amazon: http://amzn.to/2v49mmW Google Play: https://goo.gl/sLkAFr CD: http://amzn.to/2x1pbs0 Vinyl: http://bit.ly/2xfjHMj Info: http://phonofile.link/diy Ich geh auf Tour, wer kommt ? 03.10. München, Ampere 04.10. Nürnberg, Z-Bau 05.10. Frankfurt, Zoom 06.10. Münster, Skaters Palace 09.10. Köln, CBE 10.10. Hamburg, Übel & Gefährlich 11.10.

Was wiederum zu Chance führt, der jedem Artist etwas Besonderes oder den gewissen It-Faktor zuspricht. Mit dieser Einzigartigkeit ausgestattet könne es jeder zu einem erfolgreichen Musiker schaffen. Die Gegenseite hält ihm vor, die Sichtbarkeit außer Acht zu lassen. Wie soll jemand von meinen Vorzügen erfahren, wenn ich es nicht in die Timelines und News-Feeds der potenziellen Käufer schaffe? Brauche ich nicht die Hilfe von den erfahrenen Industrie-Playern?

Chance The Rapper on Twitter

@DJBooth @carlcheryAM EVERY ARTIST HAS "IT". If "it" means the access and ability to be successful (assuming this success is individual to the artist) while retaining ownership of your pub/masters and royalties from other media appearances, full oversight of metrics etc. THEY ALL HAVE "IT

Anhand von Daten-Analysen ist es für Labels und ihre Manager vergleichsweise objektiv möglich, die Durchstarter der Zukunft vorherzusehen und auch für ein größeres Publikum sichtbar zu machen. Ein Artikel auf DJBooth beschreibt, wie abstrakt der Zugang zu neuer Musik geworden ist. Die persönliche Verbindung zu einem Künstler gehe immer mehr verloren, weil man kaum noch in die Situation gerät, selbst auf etwas aufmerksam zu werden. Algorithmen trichtern, was einem tatsächlich gefällt. Und was gefällt, ruft die Industrie auf den Plan. Dass da nicht jeder der Verlockung des Geldes einfach so widersteht, liegt in der Natur der Sache. Auch in jenem Artikel dient Chance The Rapper als leuchtendes Gegenbeispiel, da er auch ohne so ein Trendscouting funktioniert hat. Dicke Deals abzuschließen und sich selbst treu zu bleiben, muss sich dahingehend nicht ausschließen. Die Ernte für die eigenen Mühen einzufahren, ist kein Verbrechen und nur, weil man sein Werk teuer entlohnen lässt, führt das nicht zwangsläufig zur Unfreiheit.

Trotzdem begibt sich auch Chance The Rapper so in den Daten-Dschungel, dem er abspricht, über den Markt zu bestimmen. Vielleicht sind es genau jene industriell vorgekauten Geschmäcker, die dazu führen, dass Soundcloud-Digging so ein beliebter Sport unter Musikfans geworden ist. Auf dieser, aber auch auf vielen anderen Plattformen existiert noch so etwas wie ein künstlerischer Freiraum, der zum Stöbern einlädt. Mit dem Spirit eines Platten-Stores inmitten der digitalen Gegebenheiten findet man die vertragsfreien Artists, die Chance sich herbeisehnt. Natürlich ist diese Versuchsanordnung nicht frei von Trends und automatisierten Vorgaben. Dennoch finden sich hier jede Menge ungeschliffene Diamanten, die ihre Arbeit zur Verfügung stellen und in keinem Major-Zusammenhang auftauchen. Chance vertraut auf die Kraft der Musik und die am Ende doch sehr persönlichen Vorlieben der Konsumenten. Er nimmt seine ihm zugeschriebene Rolle als Ausnahmerscheinung nicht einfach hin, sondern betont die Bandbreite an Möglichkeiten, die eigene Kunst an den Mann oder an die Frau zu bringen.

Chance The Rapper on Twitter

@DJBooth @carlcheryAM Algorithms don't determine people's taste in music and visibility on a platform's homepage/playlist doesn't matter as long as an artist's audience knows where to get their music. You're both acknowledging all the new ways music is distro'd and promoted AND saying there's one way.

Der Mut zum Handeln ist wohl die Grundvoraussetzung für den Schritt aus dem Keller-Studio in die Playlists der Generation Internet. Ab dann heißt es: fressen oder gefressen werden. Wer es gemäß Chance schafft, seinen It-Faktor an eine Hörerschaft zu vermitteln, dem wird es wahrscheinlich ebenso gelingen, sich gegenüber der millionenfachen Konkurrenz durchzusetzen – Major hin, Major her.  Chance The Rapper bringt es dann nochmal für sich auf den Punkt: Solange das erspielte Publikum wisse, wo und wie es die Kunst unterstützen kann, seien riesige Netzwerke und üppige Strukturen ziemlich irrelevant.

Ein gutes Anschauungsbeispiel bietet hierzulande die Immer Ready-Gang um und mit Marvin Game. Der eigene Shop läuft, mit Output ist immer zu rechnen und die Touren wachsen stetig an. Sie werden wahrgenommen und scheinen es auf ein solides Level geschafft zu haben, ohne die mächtigen Strippenzieher im Hintergrund zu wissen. Eventuell ist auch das abnormal, aber mit Blick auf den hiesigen Musikmarkt scheinen solche Achtungserfolge sich in letzter Zeit zu häufen. Die Vorstellungen von Chance The Rapper sind in diesem Kontext vielleicht zu romantisch und bilden unweigerlich auch einen gewissen Hang zum Optimismus ab. Es kommt leider auf mehr als nur Talent an, aber etwas ist wohl wahrer denn je: seit einiger Zeit hat jeder noch so kleine Act zumindest die Möglichkeit in den Zirkel der Stars überzutreten.

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Mit apple im rücken würde jeder "independent" erfolg haben

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Über die Musik hinaus: 7 persönliche Rap-Highlights 2017

Über die Musik hinaus: 7 persönliche Rap-Highlights 2017

Von David Büchler am 30.12.2017 - 18:25

Es ist ein menschliches Bedürfnis Dinge einzuordnen, in Rangfolgen zu bringen und miteinander zu vergleichen. Was war der Beste Track des Jahres? Was war die heftigste Promophase? Wer hat im letzten Jahr eigentlich am meisten Mütter anderer Artists beglückt? Höher, schneller, weiter. Was für eine Zeit, um am Leben zu sein?! Und weil natürlich auch wir nur Teil eines Systems sind, das uns mal mehr und mal weniger Spielraum gibt, blickten wir für dich zunächst auf das Jahr zurück, um dir jetzt unsere Highlights vor den Latz zu knallen.

Dabei haben wir uns auf kein starres Muster festgelegt. Und meine Highlights kommen nichtmal in einem Ranking daher. Wie soll ich denn bitte Alben, einzelne Tracks und Kontroversen, die mich dieses Jahr irgendwie bewegt haben, sinnvoll miteinander vergleichen? Keine Ahnung. Deshalb habe ich dir hier einige Dinge zusammengetragen, die mich im (fast) abgelaufenen Jahr berührt haben. Kein Ranking, nur gute Dinge. So viel Freiheit muss sein. Viel Spaß!

Trettmann - "#DIY"

Ein Album, das vermutlich in fast jedem Jahresrückblick irgendwie Erwähnung findet. Aber was war denn das auch bitte für ein Album? Um ehrlich zu sein, hatte ich bisher keine besondere Verbindung zu Trettmanns Werken. Die Kitschkrieg EPs waren schon ziemlich fresh, Haiyti-Features sowieso immer on fleek und die "Herb & Mango"-EP war auch cool. Hab ich gehört, für gut befunden und Tretti als freshen Künstler abgespeichert. 

Aber was ging denn dann bitte mit "#DIY" ab? Eine Platte, die zehn Tracks hat. Für mich sowieso ein viel besseres Konzept als Alben, deren Trackanzahl sich irgendwo in den mittleren Zwanzigern bewegt. Dass von zehn Tracks dann aber jeder einen ganz eigenen Vibe entwickelt, das Werk soundtechnisch und inhaltlich aber eine dermaßene Stringenz hat, dass im Duden unter dem Begriff "roter Faden" für immer das "#DIY"-Cover prangen sollte, ist nur eines: Trettmann-Level. Sheesh!

Tretti schafft es, zeitgemäßen Sound mit Lyrics zu verbinden, die Gefühle erzeugen ohne kitschig zu wirken. Dazu eine Feature-Auswahl vom Allerfeinsten. Hut ab, Tretti. Im März darf ich dich dann endlich auch live erleben. 

 

#DIY

(null)

Wie ein Lastwagen: Gzuz rollt über das Feature-Game 2017

Auch Gzuz war auf Trettmanns "#DIY". Ein wohlüberlegter Move. Schließlich hat Gazo 2017 noch auf jedem Feature dermaßen geliefert, dass es kaum in Worte zu fassen ist. 2016 schon war Gzuz angetreten, um mal eben einen Beginner-Track an die U30-Generation zu bringen. 2017 war er dann aber in einem ganz anderen Feature-Modus. Ich habe dir hier mal die drei herausgesucht, die mich am meisten geflasht haben:

Im März holte ihn Ufo361 auf den Track "Für die Gang". Herausgekommen ist Ufos grandiose Mumblerap-Adaption, ein grandioses Video, in dem Bonez MC grade dabei war, liebevoll das Lean in die Sprite zu kippen, als Gzuz die Romantik zunichte machte und den Track übernahm. Gzuz hat sich die Tattoos definitiv verdient:

Ufo361 feat. Gzuz - "FÜR DIE GANG" (prod. von Nisionthetrack) [Official HD Video]

Channel abonnieren http://ytb.li/Ufo361 IB3B http://ufo361.fty.li/IchBin3Berliner Social Media http://ufo361.fty.li/social "IB3B" JETZT VORBESTELLEN!! 28.04.2017 ICHBIN3BERLINER!! Eskalation vorprogrammiert: Ufo361 auf großer "Berliner" Tour Tickets: https://krasserstoff.com/tour/157422 20.04. Leipzig, Täubchenthal 21.04. Wien (AT), Flex Halle 22.04. München, Feierwerk (Ausverkauft) 23.04. Zürich (CH), Komplex 24.04. Nürnberg, Z-Bau Halle 25.04. Dortmund, FZW Halle 26.04.

Mitten im Sommer standen Trettmann (Ja, ich weiß, dass ich ihn langsam genug abgefeiert habe) und Gzuz dann plötzlich "knöcheltief im Wasser in den West Indies" und feierten das Leben. In diesen Sommerhit, der vor Leichtigkeit nur so sprüht, brettert der 187er ebenso kompromisslos rein, wie er sein Leben nun mal lebt. Doch wenn wir den Lyrics glauben dürfen, kennt der Hamburger seine Fehler und Schwächen mittlerweile. Feature-Parts gehören definitiv nicht dazu:

TRETTMANN feat. GZUZ - Knöcheltief (prod. KITSCHKRIEG)

Shop & FanBOX: https://www.kitschkrieg.de/shop/ Spotify: http://spoti.fi/2fDP78Z AppleMusic: http://geni.us/TrettmannDIYAM iTunes: http://geni.us/TrettmannDIY Deezer: http://geni.us/DIYDeezer Amazon: http://amzn.to/2v49mmW Google Play: https://goo.gl/sLkAFr CD: http://amzn.to/2x1pbs0 Vinyl: http://bit.ly/2xfjHMj Info: http://phonofile.link/diy "Knöcheltief" wurde aufgenommen im G Shock x Splash! Mag Studio und dem KitschKrieg Studio in Berlin, Kreuzberg. Mastered by SoulForce Mastering: mastering@soul-force.com Cover Artwork und Photos: °awhodat° (KitschKrieg) Ich geh auf Tour, wer kommt ?

Und auch Kalim holte Gzuz auf sein "Thronfolger"-Album, das ich im Übrigen für eins der stärksten Straßenrap-Alben des Jahres halte. Was passt schon besser zusammen als Gzuz und Straßenrap? Dazu ein bisschen die Gang ehren, das Gaspedal des Mercedes durchdrücken und ein paar Flaschen mit dem Team köpfen. Macht einen Mix, der ballert:

KALIM feat. GZUZ & GRINGO - 38 Prod. von David Crates (Official Video)

KALIMS ZWEITE SINGLE ZU SEINEM NEUEN ALBUM „THRONFOLGER"!

2017: Deutschrap redet über S*xismus

Ich sehe ein, dass das Thema S*xismus in meinen persönlichen Highlights unerwartet kommt. Doch ich finde es natürlich nicht gut, dass es S*xismus in der Gesellschaft und im Rap gibt, sondern ich halte es für gut, wenn Rap darüber spricht.

Es wurde in diesem Jahr viel über das Thema geredet. Nicht nur im Rap, aber eben auch im Rap. Dabei geht es nie darum, den Zeigefinger mahnend zu erheben und die Kunst einzuschränken. Vielmehr sollten wir uns damit beschäftigen, warum es S*xismus gibt. Denn erst wenn wir wissen, wieso meist Männer in unserer Gesellschaft in Machtpositionen sind und wieso wir auch 2017 bestimmte Verhaltensweisen noch immer pauschal als männlich bzw. weiblich abstempeln, obwohl wir längst wissen, dass der Mensch deutlich vielfältiger ist, können wir das Thema vernünftig behandeln. Rap ist Teil der Gesellschaft und Gesellschaft lebt durch Entwicklung. Sookee ist da schon etwas weiter:

Sookee - "Queere Tiere"

Das Album "Mortem & Makeup" erscheint am 17.03.2017 über Buback Tonträger.

Und warum das Thema im #metoo-Zeitalter auch Rap betrifft, hat David Molke erst neulich aufgeschrieben:

#MeToo, Sexismus, Rap & Hiphop: Wieso uns das Thema alle angeht

Unter dem Hashtag #MeToo wenden sich Betroffene an die Öffentlichkeit, um deutlich zu machen, dass auch sie zum Ziel sexualisierter Gewalt geworden sind. Die massive Aufmerksamkeit verdankt das Ganze unter anderem der Schauspielerin Alyssa Milano: Sie hat in einem Tweet alle dazu aufgerufen, mit #MeToo zu reagieren, denen es auch so ergangen ist.

 

Battlerap war 2017 manchmal mehr als nur Punchlines und Rhymes

Im Battlerap geht es darum, den Gegner möglichst kreativ zu beleidigen und die eigene Person überhöht darzustellen. Dabei ist alles erlaubt. Es gibt keine Regeln. Nur: je härter, desto besser. Insbesondere das, was auf den Bühnen der großen Battlerap-Events abgeht, passiert im Sinne der Kunstfreiheit. Doch ist diese Freiheit so groß, dass wirklich jede Punchline darunter passt? Notyzze nahm sein Match in der Battlemania Champions League gegen Yarambo zum Anlass, um genau das zu diskutieren. Sind Lines wie "Ich mach' die Führerpose in der Synagoge" noch Kunst, wenn Worte wie "N*gger" zensiert werden und verpönt sind? Notyzze hat dazu eine klare Meinung, die er in einer emotionalen dritten Runde auf den Punkt bringt:

BMCL RAP BATTLE: YARAMBO VS NOTYZZE (BATTLEMANIA CHAMPIONSLEAGUE)

RAP AM MITTWOCH PRÄSENTIERT EUCH DAS BMCL - MATCH: YARAMBO vs. NOTYZZE Yarambo: www.facebook.com/yarambobbaofficial Notyzze: www.facebook.com/Notyzze MODERATION BEN SALOMO https://www.facebook.com/BenSalomo BATTLESCOUTS: CIHAN UND TIERSTAR GREMIUM: Cashisclay, Tobi Nice & Vyrus MIXED MARTIAL BARS! RAP ODER STIRB!

Was Battlerap weit über s*xistische oder antisemitische Lines hinaus leisten kann, bewies Oxxxymiron im Oktober in seiner dritten Runde gegen Dizaster. Nicht dass es schon krass genug wäre, dass er ein gesamtes Match außerhalb seiner Muttersprache bestreitet. Er wird in der letzten Runde auch noch verdammt politisch. Er erzählt von der verbindenden Kraft, die Battlerap entfalten kann. Da steht dann ein Russe jüdischen Glaubens auf der Bühne, um sich mit einem Amerikaner muslimischen Glaubens zu battlen. In weiten Teilen der Welt bekämpfen sich Juden und Moslems bis aufs Blut. Hier wird die Freundin des jeweils anderen beglückt, politischer Realtalk gemacht und am Ende liegen sich beide in den Armen. Gänsehaut:

KOTD - Oxxxymiron (RU) vs Dizaster (USA) | #WDVII

WDVII King Of The Dot Presents : OXXXYMIRON vs DIZASTER Tell us who won with or in the comments section below!

Spätestens nach der letzten Line gibt es aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen.

Der Boy kann es noch!

Money Boy war seiner Zeit immer etwas voraus. Doch es war zuletzt ruhiger geworden um den Boy, der seinen Namen in YSL Know Plug geändert hatte. Die Aufmerksamkeit für die Musik des Wieners drohte etwas nachzulassen. Im letzten Quartal drehte Beezy allerdings nochmal mächtig auf. Anfang November hatten wir bereits eine seriöse Wiedergeburt Money Boys ausgemacht. Da nannte sich Sebastian Meisinger längst wieder Money Boy und hatte mit seinem Track "Monte Carlo" kurz vorher die 1-Million-Views-Marke auf YouTube geknackt. Das war aber auch ein Hit, den Chicho da für den Boy produziert hatte:

Money Boy - Monte Carlo (Offizielles Musikvideo)

YSL Know Plug abonnieren: http://ytb.li/YSLKnowPlug Money Boy - Monte Carlo: http://moneyboy.fty.li/MonteCarlo Merchandise: http://www.gloupdinerogang.com http://www.gloupdinerogang.com Video by Mac Duke Prod.

Wir können uns also drauf freuen, dass der einstige Vorreiter in Sachen absurde Adlibs und Luxusmarken im deutschsprachigen Rapgame wirklich back am been ist. Beezy will schließlich immer den ganzen Cake. Einen ganzheitlichen Blick richtete er dann auch auf das Jahr 2017. Sein gerappter Jahresrückblick hatte alles: Selbstüberhöhung, Realtalk über Drogen, Trendanalysen und einen Flow wie aus 2018. 

Money Boy - Rap Up 2017 (Prod. by Chicho)

http://www.gloupdinerogang.com YSL Know Plug abonnieren: http://ytb.li/YSLKnowPlug „Alles ist Designer" bei Amazon: http://amazn.li/YSLKP-AiD „Alles ist Designer" bei iTunes: http://ituns.li/YSLKP-AiD Merchandise: http://www.gloupdinerogang.com Folgt, liked und besucht YSL Know Plug außerdem in allen Sozialen Netzwerken: YSL Know Plug auf Twitter: https://twitter.com/YSLPlug YSL Know Plug auf Instagram: https://www.instagram.com/therealmoneyboy/ YSL Know Plug auf Snapchat: moneyboygloup YSL Know Plug Shop: http://www.gloupdinerogang.com Wenn euch das Video gefallen hat, gebt einen Daumen hoch dafür, teilt es mit euren Freunden und schreibt eure Meinung in die Kommentare.

Yung Hurn fährt den Arthaus-Film in der Rapszene

"Bianco" Reloaded gab es nicht. RIN ging eigene Wege und dabei ziemlich durch die Decke. Sollte es "Bianco"-Brudi Yung Hurn ihm da gleichtun? Nein. Der entschied sich für einen gänzlich anderen Weg und machte 2017 alles für die Kunst. Dabei haben Projekte wie die "Love Hotel"-EP oder Werbung für die Hurn-Partei nur bedingt Hiphop-Bezug. Dass Yung Hurn allerdings mehr Hiphop ist, als so mancher, der ihm seine Liebe für die Szene absprechen möchte, haben wir erst neulich erklärt. Und mit "Ok Cool" haute er auch einen der ungezwungensten Hits des Sommers raus:

Yung Hurn - Ok Cool (Official Video) (prod. Stickle)

https://livefromearth.lnk.to/YungHurn_okcool Text by Yung Hurn Produced by Stickle Video byTheodor Guelat Animation by Xavier Monney Live From Earth 2017 Ok Cool

Das Video ist natürlich auch 100 % das, wofür Hurn steht. Aus allem was er tut, sagt oder macht, spricht die Kunst. Sein Instagram-Account ist dermaßen abgedreht, dass einem manchmal die Worte fehlen. Ist er jetzt Rapper, Mode-Ikone, Design-Fan oder einfach nur abgedreht auf Endlevel? In erster Linie ist Yung Hurn Künstler. Das muss auch so bleiben. Denn so wie es ist, geht es ihm "GGGut":

Yung Hurn - GGGut (Official Video) (prod. Stickle)

Erstes Album „1220" kommt Frühjahr 2018. Streaming & Download: https://livefromearth.lnk.to/GGGut Text by Yung Hurn Produced by Stickle Video by Live From Earth Vfx by Elias Asisi Live From Earth 2017

Politischer Rap 2017: Antilopen Gang & Zugezogen Maskulin

Jaja, "Politischer Rap ist wig-wiggedy-wack". Nennt es wie ihr wollt, aber ich finde ihn auch 2017 immer noch gut. Rap muss und sollte nicht immer politisch sein und Rap mit erhobenem Zeigefinger möchte schon gar niemand hören. Doch Acts wie die Antilopen Gang und Zugezogen Maskulin haben es dieses Jahr erneut geschafft, politische und gesellschaftliche Analysen und Blickwinkel auf Bars zu packen. Herausgekommen sind zwei Alben, die musikalisch zwar wenig gemein haben, dem allgemeinen Trend, dass Rap weniger auf Inhalte setzt, jedoch entgegen stehen. Und auf diesen beiden Alben sind zwei Songs, die mir besonders im Kopf geblieben sind. Sie haben zwei Gemeinsamkeiten: beide sind keine Singleauskopplung und beide sind aus zwei Perspektiven erzählt.

Der Track "Tindermatch", der auf der "Anarchie und Alltag"-Platte der Antilopen zu hören ist, erzählt zwei Geschichten. Auf der einen Seite steht Dennis Cuspert, der ehemals als Deso Dogg rappte und sich später dem IS anschloss. Auf der anderen Seite Lutz Bachmann, der als einer der Initiatoren der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung gilt. Die Idee des Tracks ist so simpel wie tiefgründig: Die beiden lernen sich über Tinder kennen und stellen fest, dass Nazis und Islamisten, die sich gegenseitig hassen sollten, tatsächlich einige ideologische Überschneidungen aufweisen. Homophobie oder Antisemitismus sind Überzeugungen, die diese zwei rückwärtsgewandten Ideologien verbinden. Hier ein Track, der die politische Komplexität einer Zeit, in der an der Querfront (angeblich) Linke gemeinsame Sache mit Nazis machen, ziemlich pointiert beschreibt:  

Tindermatch

Tindermatch, a song by Antilopen Gang on Spotify

Zugezogen Maskulin widmen sich zwar einem anderen Thema, nehmen allerdings ebenfalls zwei Perspektiven ein und sind nicht minder politisch. Zunächst rappt grim104 von seinem Großvater und seinem Vater, die nach dem Krieg in der ehemaligen BRD lebten, bevor Testo die Perspektive seines Opas und seines Vaters auf Bars packt, die in der DDR wohnten. Beide Systeme werden eingehend beschrieben, kritisiert und verherrlicht. Die Gegenüberstellung zeigt, wie vielfältig der Blick auf beide Systeme aus den verschiedenen Blickwinkeln gewesen ist:

Steine & Draht

Steine & Draht, a song by Zugezogen Maskulin on Spotify


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