Kurz vor der Albumabgabe: Wie Farid Bang Kurdo und Majoe reingelegt hat

Kurdo und Majoe haben sich zusammengeschlossen, um am 15. September ihr Kollaboalbum Blanco zu veröffentlichen. In der neuen #waslos-Folge haben die beiden mit Rooz über den Entstehungsprozess der Platte gesprochen und dabei auch die eine oder andere Anekdote ausgepackt.

Unter anderem berichten die zwei, wie sie Majoes Labelchef Farid Bang acht Tage vor der Abgabe das Album vorspielten – und das ganz anders ablief, als sie zuvor dachten.

"Wir hatten es ihm vorher schonmal gezeigt und da war er eigentlich voll positiv", erzählt Majoe. Bei der zweiten Listening-Session habe sich Farid allerdings merkwürdig verhalten:

"Wir haben die krassesten Lieder gemacht danach, nach der ersten Session. [...] Dann sitzen wir da, Farid kommt rein. Er kommt rein, hört sich die Songs an. Manchmal nickt er mit, manchmal sagt er: 'Kurdo, das könntest du ändern, Majoe, das könntest du ändern.' [...] Danach sagt er: 'Jungs, ich weiß nicht, wieso ihr überhaupt gearbeitet habt.' Wir kriegen einen Schock. Wir arbeiten die ganze Zeit, schwitzen. [...] Er hat uns einfach quasi runtergemacht mit dieser Ansage."

Farids offensichtliche Unzufriedenheit mit dem Album habe dafür gesorgt, dass Kurdo und Majoe erneut ins Studio gingen. "Wir haben acht Tage gearbeitet wie Tiere", erklärt Majoe über diese Zeit.

Am Ende habe sich allerdings herausgestellt, dass der Banger Musik-Chef den beiden lediglich eine kleine Falle gestellt habe. Am letzten Tag vor der Abgabe habe Farid Kurdo angerufen und bloß gemeint: "Sag das nicht Majoe, aber ihr habt ein brutales Album gemacht und ich wollte, dass ihr nochmal richtig Gas gebt."

Farids Ansage habe ausgelöst, dass sie "an jeden Song nochmal selbstkritisch rangegangen" seien, erklärt Majoe. "Hätte er das nicht gemacht, dann wären diese Songs gar nicht entstanden."

Offenbar hat sich Farids kleiner Trick also gelohnt. Die Stelle im Interview gibt's ab Minute 40:23 zu sehen:

Kurdo & Majoe: Geld-Tricks, Irak, "Blanco", Farid Bang, Joznez, Ribéry, Fame uvm (Interview) #waslos

✔ ABONNIEREN: http://bit.ly/HiphopdeAbo ✚ ALLE FOLGEN: http://bit.ly/waslosrooz ► MEHR VON HABEN: http://hiphop.de/haben Freunde, Rooz hat sich mit Kurdo und Majoe getroffen, um mit ihnen über ihr kommendes Release "Blanco" zu sprechen. Entstanden ist ein unterhaltsamer und interessanter Talk über den Irak, Farid Bang, Fußballstar Franck Ribéry, ein mögliches Banger Musik-Signing von Kurdo und vieles mehr.

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Blanco (Ltd.Fan Box)
Datum: 2017-09-15
Verkaufsrang: 20331
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Eine Chronik bekommt Risse: Wohin mit Selfmade Records?

Eine Chronik bekommt Risse: Wohin mit Selfmade Records?

Von Jonas Lindemann am 15.02.2018 - 17:13

Am 1. Dezember vergangenen Jahres schien sich ein Kreis zu schließen. Während Favorite mit "Alternative für Deutschland" auf Rang 15 der deutschen Charts einstieg und somit für die schlechteste Platzierung aus dem Hause Selfmade Records seit Juni 2009 sorgte, veröffentlichten Kollegah und Farid Bang "Jung Brutal Gutaussehend 3". Das Album hatte bereits acht Tage vor Release Goldstatus erreicht und brach etliche Rekorde.

Kollegah und Farid Bang waren es, die mit dem ersten Teil der besagten Kollaboreihe als damals aufstrebende Künstler in eben jenem Juni 2009 auf dem 30. Platz gelandet waren. Seitdem ging es für Selfmade Records lange Zeit nur noch bergauf. Zwischen Februar 2013 und Juli 2016 stürmten neun von zehn Selfmade-Alben an die Spitze der Charts.

Da Selfmade Records wahrscheinlich noch Rechte an "JBG 3" haben, verdient man dort vermutlich an der erfolgreichsten Deutschrap-LP 2017 mit. Allerdings nur im Hintergrund, die Kollaboreihe erschien erstmals nicht über Selfmade. Neben Favorites Album wurde nur Kollegahs "Legacy" herausgebracht. Das Best Of zählte zwar dank der 170 Euro teuren "Gold Award Edition", einem schönen Gimmick für treue Fans, zu den umsatzstärksten Rap-Platten 2017, war jedoch nur eine Auswertung des alten Katalogs. So hatte das Label in der öffentlichen Wahrnehmung im letzten Jahr so wenig mit erfolgreichen Releases zu tun wie schon lange nicht mehr.

Dabei ist es keine zweieinhalb Jahre her, dass man sich als "Label ohne Sägeblatt" zelebrierte. Mit dem Sampler "Chronik III" und einem stattlichen Buch wurde großes Jubiläum gefeiert. "Selfmade Records: Die ersten 10 Jahre von Deutschlands erfolgreichstem HipHop-Label", lautet der Titel des 640 Seiten langen Werkes. Inzwischen stellt sich die Frage, wie viele (erfolgreiche) Jahre noch hinzukommen werden. Der Düsseldorfer Goldschmiede scheint langsam aber sicher das Feuer auszugehen.

Vor allem das Ansehen musste enorm leiden. "Alles Gute, Genetikk" – mehr war zum jüngsten Verlust, den Selfmade verkraften musste, seitens des Labels nicht zu lesen. Darunter häufen sich wieder einmal Kommentare, in denen der Untergang Selfmades prophezeit wird oder schon als besiegelt gilt.

Selfmade Records

Alles Gute, Genetikk

Die knappen Abschiedsworte wirkten genauso sparsam wie die letzte Promophase zu Favs "Alternative für Deutschland". Lange nicht mehr kam eine Albumpromo der früheren Marketing-Maschinerie derart lustlos und reduziert daher. Keine Interviews, keine Blogs, keine besonderen Aktionen und vor allem kein Hype. Das Chart-Ergebnis sprach Bände.

Einen schwierig zu händelnden und quasi dauerhaft abwesenden Künstler wie Favorite nach dem gelungenen Comeback 2015 ein zweites Mal erfolgreich zurückzubringen, scheint auch Selfmade nicht mehr zu schaffen. Es ist fast schon ironisch, dass viele Supporter "Alternative für Deutschland" als Gesamtwerk feierten, die zuvor ausgekoppelten Songs aber teils vernichtendes Feedback erhielten.

Frischer Wind wäre dringend nötig

Die fehlgeschlagene Single-Auswahl passt in das aktuelle Bild, das der Fan von dem Label bekommt. Keines der drei Videos sammelte bislang über 300.000 Klicks. Viele angesagte Newcomer erreichen innerhalb kurzer Zeit mehr. Genau so einer fehlt Selfmade Records schon länger. Ein frischer, hungriger Künstler. Selfmade Records standen nie dafür, einem Hype zu folgen und den angesagtesten Sound der Szene abzubilden. Selfmade Records standen stets für einzigartige Künstler, die alle auf ihre eigene Art technisch versiert sind. Hinzu kam die Bandbreite. Kein anderes Independent-Label hatte ein derartig vielfältiges und zugleich extrem erfolgreiches Roster wie Selfmade.

Frische Künstler signt CEO Elvir Omergebovic inzwischen offenbar lieber bei seinem neuen Label Division, das er 2016 mit den Regisseuren Michael und Markus Weicker von der Videoagentur The Factory gründete. Das Kernteam bilden dieselben Leute wie bei Selfmade. Als erste Amtshandlung wurde RIN unter Vertrag genommen, der einen Karrierestart wie aus dem Bilderbuch hinlegte. Elvir bewies abermals den richtigen Riecher und tat das, was er immer tat: Vielversprechende Rapper in der frühestmöglichen Phase ihrer Karriere zu sich zu holen.

RIN

Riesen Dankeschön an mein Team und meine Bras für das Jahr 2017. Doppel Gold = Ljubav Forvever

Fraglich bleibt, warum solche Artists nicht mehr bei Selfmade, sondern bei einem neu ins Leben gerufenen Label gesignt werden. Das könnte im Fall RIN an der Rolle der Weicker-Brüder liegen – oder an dem von Selfmade 2014 eingegangenen Joint Venture mit Universal. Möglicherweise soll ein neues Signing wie RIN komplett independent aufgebaut werden.

In der Außenwirkung entsteht der Anschein, als entferne sich Elvir schrittweise von Selfmade Records. Kollegah betonte am Ende seiner Selfmade-Zeit immer wieder, dass er sein eigener Manager sei. Bei der letztjährigen 1Live Krone saß Elvir neben seinem neuen Schützling RIN statt bei den 257ers. Vielleicht ein Zufall. Vielleicht, weil die Essener nicht nominiert waren. Vielleicht lässt sich dem Umstand aber auch ein symbolischer Wert beimessen.  

2018 – ein Schlüsseljahr für Selfmade Records?

Auf die großen Jubiläums-Feierlichkeiten folgte 2015 Kollegahs erwartungsgemäß durch die Decke gegangenes "Zuhältertape Vol. 4".  Es sollte sein letztes Soloalbum bei Selfmade Records sein. Wenige Monate später wurde das Ende der Kollegah-Ära bei Selfmade bekannt. Rückblickend lässt sich sagen: Diesen Abgang hat das Label nicht kompensieren können. Was keine Schande ist, wenn das Zugpferd, der erfolgreichste Rapper des Landes, sich verabschiedet. 

Trotzdem war der Schaden nicht in diesem Ausmaß zu erwarten. Mit Genetikk gingen kürzlich die nächsten populären Acts und machen von nun an ihr eigenes Ding: "Danke Selfmade, aber so langsam war die Zeit reif."

2018 könnte somit zu einem Schlüsseljahr für Selfmade Records werden. Sogar zu einer Chance. Mit den 257ers stehen nach wie vor extrem verkaufsstarke Artists unter Vertrag, die insbesondere im Single- und Live-Geschäft lukrativ performen. Zudem leisteten Shneezin und Mike mit ihrer letztjährigen Vertragsverlängerung einen Treueschwur. Das Duo kündigte ebenso ein neues Album für dieses Jahr an wie Karate Andi, der seit seinem Selfmade-Debüt "Turbo" weitestgehend von der Bildfläche verschwand. Rätselhaft ist einmal mehr Favorites Zukunft. Erfüllte er in Form von "Alternative für Deutschland" nur noch seinen Vertrag?

Selfmade Records

257ers verlängern bei Selfmade / „Holz" geht Platin +++ Nach großen Erfolgen im vergangenen Jahr mit den beiden Gold-Singles „Holland" und „Holz", dem Nummer 1 -Album „Mikrokosmos", sowie einer...

Bis dato ist kaum zu erahnen, welche Pläne die interne Führungsriege aus Elvir, Thomas Burkholz und Markus Huber entwickelt haben könnte. Finanziell dürften Selfmade Records dank der zurückliegenden Erfolge keine Probleme haben. Signingtechnisch gab es abgesehen von der Gründung der Production Unit seit Karate Andi keine Neuzugänge. Im November 2016 teaste Elvir einen Artist an. Neuigkeiten dazu folgten anschließend nicht mehr. Ob man damals RIN meinte? Möglich, da Elvir von einem "neuen Projekt" sprach.

Eventuell ahnte man 2014, dass bald der Höhepunkt erreicht würde und ging dementsprechend die Kooperation mit Universal ein. Jedes Produkt hat seinen Zyklus. Ähnlich lief es bei Aggro Berlin, das allerdings nicht einmal zwei Jahre nach dem Universal-Deal die Pforten schloss.

Es würde profitabel sein, fortan wie im Falle von "Legacy" den alten Katalog auszuwerten und parallel weiterhin die 257ers an Bord zu haben. Lediglich aus Fan-Sicht wäre es schade um das legendäre Label, sollte so Selfmades Zukunft aussehen. Hat man andere Ambitionen, scheint eine Roster-Erweiterung unausweichlich. Außerdem sollte sich das Label wieder mehr als verschworenes Kollektiv präsentieren. In jedem Fall muss ein Momentum geschaffen werden, um den Glanz gar nicht allzu alter Tage nicht gänzlich zu verlieren.


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