Der Echo & "JGB 3": Manuellsen und PA Sports geben Statements ab

UPDATE: Mittlerweile hat sich der nächste Echo-Gewinner von der Preisverleihung distanziert. Klaus Voormann, der als "Fünfter Beatle" gilt und mit dem Echo für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, gibt den Preis zurück. Wie unter anderem Spiegel Online berichtet, erklärt er, der Preis habe "sich als große Enttäuschung entpuppt". Nach reiflicher Überlegung und der Auseinandersetzung mit "JBG 3" sei er zu diesem Schluss gekommen. Die Grenze zu menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Äußerungen und Taten dürfe nicht überschritten werden.

"Was muss passieren, dass ein Echo-Ethikrat Konsequenzen ergreift und eine Nominierung trotz Megaumsätzen eines Albums aus ethischen Gründen ablehnt?"

Ursprüngliche Meldung:

Zum Echo, der Farid Bang-Line auf "JBG 3" und dem ganzen Rest haben sich mittlerweile selbst die AfD sowie die Geissens geäußert. Die "Nachwuchskünstler des Jahres"-Gewinner beim Echo Klassik 2017 (das Notos Quartett) wollen ihren Preis jetzt sogar zurückgeben. Aber auch aus der Rapwelt trudeln immer noch neue Statements ein, zuletzt von Ben Salomo. Jetzt äußern sich auch PA Sports und Manuellsen zum Echo 2018.

Manuellsen gibt zu Protokoll, dass Verbote und der Index noch nie eine Lösung gebracht hätten. Hiphop sei nun mal die Musikrichtung, in der sich aktuelle Missstände der Gesellschaft am ehrlichsten und authentischsten spiegeln "sollten".

Manuellsen

In dieser musikbranche ist denken was man sagt, besser als sagen was man denkt, egal ob recht oder unrecht, wobei hiphop doch die ehrlichste und authentischste form der musik sein „sollte" !!! Die...

PA Sports regt sich über das Notos Quartett auf und kommt zu dem Schluss, dass Rap in weiten Teilen der Gesellschaft einfach nicht gern gesehen sei.

"Ob bei 'JBG 3', ob bei der 187 Strassenbande, ob vor einigen Jahren bei einem Bushido ... Immer wieder probieren irgendwelche Menschen, die mit unserer Kultur nichts am Hut haben, unsere Inhalte zu analysieren, um uns an den Pranger zu stellen. Aber nicht, weil es hier wirklich um den Inhalt geht, sondern einfach nur, weil euch die Attitüde von dem, was wir verkörpern, nicht passt."

Pa Sports

So ... Ich hab mich die ganze Zeit zu nichts geäußert weil ich nicht der 140. sein wollte der auf den Echo-Zug aufspringen muss, um IRGENDEINE Meinung kund zu tun und ich denke auch nicht, dass das...

In dem Facebook-Statement des Notos Quartetts heißt es unter anderem:

"Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar. Über die Entscheidung der Verantwortlichen, antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen, sind wir zutiefst erschüttert. Daher möchten wir uns von unserer Auszeichnung mit dem ECHO entschieden distanzieren und geben hiermit den Preis zurück."

Notos Quartett

Die Auszeichnung mit dem ECHO KLASSIK 2017 als Nachwuchskünstler des Jahres hatte uns sehr gefreut. Bis vor kurzem war der ECHO in unseren Augen der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands....

Ben Salomo will sich aus der deutschen Rapszene zurückziehen

Ben Salomo äußert sich in einem neuen Interview mit der Berliner Morgenpost zur aktuellen Antisemitismus-Debatte. Der "Rap am Mittwoch"-Organisator gibt dabei bekannt, dass er sich aus der deutschen Rapszene zurückziehen will. Das habe unter anderem den Grund, dass er sich als Jude in der deutschen Rapszene nicht mehr wohl fühle.

Empörung über Preis für Kollegah & Farid Bang: ECHO-Veranstalter zieht Konsequenzen

Die diesjährige ECHO-Verleihung stand ganz im Zeichen von Kollegah und Farid Bang - und der Empörung vieler, die die beiden für nicht preiswürdig hielten. Nachdem das "JBG"-Team vergangenen Donnerstag schließlich ausgezeichnet wurde und noch während der Veranstaltung mit Toten Hosen-Sänger Campino aneinander geriet, kündigte der Bundesverband Musikindustrie nun Konsequenzen an.

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Kommentare

Zitat PA Sports: "Diese Gesellschaft hasst einfach HipHop ... ."
Genau, deswegen ist JBG3 auch Platin gegangen... Ich höre immer nur Verteidigungshaltung und Aussagen wie "Rap ist nicht angekommen in der Gesellschaft", "die verstehen UNS ja nicht". Bla bla bla. Hiphop ist absoluter Mainstream. Wirklich nichts besonderes mehr und in keinster Weise revolutionär.
Und nur weil die Kritik von außen, den ach so bösen "Mainstream-Medien" kommt, muss sie nicht falsch sein.

Songzitate aus dem Kontext gerissen?(den "Gesamtontext", bezogen auf die line über die jeder aktuell redet, soll mir mal einer erklären..)
beim böhmermanngedicht oder anderen Karikaturen hört der spass auf?nicht wahr:),war ja nur battlerap lol
was für eine kollektive Heuchelei in der "hip hop" Szene
am ende des Tages geht es doch nur um eins, money ;)
und da hat der KOLLEge mehr mit seinen Feinden gemeinsam als er es sagt und bestimmt auch weiß

campino hoert bestimmt nur friedefreudeeicherkuchenrap

Bloss nicht mal auf sich oder die eigene Szene schauen. Schuld sind immer die Anderen. Das scheint bei fast Allen der Fall zu sein in ihrer verblendeten Rapwelt... wacht mal auf und werdet erwachsen, ihr seid keine 16 mehr! Ihr tragt Verantwortung mit dem was ihr äussert und solltet dankbarer sein, dass ihr das Glück habt, dass die Leute eure Musik zur Zeit (!) hören!

Was pa damit meinte ist wohl eher das die neuen generationen hiphop feiern aber die älteren es hassen und das ist fakt wen man sieht auf wie vielen öfentlichen radio sendern deutscher hihop gespielt wird auserhalb der paar ausnahmekünstlern.

Um es mal aufs Wesentliche zu reduzieren: dem Großteil der Szene geht es nicht darum auf "Missstände aufmerksam zu machen", sondern eher darum die relativ junge Zielgruppe mit provokanten Texten abzuholen. Ich kann mich den, erstaunlicherweise geistreichen, Kommentaren der Vorredner nur anschließen...das Money bestimmt die Rapszene...keine Ahnung warum sich PA, der seine meisten Tracks mit sinnlosen Zweckreimen füllt, anmaßt von einer Kultur zu sprechen. Okay, wenn du mit Kultur Shishabars, schnelle Autos, Drogen und ***istische und homophobe Text meinst, dann jo. Er soll doch bitte mal erklären welche Werte derzeit im Deutschrap existieren. Sobald irgendwas von außen kritisiert wird, nehmen alle Betroffenen direkt eine Angriffshaltung ein...sogar Rooz kommt mit dem Argument, Campino sei doch schon Ü50 und Millionär und redet davon. Ja und? Hat einer in diesem Alter und mit diesem Kontostand denn kein Recht darauf aufmerksam zu machen?

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Wieso Helene Fischers "Echo"-Kritik wertlos ist

Wieso Helene Fischers "Echo"-Kritik wertlos ist

Von Karo Hellmich am 20.04.2018 - 15:40

Die 17-fache Echo-Gewinnerin Helene Fischer hat auf Facebook ein Statement veröffentlicht. Darin äußert sie sich zur Debatte um den Echo-Gewinn von Kollegah und Farid Bang, nennt den Auftritt der beiden "beschämend" und "unangemessen" und ruft ihre Fans dazu auf, die "Stimme zu erheben". Eine Stellungnahme, die unterm Strich wertlos ist.

Zunächst mal hat Helene Fischer natürlich Recht, wenn sie sagt, dass "Werte wie Menschlichkeit, Toleranz, Respekt und Gewaltfreiheit" an oberster Stelle stehen, dass die Hautfarbe egal sein muss und dass der "respektvolle Umgang mit Menschen" für ein friedliches Miteinander unerlässlich ist. Das mag alles etwas blumig formuliert sein, bis hierhin will man der Schlagersängerin aber gerne zustimmen. In ihrem Statement äußert sie schließlich:

"Ich möchte euch sagen, wie unangemessen und beschämend ich es fand, die beiden bei der Preisverleihung auf der Bühne in dieser Art 'performen' zu sehen. Den ECHO zu gewinnen ist vielleicht das eine, die beiden dort auch noch auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend. Schade, dass durch diese Provokation so viel Promotion entsteht – auch jetzt wieder, wenn ich diese Zeilen schreibe. Nicht nur, dass man ihren gewaltverherrlichenden, antisemitischen, homophoben und frauenverachtenden Texten ein Podium geboten hat … auch die Bedeutung des ECHO ist somit komplett in den Hintergrund geraten und von den Negativ-Berichten überlagert worden. Ich hoffe sehr, dass alle Verantwortlichen die Umsetzung des ECHO überdenken, denn für mich wurde in diesem Jahr eine ethische Grenze klar überschritten. Trotzdem ist dieser Musikpreis (vielleicht auch: war) ein Publikumspreis, auf den man über die vielen Jahre auch stolz sein konnte."

Es steht außer Frage, dass man über kritische Textzeilen sprechen muss, sie natürlich auch anprangern darf und sollte. Was Helene Fischer hier aber eigentlich sagt, ist: Man hätte Kollegah und Farid Bang vom Echo ausschließen sollen, weil sie hier nicht hingehören. Dabei spricht Helene Fischer stellvertretend für eine Musikindustrie, deren extrem unpolitisches Aushängeschild sie selbst ist.

Sie gesteht das in ihrem Statement sogar ein: "Es ist eigentlich nicht meine Art mich auf diese Weise öffentlich zu äußern" und "meine Sprache war immer die Sprache der Musik". Nur, dass ihre Musik leider so aussagekräftig ist wie ein Stein. In der Vergangenheit hatten immer wieder Künstler, unter anderem Campino und Udo Lindenberg, von der Sängerin gefordert, sich politisch gegen rechtes Gedankengut zu positionieren.

Die Stellungnahme der Echo-Rekordhalterin kommt nun eine ganze Woche nach dem Auftritt des "JBG"-Teams, nachdem sich bereits diverse Künstler geäußert und zum Teil ihre Preise zurückgegeben haben. Der öffentliche Druck, der auf ihr lastete, hat die Sängerin nun offenbar dazu bewegt, in den allgemeinen Kanon einzustimmen. Einen Anstoß gab sie dabei aber nicht.

Helene Fischer war auf den "Publikumspreis" Echo viele Jahre stolz – weil sie fast 3 Millionen Einheiten von ihrem Album "Farbenspiel" verkauft hat und dafür ausgezeichnet wurde. Die Bedeutung des Echos gerate aber "komplett in den Hintergrund", wenn zwei kontroverse Rapper mit einem Preis ausgezeichnet werden, die in ihrem Genre eben am meisten Einheiten verkauft haben. Das riecht leider nach Doppelmoral.

Dass die Sängerin, die 2014 übrigens selbst die Echo-Verleihung moderierte, am Ende ihres Statements dann "all den Anhängern dieser Musik [...] Licht und Liebe" schickt, verdeutlicht ein weiteres Mal, warum ihre Aussagen wertlos bleiben, verpuffen. Sie schaffen keinen Dialog, sondern stempeln Rapper und Rap-Hörer gleichermaßen als unreflektiert und voll von Hass und Gewalt ab.

Helene Fischer

Ihr Lieben, ich möchte mich heute mit diesem Post an euch wenden und zum ersten Mal die sozialen Medien dafür nutzen, um mein angebliches "Schweigen zu brechen" und um ein paar Dinge ein für alle...


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