Wie die Antilopen Gang die rechte FPÖ auf den Plan ruft

Am 9. und 10. Juni finden in Linz die Bubbledays statt. Auf dem seit 2012 existierenden Hafenfest tritt in diesem Jahr die Antilopen Gang auf. Doch das scheint der mindestens rechtspopulistischen Partei FPÖ nicht zu gefallen.

So berichtet es jedenfalls die rechtskonservative Zeitung Wochenblick. Unter der reißerischen Überschrift "Linksradikale Hass-Band tritt mitten in Linz auf!" zitiert sie einen Lokalpolitiker der FPÖ, der sich gegen den Auftritt der Antilopen Gang wehrt. Das Festival sei schließlich durch Gemeindegelder mitfinanziert und eine solche Band passe nicht in die "allgemeinen Förderungsrichtlinien" der Stadt. Soso.

Doch der Autor des Artikels scheint ebenfalls kein echter Antilopen Gang-Fanboy zu sein. Zumindest versucht er krampfhaft zu belegen, dass der Auftritt tatsächlich nicht zu vermitteln sei. Dazu zieht er zunächst ein Interview der Kollegen von musikexpress.de heran, in dem Danger Dan sich als linksradikal bezeichnet, zitiert dann aus dem Song Baggersee und kritisiert obendrein die Kleiderwahl der Gang. So weit, so diskussionswürdig!

Doch dann hat sich tatsächlich ein Recherchefehler in den Artikel geschlichen. Denn angeblich linksradikale Hörer der Gang haben aufgedeckt, dass die Lopis auf ihrem Track Outlaws nicht "Deutschland muss sterben" rappen, wie im Artikel behauptet wird. Tatsächlich heißt es "Deutschrap muss sterben" und es handelt sich um einen Verweis auf die Punkband Slime, bei der es tatsächlich hieß "Deutschland muss sterben, damit wir leben können".  Schinbar deutlich zu kompliziert für das stark vereinfachende Denken der FPÖ.

Am Ende hat der Wochenblick tatsächlich einfach nur gute PR für den Auftritt der Antilopen gemacht. Oder wie Danger Dan auf Fiasko rappt: "Doch ihr Trottel findet ja wirklich in jeder Scheiße noch irgendwelche popkulturellen Querverweise". Selten war der Titel des Tracks bezeichnender.

Und natürlich wären Panik Panzer, Danger Dan und Koljah nicht die Antilopen Gang, wenn sie sich auf Facebook nicht in ihrem eigenen Style darüber lustig machen würden.

Linksradikale Hass-Band tritt mitten in Linz auf!

Bei den "Bubbledays" tritt eine extremistisch linke Hip-Hop Band auf, die in ihren Texten Gewalt verherrlicht, eine "Atombombe auf Deutschland" werfen will.

Jetzt abonnieren!

Erhalte regelmäßig eine Email mit neuer Musik. 
Egal ob alles, nur Deutschrap, nur US-Rap - ganz wie du wünschst!

Jetzt abonnieren ...

Deutschrap, Diese!


Filtr ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Kunst gegen Hetze: Wie ein Berliner Kollektiv die AfD entlarvt
AfD

Kunst gegen Hetze: Wie ein Berliner Kollektiv die AfD entlarvt

Von David Büchler am 07.12.2017 - 14:04

Anfang September hat der AfD-Politiker Alexander Gauland eine Rede gehalten, in der er forderte, dass die Deutschen endlich stolz auf die Leistungen der Wehrmachtssoldaten in zwei Weltkriegen sein sollten. Das nahm das Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder nun zum Anlass, vor der AfD-Parteizentrale in Berlin sogenannte Stolpersteine im Gehweg zu platzieren, die an verstorbene Wehrmachtssoldaten und ihre Verbrechen im zweiten Weltkrieg erinnern sollen. Die Aktion nennen sie Identität braucht Erinnerung.

Bereits im September hatte es hitzige Diskussionen um Gaulands Auftritt gegeben. Doch er ist nicht der einzige AfD-Politiker, der sich öffentlich dafür aussprach, die deutschen Verbrechen im zweiten Weltkrieg doch endlich zu vergessen. Auch sein Kollege Höcke hatte sich für eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" ausgesprochen. Insbesondere in Zeiten, in denen in Deutschland Debatten um den Umgang mit Geflüchteten den Diskurs bestimmen und es immer wieder zu rechter Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten oder politisch Andersdenkende kommt, zeigen die Forderungen, welche politischen Ziele die AfD verfolgt. 

Genau darauf sollte die Kunstaktion der Berliner Gruppe aufmerksam machen. Sie hoben Gehwegplatten aus und ersetzten sie durch Stolpersteine.  Auf denen ist der Name eines verstorbenen Wehrmachtssoldaten zu sehen und die Zahl der Toten, für die er verantwortlich war: 

 

Die eigentliche Idee der sogenannten Stolpersteine stammt von dem Künstler Gunter Demnig, der damit seit 1992 an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. In verschiedenen Städten Deutschlands und Europas erinnern die kleinen Steine, die ebenfalls in den Gehweg eingelassen sind, an die deutschen Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus. Mittlerweise existieren rund 61.000 Steine und bilden damit das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Rocco und seine Brüder drehten die Logik der Stolpersteine nun um. So soll die Bedeutung der Worte von Höcke oder Gauland klar werden. Denn wer fordert, dass Deutsche auf die Leistungen von Personen stolz sein sollen, die tausende Menschen in den Tod trieben, der kann seine menschenfeindliche Haltung nicht mehr leugnen. 

Doch das Berliner Künstlerkollektiv dreht nicht immer am ganz großen zeitgeschichtlichen Rad. So führten sie im vergangenen Jahr beispielsweise eine Aktion durch, in der sie ein geheimes Schlafzimmer in einem U-Bahn-Schacht einrichteten. Die Aktion Secret Bedroom Discovered wurde auch medial aufgegriffen. Ein anderes Mal statteten sie einen U-Bahn-Wagon mit dutzenden Kamera-Attrappen aus, um auf die Gefahr einer stetigen Überwachung des öffentlichen Raumes hinzuweisen und nannten die Aktion CCTV. Die Intention hinter den Aktionen ist es, sozialkritische Inhalte kreativ in den öffentlichen Raum zu bringen. 

 


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (11 Kommentare)
Register Now!