Einfach 11 böse Bretter aus Frankreich anno 2017 | Hiphop.de

Einfach 11 böse Bretter aus Frankreich anno 2017

Django - Fable

Besonders viel weiß man noch nicht über diesen Django – seit PNL ist es ziemlich angesagt, sich rar und vielleicht ein bisschen geheimnisvoll zu machen. Ist ja nicht verkehrt, wenn dadurch so grandiose Rap-Musik wie hier in den Fokus rückt.

Auf einem eigenen Instrumental flext der Pariser so ziemlich alles weg, was du in letzter Zeit gehört hast. Der Beat ist dabei ähnlich minimalistisch wie das Video – Kunst muss eben nicht teuer sein. Neben Hayce Lemsi oder Sofiane in Zukunft womöglich eine der besten Adressen für aberwitzige Flow-Passagen.

Ein Django-Release gibt es noch nicht und seit Fable im Mai gab es auch keinen neuen Song mehr. Wenn kommt, dann kommt.

Disiz La Peste - L.U.T.T.E

Für sein neuestes Album Pacifique hat der mit 39 Jahren schon relativ alte Hase Disiz wieder seinen ursprünglichen Künstlernamen ausgegraben. Mit der Musik aus der ersten Hälfte der 00er-Jahre hat die LP trotzdem nicht viel gemeinsam.

Auf Pacifique (Stream) setzt Disiz La Peste wie einige teils 20 Jahre jüngere Kollegen auf elektronischen Sound, verträumte Melodien und benutzt EDM-Elemente für musikalische Akzente. Das ist an vielen Stellen schön und gut, aber L.U.T.T.E sticht durch seine Atmosphäre aus dem Werk heraus. Nach ungelogen 0:01 Minuten hatte der Song mich schon abgeholt.

Ähnlich wie bei S.Pri Noir haben wir hier ein Instrumental mit Progress – diese herrlich verzerrten Bässe bleiben einem zum Glück bis zum Ende erhalten.

Di-Meh - Size

L.U.T.T.E ist alles andere als eine Ausnahme. Die ersten Sekunden geben oft schon Aufschluss darüber, welchen Film ein Künstler fährt und ob dieser Film feierbar ist. Mit einem schrägen Tröten-Sample, verzerrtem Autotune-Gelalle und energiegeladenen Adlibs macht Di-Meh von der Genfer Superwak Clique direkt am Anfang von Size einiges richtig.

Mit seinen technischen Spielereien – sowohl beim Sound und der Stimmbearbeitung als auch im Video – und der futuristisch-verballerten Art trifft der Style den aktuellen Zeitgeist der Rap-Welt und bleibt gleichzeitig sehr eigen. Saustabile Turnup-Mucke, wie wir beim Openair Frauenfeld beobachten konnten.

Caballero & JeanJass - On est haut

Caballero, der ursprünglich aus Barcelona stammt, und sein Kollege JeanJass haben es mir besonders schwer gemacht. Es wären auch einige andere Songs für diese Liste in Frage gekommen.

Die beiden werden wie Hamza, Roméo Elvis und allen voran der Überflieger Damso zu einer neuen Welle belgischer Künstler gezählt, die in den letzten Jahren in der französischen Rapszene Fuß fassen konnten.

Vollkommen zu Recht! Ihr diesjähriges Album Double Hélice 2 (Stream) war für mich persönlich ein Highlight der Releases, die ich mitbekommen habe. Die Platte ist modern, man hört eine gewisse Lockerheit und Lebensfreude heraus und die Jungs haben ein nicht zu überhörendes Gespür für Adlibs und Hooks, die auch bei fremdsprachigen Hörern hängenbleiben. Gönn dir, ist gut!

Alonzo ft. MHD - Feu d'artifice

Wenn jemand einen neuen Trend kreiert, der dann extrem erfolgreich wird, springen oft viele Mitläufer auf den Zug auf. Aktuell sieht man: es funktioniert. Von sämtlichen (Deutsch-)Rap-Artists scheinen die karibisch und/oder afrikanisch angehauchten Partysongs am besten zu laufen. Ihm hier verdanken sie das – MHD ist Afro Traps Zugpferd.

Für seine 100%-Single Feu d'artifice hat Alonzo, der in den letzten Jahren Gold und Platin für seine beiden letzten Alben feiern konnte, sich die Dienste des jungen Pariser Shootingstars gesichert. Traditionelle Elemente aus der Heimat der Eltern treffen auf rollende Bässe und Bläser, die einen auf die Tanzfläche peitschen. Dazu spielt Alonzo gekonnt mit Tempo und Flow.

Ja, man kann Trends schnell kaputt machen. Man kann aber auch das beste draus machen und sich die Schokostückchen herauspicken (eigentlich ja Rosinen, aber Rosinen sind ekelhaft). Ganz ohne Grund bekommt kein Trend einen Hype.

Sianna - Sur la tête de Marine Le Pen

Kleine Zugabe, die kein eigenständiger Song mit neuem Beat ist. Auch wenn Sianna dieses Jahr ihr neues Album Diamant noir veröffentlicht hat, ist dieser Freestyle aus Russ' Do It Myself-Instrumental ein absolutes Highlight: DAS IST FLOW!

Viel mehr will ich gar nicht sagen. Dieser Artikel deckt nicht ansatzweise alles ab, was in 2017 in der französischsprachigen Szene feierbar war. Check das Album von Alkpote und DJ Weedim, check Niro, check Sofiane und gönn dir unbedingt Damso, wenn es auch mal etwas Ruhigeres sein darf!

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Deutschrap, Diese!


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Kommentare

Sehr guter Beitrag Clark! Wünsche mir mehr solche Artikel über FranzRap. Mach weiter so

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