MHD-Mixtape, Afrotrap, Niska & mehr: Rap-Français-Rundumschlag Woche 27

Ein Sommerloch in Frankreichs Rap Game? Kannst du vergessen! Auch in den wärmeren Monaten werden die französischsprachigen Rapper nicht müde und versorgen ihr Publikum mit frischen Tracks und Alben. Klick dich durch und gib uns ein Signal, wenn du etwas besonders feierst.

Singles & Videos der Woche

AM - Histoire de

Der Newcomer AM durfte auf dem letzten Lacrim-Album Force et Honneur (Stream) seinen eigenen Song Histoire de platzieren. Nun gibt es diesen auch in Videoform auf dem Kanal von Lacrim zu sehen, was dem Clip mal eben über eine Million Klicks verschafft hat. Neben der Reichweite Lacrims wird aber auch der Song selber viele überzeugt haben, denn AM liefert auf einem Reggaeton-lastigen Beat starke Flows und eine Ohrwum-Hook, welche du nicht so schnell wieder los wirst.

Scylla - Le fantôme sous les toits

Dancehall und Trap sind musikalische Einflüsse, mit welchen Scylla nicht wirklich viel zu tun hat – der talentierte Lyriker fährt seit Jahren eine eigene Schiene. Seine meist deepen und melancholischen Tracks werden von Fans sehr geschätzt und sind ein willkommenes Kontrastprogramm zum aktuellen (Rap-)Mainstream in Frankreich. Das Musikvideo zu Le fantôme sous les toits ist gespickt mit Live-Aufnahmen und sorgt für den ein oder anderen Gänsehautmoment.

MRC - Oh

Oh ist die erste Hörprobe des nächsten MRC-Projekt. Der Reimschmied mit türkischen Vorfahren spittet auf einem chilligen Trap-Instrumental, während Cedrick Cayla den visuellen Part übernimmt. Ab dem 7. Oktober wird die ganze Platte zu hören sein.

Hamza - Godzilla

Nachdem der Belgier Hamza sich durch zwei Gastauftritte auf KC Rebells und Summer Cems Kollaboalbum Maximum auch in Deutschland einen Namen gemacht hat, droppt er nun mit Godzilla eine brandneue Single der Extraklasse. Der "europäische Young Thug", wie er von manchen genannt wird, punktet durch sehr viel Feingefühl und Style.

Niska - Réseaux

Seit seinem Durchbruch 2015 haut Niska konstant qualitativ hochwertige Musik raus und sein neuer Song Réseaux stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Der 27-Jährige hat offenbar die perfekte Mischung aus Flowpassagen, Gesangseinlagen, Autotune und Gebrüll gefunden. Genau das hat ihm einen ordentlichen Hype eingebracht, ein Gold-Album (Zifukoro, 2016) und jetzt über vier Millionen Klicks in vier Tagen. Dass er dabei von einem grandiosen Beat von Pyroman profitiert, macht den Song in Kombination mit dem Video zu einem richtigen Hit. Zu Recht holt das Hype Festival mit Niska einen der heißesten französischen Acts im August nach Oberhausen (mehr Infos).

Canardo - Fantasme

Der Bruder von La Fouine veröffentlicht mit Fantasme seinen ersten Song in der laufenden Spielzeit. Canardo rappt und singt auf einem ruhigeren Instrumental, während die Strandszenerie im Video dem Ganzen eine sehr entspannende Atmosphäre verleiht. Während sein Bruder derzeit eher hartes Brot essen muss, werden wir vielleicht in Zukunft mehr Musik von Canardo hören.

Haristone - Sanji

Haristone liefert uns mit Sanji einen brandneuen Track. Sanji ist ein Charakter aus dem Anime One Piece, der Koch, Kämpfer und ein hoffnungsloser Frauenheld gleichzeitig ist. Das erklärt auch ein bisschen, warum der Rapper im Video in einer Küche spittet. Auf einem smoothem Beat von Diisnox überzeugt Haristone mit vielen verschiedenen Flows und passenden Gesangseinlagen.

Mac Tyer ft. KeBlack - Fais-les danser

Aus dem 21 Track starken Mixtape Banger 3 (Stream) liefert Mac Tyer im Nachhinein nun das Musikvideo zum Club-Hit Fais-les danser (deutsch: lass sie tanzen). Für den Song surfen Mac Tyer und KeBlack konsequent die Afrotrap-Welle und wollen damit passend zum Titel die Tanzfläche erobern. Wer MHD feiert, kommt auch hier auf seine Kosten.

D.I.V - La Cité De Dieu

Mit knapp 15.000 Klicks auf YouTube ist La Cité De Dieu unser Geheimtipp der Woche. Dich erwartet ein aggressiver Streetbanger von D.I.V und ein Musikvideo, welches über den alltäglichen Struggle auf der Straße berichtet. Veröffentlicht wurde das ganze über Daymolition.

Release Section

MHD - Afrotrap Volume 1

MHD veröffentlicht in Zusammenarbeit mit diversen Künstlern und Produzenten das Mixtape Afrotrap Volume 1. Er selbst tritt nur im Intro Afro Trap Part. 9 (Faut Les Wet) in Erscheinung, die restlichen Künstler auf dem Tape sind eine Ansammlung etablierter Künstler wie Lartiste, Sarkodie, Barack Adama oder Sidiki Diabaté, gemischt mit vielen Newcomern, für die ein solches Release natürlich eine tolle Plattform ist. Die Sound- und Stilrichtung ist bereits durch den Titel vorgegeben: Hier gibt es gute Laune Musik mit vielen afrikanischen Einflüssen. Hier geht's zum Stream:

MHD, Various Artists - Afrotrap Volume 1

Der Hype dauert an und so ist es ein logischer Move,
Sommermusik mitten im Sommer auf die Leute loszulassen. Paw! Paw! Paw! Paw!

Mehr neue Musik

Guirri Mafia - Bafé (Danse de la panthère): https://www.youtube.com/watch?v=Hhce8Uss1jw

I2H - Netflix: https://www.youtube.com/watch?v=HAqsoDVLFUk

Flem X Eden Dillinger - Jésus Sur La Croix: https://www.youtube.com/watch?v=R-GYOz6XndM

Jipax - La Concu: https://www.youtube.com/watch?v=zw-9Xygf0Ho

Naza - MMM: https://www.youtube.com/watch?v=Tqr52FpLDRU

Junior Bvndo - No love: https://www.youtube.com/watch?v=uFy2x5V_9So

PPROS - Demago: https://www.youtube.com/watch?v=wraqg0PueAM

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Rap Français 2017: Die größten Alben des Jahres (und 3 gute Tipps)

Rap Français 2017: Die größten Alben des Jahres (und 3 gute Tipps)

Von Gian-Andrea Gottini am 31.01.2018 - 15:07

2017 war für französischsprachigen Rap ein extrem starkes Jahr. Viele Stars konnten mit ihren Releases überzeugen und unzählige Newcomer machten sich einen Namen in der Szene, wodurch sie nun die perfekte Basis haben, um dieses Jahr so richtig durchzustarten. Falls du völlig neu im Rap Game Frankreichs bist und direkt mit der Crème de la Crème einsteigen willst, haben wir hier fünf der wichtigsten Alben vergangenen Jahres für dich unter die Lupe genommen. Am Ende widmen wir uns noch drei Platten, die nicht von den ganz Großen kommen und unserer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdienen. Amusez-vous bien!

Damso - Ipséité

Wenn ein Album in dieser Liste unter keinen Umständen fehlen darf, dann ist es Damsos “Ipséité”. Karten auf den Tisch: Platin? Check! Streaming-Rekorde auf Spotify? Check! Sechs Wochen auf der Eins der französischen Albumcharts? Check!

“Ipséité” kommt mit eingängigen Ohrwurm-Hooks à la “Macarena”, aber auch harten Lyrics wie auf “Je Respecte R”, wo die fiktive Zielscheibe nicht nur von Damso selbst, sondern auch von seiner Großmutter gebattlet wird. Der Belgier hat sich spätestens mit diesem Album in die Herzen der Szene gerappt und geträllert und ein (voraussichtlich) zeitloses Meisterwerk auf die Beine gestellt, auf welchem er seinen ganz persönlichen Style perfektioniert hat.

Damso und sein Team picken aktuelle Elemente wie die omnipräsenten 808-Bässe oder Hi-Hat-Gewitter und ergänzen diese vermehrt mit akustischen und natürlichen Klängen. So gelingt es dem Sound, modern zu klingen, sich aber trotzdem vom Mainstream abzuheben. Das ist meistens sehr smooth, melodisch und kontrolliert. Aber man spürt immer die unterschwellige Gewalt, die irgendwo tief unten in Damso schlummert.

Bereits im Juni, als der Damso-Hype rund um “Ipséité” auf seinem Höhepunkt war, haben wir die bisherige Karriere des belgischen Riesen genauer beleuchtet (hier erfährst du mehr). Und dieser Hype darf gerne bald wieder überkochen, wenn es nach den Fans geht: Nachdem Damso in kürzerer Vergangenheit Features auf diversen erfolgreichen Alben (u.a. von Kalash, Booba und Lacrim) platzierte, warten wir gespannt auf den Nachfolger von “Ipséité”.

Sofiane - Bandit Saleté

Sofiane droppte zu einem früheren Zeitpunkt letzten Jahres bereits das starke Album “JesuispasséchezSo”, welches ohne Weiteres auch in dieser Liste aufgeführt werden könnte. Die Aufmerksamkeit der Szene hatte der 31-Jährige mit algerischen Wurzeln ohnehin schon auf seiner Seite. Spätestens mit der Videosingle “Toka” gab es für seine Anhänger kein Halten mehr:

Für den Videodreh blockierte Fianso zusammen mit seinen bösen Jungs kurzerhand eine französische Autobahn. Nach dieser Aktion, die einen Großeinsatz der Polizei mit sich zog, hatte der Rapper noch mehr als zuvor alle Augen auf sich gerichtet und lieferte anschließend mit “Bandit Saleté” ordentlich ab. Mit Tracks wie etwa “Mon p’tit loup” oder auch “Poto” zeigte Fianso erneut, dass er die Radio-Hits verstanden hat. Aber auch der Reibeisen-in-die-Fresse-Style wird mit “Le Cercle”, “Marion Maréchal” und eben “Toka” bedient.

Sofiane hat sich mit seinen zwei dicken Alben 2017 einen Namen bis weit über die Landesgrenze gemacht und sich wohl endgültig in der Top-Riege der französischen Szene festgebissen. Erst letzte Woche legte er schon nach und brachte auf “Affranchis” wieder alle Facetten seines Schaffens zur Geltung. Bei kaum einem anderen Rapper liegen augenscheinliche musikalische Widersprüche so nah beieinander wie bei Fianso.

Booba - Trône

Booba ruht sich nach wie vor nicht auf seinen Lorbeeren aus 20 Jahren Rap aus. Obwohl eine Ikone seines Formats niemandem etwas beweisen muss, wurde 2017 wieder in der guten alten Küche von Boobas Label Tallac Records gekocht – und zwar mit jeder Menge Hitze!

Zuerst überraschte er mit “Autopsie 0”, dem fünften Teil seiner Mixtape-Reihe, welche vor allem langjährige Fans schon seit einiger Zeit begleitet. Anschließend wurde mit “Trône” der Löwe der Leine gelassen, um seinen Anspruch auf den Thron zu untermauern. Der König komprimierte dafür seinen state of mind auf schmalen 13 Anspielstationen ohne überdeutliche Ausreißer nach oben oder unten. Einzig die Hits “DKR” und “E.L.E.P.H.A.N.T”, die schon 2016 erschienen sind und als Bonus Tracks obendrauf gepackt wurden, stechen etwas heraus.

Mit “Trône” erfindet Booba das Rad nicht neu, aber das hat er in der Vergangenheit ja bereits genug oft getan. Wie man es sich von ihm gewohnt ist, flowt Booba mit dieser mysteriös-überlegenen Aura über die bis ins letzte Eck ausgefeilten Beats. Auch Boobas charakteristischer Gebrauch von Autotune kommt auf “Trône” nicht zu kurz. Eine sehr überzeugende und runde Platte von dem Rapper, der im Stile des Paten stets über die gesamte französische Szene zu wachen scheint.

Niska - Commando

Niska hatte 2015 und dann 2016 mit seinem erfolgreichen Debütalbum “Zifukoro” (mittlerweile Platin) eine unwiderrufliche Duftmarke in der Szene hinterlassen. Eine einzigartige Delivery und unbändige Energie treffen in dem Shooting Star aus Evry auf großes musikalisches Talent. Die Frage 2017 war, was Niska den immer weiter steigenden Erwartungen entgegenzusetzen haben würde.

Er antwortete mit Hits und noch mehr Hype. Sein Song “Réseaux” stand nach nur zwei Monaten bei 87 Millionen Views. Miami Yacines "Kokaina" war zu diesem Zeitpunkt grade ein Jahr alt und geworden und hatte diese Marke noch nicht erreicht. Nur um die Dimensionen deutlich zu machen. Wie auch für Damso und Sofiane war 2017 das Jahr, in dem er sich endgültig unverzichtbar für französischsprachigen Rap machen konnte.

Der Style des Debütalbums wird dabei grundsätzlich beibehalten. Mit sehr viel Energie in der Stimme spittet Niska seine 16er und in der Hook darf es dann teilweise auch etwas melodiöser werden. Harte Schale, weicher Kern – sowas in der Art. Das Soundbild wird oft von relaxt atmosphärischen Beats geprägt und genau dann ist Niskas druckvoller Rap die perfekte Ergänzung. “Réseaux” oder auch “Story X” sind ideale Beispiele für Niskas sehr eigenen Stil. Natürlich gibt es auch straighte Banger auf dem Album, wo dann auch der Beat gut nach vorne geht. Kostprobe gefällig?

Mit “Commando” ist Niska ein Geniestreich gelungen, was man auch an den Verkaufszahlen erkennen kann: Das Ding ging Dreifach-Platin. Auch Gäste wie Booba und MHD zeigen, dass Niska der Durchbruch vom Newcomer zum Superstar innerhalb von weniger als drei Jahren eindrucksvoll gelungen ist. Charo c'est la Champions League, paw paw paw paw!

Jul - Je ne me vois pas briller

Jul bleibt auch bei beispielloser Output-Frequenz ein Qualitätsgarant – keine sonderlich häufige Kombination. Seit 2014 droppte der Marseille-Rapper acht Studioalben. Darunter sind jeweils eine Gold- und Diamantplatte, fünfmal Platin auf den Levels 1-3 und sein jüngster Streich “La tête dans les nuages” wird sich höchstwahrscheinlich auch bald eine Medaille an die Brust heften können.

Auf “Je ne me vois pas briller” spielt Jul seine offensichtlichen Stärken aus. Er setzt wie schon so oft auf tanzbare Uptempo-Beats, während seine Strophen meist melodiös und extrem catchy daherkommen. Ein Großteil der Tracks versprüht einen sehr fröhlichen Vibe, wobei immer wieder auch eine Anspielstation eingestreut wird, auf der man Jul eher melancholisch erlebt (z.B. “Mon tiek ti amo”). Diese kurzen Cuts in der sonst ausufernden Euphorie und Lebensfreude sind für den Hörgenuss des Albums enorm wichtig, da sie die nötige Abwechslung schaffen.

Wer vor oft sommerlichem Pop-Appeal bei Rappern nicht zurückschreckt, findet in Jul den Kerl, der regelmäßig und zuverlässig neues Material zum Tanzen und Feiern liefert.

3 kleinere Tipps

Das waren fünf der relevantesten, grössten und erfolgreichsten Platten 2017. Für Kenner der Szene keine Überraschungen, aber sicher dennoch Grundlage für Diskussionen: Wer hätte noch dazugehört? Wo sind die Alben von Lacrim, Kalash Criminel, Hornet La Frappe oder SCH? Auf wen könnte man in den Top 5 verzichten?

Zumindest auf die Frage, was abseits des ganz hellen Spotlights noch dope war, haben drei Antworten für dich. "Geheimtipps" können wir das nicht nennen, da die Artists alle auch schon in siebenstelligen Klickbereichen mitspielen. Dennoch: Die Rapper weiter oben waren die deutlich offensichtlicheren Kandidaten.

MMZ - N’DA

Nach dem erfolgreichen Erstlingswerk “Tout pour le gang” aus dem Mini Mafia Zoo zweifelten Kritiker an der Langlebigkeit der Gruppe. Diese Stimmen verstummten aber nach “N’DA”, dem zweiten Streich von MMZ. Cloudeske Klänge und verträumte Melodien mit einer Prise Autotune erwarten dich, wenn der Zoo seine Pforten öffnet.

Lomepal - Flip

Lomepal releaste seit 2011 mehrere EPs und im letzten Jahr war die Zeit reif für sein erstes Studioalbum. Das Warten hat sich gelohnt, denn mit “Flip” ist dem 26-jährigen Artist eine grandiose Platte gelungen. Lomepals Style zu beschreiben, ist aufgrund seiner unorthodoxen Art extrem schwierig. Prägend ist gechillte Atmosphäre, welche durch die Instrumentals und den Rap gleichermaßen entsteht. Gerade in einer Zeit, in der Trap und Autotune Gang und Gäbe sind, ist Lomepals “Flip” ein erfrischendes Album:

Caballero & JeanJass - Double Hélice 2

Der erste Teil der “Double Hélice”-Reihe generierte nicht den Hype, den sich Caballero und sein Kollege JeanJass erhofft und auch verdient haben. Mit dem zweiten Teil konnten die beiden Belgier bereits mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Durch moderne Instrumentals, die wie der Flow teilweise trotzdem einen gewissen Oldschool-Flair mit sich bringen, ist das Soundbild von “Double Hélice 2” alles andere als Standard. Liebevoll gepickte Samples, Ohrwurm-Melodien, druckvolle Brecher-Beats, tonnenweise ungehörte Flow-Variationen – alles dabei!

“Double Hélice 3” wird für 2018 erwartet und du kannst gespannt sein, wie die Entwicklung von Caballero und JeanJass sowohl musikalisch als auch bezüglich ihres Standings weitergeht – die Jungs sind einfach dope AF!

In unserer Playlist auf Spotify findest du immer eine Auswahl aktueller Songs aus der Szene:


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