Ein Album voller Deutschrap-Historie: "JBG 3"-Lines unter der Lupe | Hiphop.de

Ein Album voller Deutschrap-Historie: "JBG 3"-Lines unter der Lupe

Ey Yo – wir wollen hier sicherlich keine ausufernden Geschichtsstunden abhalten, aber JBG 3 geizt nicht gerade mit Lines, die sich nur mit dem entsprechenden Hintergrundwissen vollkommen erschließen. Da niemand allwissend sein kann und wir unseren Bildungsauftrag sehr ernst nehmen, erklären wir kurz, was es mit diversen Zeilen auf sich hat. Aufs erste Hören mögen sie völlig willkürlich wirken, aber hinter den nun folgenden Beispielen lauern mehr Details, als es zunächst den Anschein macht.

Sturmmaske auf / Frontload

"Wir rattern wieder durch die Szene, yeah, Presslufthammerstyle" (Kollegah)

"Fegen wieder durch die Szene wie zwei Sägeblätter" (Kollegah)

Ja, die Zitate wirken wie typisch überzogene Vergleiche, aber da steckt mehr dahinter. Kollegah bezieht sich mit den Metaphern aus dem Baugewerbe nämlich auf eine Line aus JBG 2. In Dynamit nimmt der selbsternannte Boss ebenso die Szene ins Visier – dort aber mit Hilfe von einer anderen vernichtenden Maschine:

"Das ist JBG Teil 2, die zwei gehyptesten Rapper / Fegen jetzt wieder durch die Szene wie zwei Kreissägenblätter" (Kollegah)

Ave Maria

"Yallah, komm aus dem Zelt, wir müssen reden" (Kollegah)

Diesen Sommer kam es auf dem Hip Hop Bewegt-Festival zu einem lautstarken Aufeinandertreffen zwischen Kollegah und Vertretern von Bushido. Dabei saß der EGJ-Gründer wohl in einem Zelt. Gleichzeitig spielt Kollegah auf einen Song des Banger Musik-Camps an. In Komm ins Café fordern 18 Karat und Farid Bang unter anderem Casper und Miami Yacine auf, ihnen einen Besuch abzustatten.

"N*tte, bald sagt man, dass Stiere ’nen Kollegah-Nacken haben"(Kollegah)

Es geht auch mit weniger Backgroundwissen. Diese Line bezieht sich auf den JBG 2-Track Stiernackenkommando und soll wohl einfach versinnbildlichen, dass auf den Nacken in den letzten vier Jahren noch um einiges an Muskeln draufgepackt wurde.

"Was will der Ehrenmann hier starten? Stress ohne Grund? / Versuch’s erstmal mit S*x ohne Hund" (Kollegah)

Diese Line fußt auf gleich mehreren anderen Songs. Der Ursprung liegt wohl bei Fler und einer Aussage, die auf Carlo Cokxxx N*tten fällt: "Ich-ich-ich komm' auf die Party und mach Stress ohne Grund!" So ein markiges Statement lassen andere Berliner Künstler nicht verstauben. Sowohl Bushido in Stress ohne Grund als auch Shindy und Ali Bumaye bei S*x ohne Grund berufen sich bei der Titelwahl wohl auf Fler. Kollegah bedient sich an dieser Berlin-geprägten Zeile und nutzt sie für eine eigene Battle-Line. Dabei bezieht er sich ebenso auf den Kay One-Track Tag des Jüngsten Gerichtes. Dort wird Bushido eine besondere Nähe zu einem Labrador unterstellt, die Kollegah hier zum Ende seiner Zeile aufgreift.

"Und eine Frage, vielleicht ist das auch ’ne Schnapsidee: / Wenn ich mit Bushido spaziere, nennt man das Gassi geh’n?" (Farid Bang)

Auch Farid Bang langt beim Song-Katalog von EGJ zu. Seine eher rhetorische Formulierung knüpft an den Disstrack Leben und Tod des Kenneth Glöckler an. Dort rappt Bushido Folgendes und setzt damit einen Trend zu gerappten Fragen in Gang, die nicht wirklich nach einer Antwort verlangen:

"Ich habe so viele Fragen an euch zwei Opfer / Wenn ich Kay schlage, bin ich dann ein Thai-Boxer?"

Rap wieder Rap / Studiogangster

"Sprichst du von Bushido-Level, meinst du WoW-Charakter" (Kollegah)

Was erstmal aussieht wie ein Front gegen die Videospielleidenschaft des Battle-Gegners, entpuppt sich als Referenz auf eine Hook von Shindy. Der zählt in Statements die Erfolgslevel einiger Kollegen auf:

"Wir reden hier von Sido-Level, ob ihr wollt oder nicht! / Ich red' von Savas-
Level, ob ihr wollt oder nicht! / Ich mein' Bushido-Level, ob ihr wollt oder nicht!"

Apropos Shindy:

"Shindy wird in Derendorf helal geschlachtet" (Farid Bang)

"Es war mal ein Rapper, der dachte, er kann King spiel’n / Ohne Schutz wird er in Berlin geschlachtet wie ein Rindvieh" (Kollegah)

"Und sag es bitte der F*tze von Shindy, in Berlin wurd’ ich nie geschlachtet wie Rindvieh" (Farid Bang)

Nein, das JBG-Duo hat nicht seine Liebe zum Metzgerhandwerk entdeckt. Sie kontern einen Diss, der vor Jahren bei einem Bushido-Gig stattfand. Auf dem Track Stress mit Grund ist die Stelle zwar zensiert, aber Live rutschte Shindy raus, wer da in Berlin den Status eines Rindviehs innehaben sollte:

"Und aus Prinzip pöbel ich mit Shindy / [Farid Bang] wird in Berlin geschlachtet wie ein Rindvieh"

Kollegah bedient sich zudem gerne an seinem eigenen Output:

"2014 bettelt der Lauch nach ‘nem Feature / Weil er die wahre Nummer eins kennt wie Baumarktkassierer" (Kollegah)

Oberflächlich betrachtet zielt diese Ansage auf den Track Gangsta Rap Kings ab, den Bushido 2014 in Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang rausbrachte. Allerdings ist das nicht alles. 2013 rappt der Alpha Music-Boss auf Stiernackenkommando fast die identische Zeile. Dort fragt nicht Bushido nach Features, sondern Kool Savas. Außerdem wird nicht im Bau-, sondern im Supermarkt abkassiert:

"Heut fragt Kool Savas nach Features / Nur um sagen zu könn'n, dass er die Nummer eins kennt wie Supermarktkassierer"

Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass sich viele der Textinhalte hinter jeder Menge Vorwissen verbergen. Mit weniger Vorbildung versteht man dennoch alles. Was einem entgeht, sind die zusätzlichen Bedeutungsebenen, die den Eindruck der Zeilen noch verstärken. Wo so viel Subtext ist, da steckt noch viel mehr und wartet darauf entschlüsselt zu werden.

Deutschrap, Diese!


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Kommentare

Man sieht doch an dieser Analyse, wie flach die Lines von JBG sind. Alles nur Kindergarten.

Schwach, schwach. So ein Hype um nix. Ne, ne Kolle, dass mit dem King Titel müssen wir nochmal neu bedenken!

Oh ja, unbedingt! Der Wackness-Overload mit Sido, "Royal Bunker", ist ein wahrhaftiges Zeitzeugnis des ach so wahren Kings :^)

Und selbst wenn mal ein Jahr ohne Releases vergeht
Haben wir ein' Namen/Einnahmen am Ende wie ein Kirchengebet

Zu viele Rapper, die mir zu viel Kies verdienen
Auf den Nacken von Franzosen wie Guillotinen

Farid Bang im schwarzen Benz ****t KMN/ Car-m-en wie Robert Geiss (ey)

Du Alkoholiker, denk nicht, du bist James Bond
Nur weil du gern ma' Teenies/Martinis ballerst, so wie Kay One

Dein Leben ist Science-Fiction wie ein Marvel-Comic
Ich sag's dir auf Berlinerisch: Wenn deine Ma will, komm' ick

Kill' jeden Todfeind im Biz, sucht ein *****nrapper Stress
Dann werden ihm OGs/emojis geschickt wie in What's App Messages

Ich hab' das Nokia auf Tasche, denn iPhones sind nicht safe
Ich komm' mit 5210/52 Zähnen wie ein Leibniz-Butterkeks

jeden Cent wert.

Es heißt "ein Amen"/Einnahmen am Ende.

Alles gute Lines, aber die Doppeldeutigkeit aus Sturmmaske auf lautet: "Und selbst wenn mal ein Jahr ohne Releases vergeht, haben wir Einnahmen/ ein Amen am Ende, wie ein Kirchengebet." Ansonsten voll deiner Meinung, ein sehr gutes Album, literarisch auf höchstem Niveau.

An den Verfasser: hast du Dir beim Schreiben einen runtergeholt? Findet Ihr richtig geil, wenn Ihr Bushido erwähnen könnt, nicht wahr? Ihr seid alle Bushido's Schüler und er ist Euer Sensei!!! Ihr verf***** ********

Es gibt ein einziges review von einem journalisten, ich habe ihn gegoogelt, Walddorfschule, jüdisches Gymnasium.
Es gibt eine Bonus EP, bei der der einzige Sinn darin bestand (war wohl auch ne Wette) extrem provokante, möglicherweise juristisch als Straftat geltende Äusserungen zu machen und dieser Deppengutmensch meint auch noch, das sie das aus rassistischen Gründen tun.
Das die Juden nicht gut auf Kollegah zu sprechen sind, weil er sich für Palistinänzer einsetzt ist auch bezeichnend.
Man kann das Album schlecht finden, aber Farid pegida Rassismus vorzuwerfen ist schon albern, der ist dunkelhäutig und ein Muslim.
Er hat nicht begreifen wollen, das die ganzen so schlimmen Texte absichtlich wie er sagt "menschenverachtend" sind, das war auch das Ziel, es heisst auch Paragraph 185.
Von daher sind sämtliche Aussagen gar nicht ernst gemeint und ich finds arm, das das einzige Review von meist erwarteten Album innerhalb 3 Tagen sowaas ist.
Ich frage mich, warum.
Bei jedem Album gabs sofort nach release interviews ohne Ende, reviews ohne Ende, nur diesmal nicht.
Laut der obigen Person waren die lines gegen bushido zu unspektakulär, ich denke nicht, dass diese lines unproblematisch sind, auch die hip hop Medien haben Schiss vor Bushido, das merkt man.
Das sie erst im Falle eines "totalen Krieges" ihn dissen mag von den beiden etwas feige sein, ein rapper ohne Rücken wäre sehr viel früher sträker gedisst worden, aber irgendwann fragten sie sich, ob sie wirklich dieses Duckspiel mitmachen wollen, sie haben es leider nach dem diss gegen Kay one mitgemacht und nach Kay nachgetreten, teilweise aber auch (zumindest von Kolle) weil er dieses Schickimicki Metro Getue nicht aussttehen kann.

und ihr habt einfach mal die geilsten lines vergessen es gibt einfach so geile andere lines wo ihr nicht genannt habt wie dein film ist nicht dein film ist nicht zeiten ändern dich sondern 12 years a slave usw gibt noch tausende das ganze album is mit dislines gegen bushido voll finde es nur schaden das ihr die schwächsten lines rausgenommen habt

nur weil ich mich andauernd selbstreferenziere, macht das das ganze nicht gehaltvoll. bei der überschrift dachte ich tatsächlich, dass die beiden interessantes hintergrundwissen bringen. aber wir haben ja 2017, da ist es angebrachter sich selbst zu zitieren.

Farid früher in Bushido's videos wie ein kleiner Dackel im Hintergrund und jetzt führt er sich groß auf.

Als Schwerstgangster in eine Villa einreiten und alles abknallen was rumläuft. Das ist anscheinend der Hype der sogar bei HipHop.de die Schreiberlinge infiziert, so dass diese gleich eine Analyse hinterher - Vorsicht - schießen. Werden hier KInderträume oder Komplexe im Video ausgelebt? Deutscher Rap ist größtenteils nur noch einfallsloser Dr*ck.

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Welcher Rapper am häufigsten über die Polizei rappt

Welcher Rapper am häufigsten über die Polizei rappt

Von David Molke am 11.12.2017 - 16:31

Die Polizei will ja eigentlich dein Freund und Helfer sein. Leider funktioniert das aber oft nicht so richtig gut. Von Racial Profiling, Polizeigewalt und Willkür ganz abgesehen. Kein Wunder also, dass auch viele Rapper ihre Frustration gegenüber den Ordnungshütern zum Ausdruck bringen. Manch einer lobt die Beamten sogar, auch wenn das die Ausnahme bleibt: Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass am häufigsten die abwertenden Synonyme "Bulle" oder "Bullerei" genutzt werden, wenn über die Polizei gerappt wird.

Der Kriminologe und Betreiber des Criminologia-Blogs Prof. Dr. Christian Wickert untersucht im ersten Teil der Studie Darstellung der Polizei in deutschsprachiger Rap-Musik insgesamt 3.363 Raptexte. Dazu wurden alle Tracks von allen 236 deutschsprachigen Rap-Alben untersucht, die zwischen März 2015 und Dezember 2016 in den offiziellen deutschen Hiphop-Charts gelistet waren. Das schränkt das Ganze natürlich ziemlich ein.

Fast ein Viertel der Texte (22,33 %) drehe sich zumindest teilweise um die Polizei, und zwar meistens kritisch bis beleidigend:

"Besonders auffällig ist die häufige Verwendung der negativ konnotierten Bezeichnung 'Bulle', die nahezu ein Drittel aller Verweise ausmacht und somit deutlich präsenter ist, als die Bezeichnung 'Polizei' bzw. 'Polizist', die zusammengenommen ein Viertel an allen Nennungen ausmachen. Ein weiteres Fünftel entfällt auf die englischsprachigen Bezeichnungen 'Cop' und 'Police'."


Foto:

Screenshot: Darstellung der Polizei in deutschsprachiger Rap-Musik (Teil 1)http://criminologia.de/2017/12/darstellung-der-polizei-in-deutschsprachi...

Der Begriff "Daule" fehlt allerdings. Ebenfalls interessant, wenn auch nicht unbedingt überraschend: Laut Prof. Dr. Christian Wickert sei vor allem die "Dominanz des Gangsta-/ Straßenraps" auffällig. Der Großteil der untersuchten Alben sei eindeutig diesem "Subgenre zuzuordnen, das sich thematisch mit Normabweichungen und ihren Folgen befasst". 

"Von den 182 Künstlern und Gruppen in der Gesamtstichprobe verweisen 153 (84,1 %) in mindestens einem Liedtext auf die Polizei. Die Häufigkeit, mit der die Polizei in Liedtexten thematisiert wird, variiert unter den Künstlern und Gruppen jedoch stark und reicht von einem Lied bis zu 39 Liedern pro Künstler oder Gruppe."

Capital Bra rappt dabei im Schnitt am häufigsten über die Polizei. Dicht gefolgt von Herzog (Pun intended). Kandidaten wie Farid Bang und Haftbefehl kommen 'erst' auf Platz vier beziehungsweise fünf. Aber dabei müssen wir immer im Kopf behalten, dass es hier nur um die Alben geht, die es zwischen März 2015 und Dezember 2016 in die offiziellen deutschen Hiphop-Charts geschafft haben.


Foto:

Screenshot: Darstellung der Polizei in deutschsprachiger Rap-Musik (Teil 1) http://criminologia.de/2017/12/darstellung-der-polizei-in-deutschsprachi...

Die gesamten Studien-Ergebnisse sollen als "Ich hab' Polizei" – Die Darstellung der Polizei in deutschsprachigen Rapliedern. über den Verlag für Polizeiwissenschaft veröffentlicht werden. Wenn du wissen willst, wieso "Bulle" überhaupt eine Beleidigung sein soll, wirst du hier fündig. Zu den Studienergebnissen:

Darstellung der Polizei in deutschsprachiger Rap-Musik (Teil 1)

Dies ist der erste Teil einer Beitragsreihe zum Thema „Darstellung der Polizei im deutschsprachigen Rap". Die Ergebnisse der hier vorgestellten Studie werden in Kürze erscheinen in: Wickert, Christian (im Erscheinen) „Ich hab' Polizei" - Die Darstellung der Polizei in deutschsprachigen Rapliedern. In: Anja Mensching & Astrid Jocobsen (Hrsg.) Empirische Polizeiforschung XXI.


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