Vom Index in die Charts: Aufstieg, Ende & Auferstehung von Azads Label Bozz Muzik

Bozz Muzik erlebt gerade eine Renaissance. Nachdem Azads Label eigentlich schon 2009 geschlossen wurde, erscheint "Leben II" 2016 erneut über Bozz Muzik. Dicht gefolgt von Azads nächstem Schlag "NXTLVL", den der Bozz ebenfalls über sein eigenes Label austeilt. Aber das war noch lange nicht alles: Offenbar geht es jetzt erst wieder so richtig los. Nach dem Jeyz-Album "SMWDH" hat Azad mit Animus sogar einen neuen Künstler gesignt. Auch Calo soll mit einem neuen Release in den Startlöchern stehen. Die perfekte Gelegenheit, um uns das Auf und Ab in der Geschichte des Labels genauer anzuschauen.

Bozz Muzik – Vorgeschichte & Gründungszeit

Azad stand zu Beginn seiner Karriere bei 3p unter Vertrag, dem Label von Moses Pelham – Pelham Power Productions. Die beiden Klassiker "Leben" und "Faust des Nordwestens" kamen also noch nicht über Bozz Muzik. Beziehungsweise Bozz Music, wie es zu der Zeit geschrieben wurde. 2004 gründete Azad sein eigenes Label unter Universal. Und zwar mit der Absicht, Straßenrap in Deutschland eine Heimat zu bieten. Er signte seine Freunde und Kollegen, bis Bozz Muzik über ein beeindruckendes Künstler-Roster verfügte. Neben Jeyz, Jonesmann und Yassir waren auch Solo und Hanybal sowie Sezai und Chaker gesignt. Zur Warheit-Crew gehörten neben Jeyz, Chaker, Sezai und Azad selbst zusätzlich noch Lunafrow sowie Real Jay. Aber auch auf der Produzenten-Seite bewies Bozz Muzik ein gutes Händchen: M3 & Noyd, Benny Blanco, Brisk Fingaz, Sti und Martelli – sie alle standen bei Azad unter Vertrag.

Zwischen Beef, Beastmode und Polit-Rap: Animus' langer Weg zu Bozz Muzik

Wir stellen dir den Mann vor, den Azad als "krassesten Rapper Deutschlands" bezeichnete.

Die frühen Jahre: "Der Bozz" wird indiziert

"Verbeugt euch vor dem Größten im Land/Ich bin zurück, kommt und küsst meine Hand!"

Azad legt 2004 mit "Der Bozz" nicht nur nach, sondern vielleicht sogar erst so richtig los. Mit dem ultradüsteren und genauso harten Album marschiert er dann auch geradewegs in die Top Ten der offiziellen Albumcharts. Was offenbar eine ganze Spur zu hart war: Das Album wird aufgrund von zwei Songs indiziert, die verrohend sein sollen. Aber das stellt für die Frankfurter Rapper ganz offensichtlich keinen Grund dazu dar, nachzulassen.

Im Gegenteil: Im selben Jahr stellen sich die Künstler auf dem Labelsampler "Bozz Music Volume 1" vor. Da lauern einige Perlen, die heute fast vergessen sind: Zum Beispiel gleich zwei Songs, auf denen Produzent Sti ausnahmsweise auch rappt. Dessen "On My Mind", aber auch Jonesmanns bittersüße R'n'B-Ballade "F*ck Dich" und das brachiale "Kugelhagel" gehören zu Songs, die jeder Fan der deutschsprachigen Rapmusik kennen sollte.

Azad - Vom Warrior zum Bozz

Nachdem drei Interviewtermine geplatzt sind, fuhr ich am vergangenen Mittwoch wieder mal nach Frankfurt, um Azad zu interviewen. Am Bahnhof holte mich Wiegand (Bozz Music-Management; Anm. d. Verf.) im Auto ab und spielte mir die "Phoenix"-Single im Auto vor. Wir redeten ein bisschen über das Album und diverse Pläne der Jungs, bevor wir dann im "Combat"-Büro in Eschborn ankamen.

One, SJ & Game Over

Jonesmann veröffentlicht 2004 das "Macht, Käse, Flows, Cash"-Mixtape. Das dient als guter Vorbote auf das grandiose "SJ" und lässt erahnen, was da kommt, geht aber ziemlich unter. Das darauffolgende Jahr 2005 steht dann ganz im Zeichen von "One", dem Kollaboalbum von Azad und Kool Savas. Aber auch bei Bozz Muzik passiert etwas: Jeyz droppt sein "J.E.Y.Z. Streettape". Mit der Video-Auskopplung zu "Wir als K*nacken hier" liefern er und Chaker nebenbei so etwas wie die Blaupause für zukünftige Straßenrap-Videos aus Deutschland.

2006 erscheinen dann "Chronologie Part 2" von Jeyz und Jonesmanns "In Dein Mund"-Mixtape. Vor allem kommen aber auch Jonesmanns "SJ" und Azads "Game Over" auf den Markt. Jonesmann läuft auf seinem Album zu absoluter Höchstform auf. Der Mann kann sowohl rappen als auch singen – und vereint beides nicht nur perfekt, sondern tut das auch noch in einer Zeit, als so etwas in Deutschland beinahe unvorstellbar war. Jonesmann war seiner Zeit anscheinend voraus: "SJ" feiert nie die ganz großen Erfolge, die das Album verdient hätte, es chartet auf Platz 31. Azads Album "Game Over" schafft es hingegen auf Platz acht der offiziellen Albumcharts.

Außerdem wird "Der Bozz" noch einmal neu aufgelegt und als Remix-Album veröffentlicht. Die zwei Songs, die für die Indizierung gesorgt hatten, wurden durch "Frankfurt" mit Warheit und "A.Z. Pitbull vs. Shmok Muzik" ersetzt.

Azad: "Leben II" im Detail, Konzepte, Nas-Feature & Bozz Music (Interview) - Toxik trifft

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Prison Break Anthem, Warheit & Blockschrift

2007 feiert Azad einen seiner größten Erfolge mit dem "Prison Break Anthem (Ich Glaub An Dich)". Die Kooperation mit Adel Tawil und der Fernsehserie bringt ihm die allerersten Nummer eins in den deutschen Singlecharts ein. Vor ihm war das keinem deutschsprachigen Rapper gelungen. Das zugehörige Album "Blockschrift" landet allerdings 'nur' auf Platz 37 der Albumcharts.

Als Warheit veröffentlichen Azad, Jeyz, Chaker und Sezai im selben Jahr "Betonklassik". Real Jay, Lunafrow und Jonesmann waren zu dieser Zeit bereits kein Teil der Gruppe mehr. Kommerziell geht die Platte unter und aufgrund der nicht zufriedenstellenden Verkaufszahlen sollen Chaker und Sezai damals ihre Rap-Karrieren aufgegeben haben. Jeyz veröffentlicht im gleichen Jahr das ironischerweise sehr passend betitelte "Das Ende vom Anfang: Chronologie Part 3"-Mixtape.

Ebenfalls 2007 bringen Brisk Fingaz, Phrequincy, Shuko und Sti die gemeinsame Platte "The Unbeatablez Vol. 1" heraus. Einfach so ein Producer- und Instrumental-Album zu veröffentlichen, war zu der Zeit alles andere als üblich – aber natürlich verdammt cool. Traurig, dass sich auch dieses Release finanziell wohl kaum für Bozz Muzik gelohnt haben dürfte.

Prison Break Anthem (Ich Glaub An Dich) - Single Version

Prison Break Anthem (Ich Glaub An Dich) - Single Version, a song by Azad, Adel Tawil on Spotify

Bozz Muzik schließt seine Pforten

Brisk Fingaz haut 2008 noch sein Album "Einzelkämpfer" raus, dann wird es langsam, aber sicher düster. Jonesmann scheidet komplett aus und gründet sein eigenes Label Echte Musik. 2009 bringt Azad das Streettape "Azphalt Inferno" auf den Markt, ansonsten erscheinen "Blut, Schweiß & Tränen" von Jeyz sowie Azads Album "Assassin".

"Azphalt Inferno" und "Assassin" stellen in Azads Release-Katalog zwei absolute Highlights dar: Haufenweise Scratches von DJ Rafik, jede Menge Featureparts von 439 aka Solo und Hanybal, brachiale Beats und ein Azad in Topform. Dazu gesellen sich Traum-Gastparts wie der von Kool G Rap oder der von Rakim. Aber auch Kool Savas, Tone, der ehemalige Beef-Gegner Samy Deluxe, Manuellsen, Freeman, Savant des Rimes und Capleton geben sich die Ehre. 

Kurze Zeit später kommt dann aber trotzdem die Hiobsbotschaft: Das Label macht dicht. Als letztes Release soll noch "Azphalt Inferno 2" erscheinen, aber das war es dann. Der zweite Teil des Streettapes schafft es 2010 zwar noch auf Platz 18 der Charts, aber das Label Bozz Muzik schließt tatsächlich seine Pforten. Azad selbst erklärt zu der Zeit in einem Statement:

"Jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein Kämpfer bin, der bis zum Ende alles gibt. Ich konnte meinen hochgeschätzten Künstlern nicht mehr das geben, was sie verdienen. Die Zeit ist gekommen, dieses Kapitel mit erhobenem Haupt zu schließen."

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5 Jahre später: Bozz Muzik ist zurück!

Über fünf Jahre sind seit dem letzten Release vergangen, dann erscheint Azad endlich wieder auf der Bildfläche. So richtig weg war er dank einiger Captain Capslock-Postings auf Facebook zwar nie. Aber es gab eben keine neue Musik, was sich 2016 zum Glück schlagartig ändert. Im Oktober 2015 lässt der Bozz die Bombe platzen: "Leben II" kommt, und zwar über Bozz Muzik, wie sich das gehört. Ein Traum wird wahr, nicht nur für die Azad-Fans, sondern auch für den Frankfurter Rapper selbst.

Der Rest ist Geschichte: Auf "Leben II" folgt "NXTLVL" und mittlerweile gibt es sogar Bozz Liquids. Erst kürzlich hat Jeyz "So machen wir das hier" gedroppt und am Freitag kam "Beastmode 3" von Animus – also vom ersten neu gesignten Künstler seit der Auferstehung des Labels. Dann ist es da natürlich auch noch Calo, von dem wohl noch einiges kommt, auch wenn er im Moment nicht offiziell bei Bozz Muzik unter Vertrag steht. Wir können jedenfalls festhalten: Bozz Muzik ist zurück, und zwar so richtig.

Animus - Beastmode 3

Animus veröffentlicht "Beastmode 3" über Bozz Muzik...

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Das waren noch Zeiten!! Echter Rap ohne ständiges "ich hab aber mehr kilos verkauft und meine Freunde haben mehr waffen als du"
Tzü Tzützüzü

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Mehr als nur ein Bild: 5 Rap-Cover, die Fans besonders feiern

Mehr als nur ein Bild: 5 Rap-Cover, die Fans besonders feiern

Von Jonas Lindemann am 22.02.2018 - 14:30

Das Auge isst mit, auch bei Albencovern. Deshalb wollten wir von euch bei Facebook und Instagram wissen, welche Artworks euch besonders in Erinnerung geblieben sind und ihr am meisten feiert. Eine kleine Übersicht haben wir hier zusammengestellt.

Azad – "Leben II"

Einer der meistgelikten Kommentare und das völlig zurecht. Azad kam bei seinem Comeback 2015 mit einem beeindruckenden Cover um die Ecke. Es zeigt ein auf schwarzen Schlangen liegendes Baby. Wie Azad damals erklärte, solle es zum einen seine deepen Texten und zum anderen die dunkle Seite seiner Musik, die harten Songs symbolisieren.

Außerdem stehe das Baby für das Leben "in einer Welt voller Gefahren". Das Cover stammt von Fotograf Robert Maschke. Für das Grafikdesign zeigten sich Mographics und Street Design verantwortlich.


Foto:

Cover von Azad zu "Leben II", http://amzn.to/2ooWcL6

Kollegah – "Zuhältertape Vol. 4"

Ebenfalls eines der meistgenannten Werke, das aus demselben Jahr wie "Leben II" stammt und fast genau elf Monate später veröffentlicht wurde.

"Ich erfind' das Rad nicht neu, doch hau' paar Platinfelgen drauf", rappt Kollegah auf dem auf dem Tape enthaltenen Song "Blutdiamanten". Die Zeile spiegelt sich auch in der optischen Gestaltung wider. Das Cover lässt die Artworks des ersten (Dobermann) und dritten Teils (Kollegah in Anzug und Pelzmantel) miteinander verschmelzen. 

Das Cover passt optimal zum Zuhälterfilm, der auf dem vierten Teil der Serie so kompromisslos durchgezogen wurde wie nie zuvor. Die Fotos stammen von Denis Ignatov, die Gestaltung von Jacob Roschinski und die Typografie von Marco Stawski.


Foto:

Cover von Kollegah zum "Zuhältertape Vol. 4", http://amzn.to/2GDgSGn

PA Sports – "Verloren im Paradies"

Ein sehr aktuelles Album, das auch eine Vielzahl an Likes erhielt. "Verloren im Paradies" von PA Sports erschien im Juni 2017.

Zu sehen ist ein kleiner Junge, der mit dem Rücken zum Betrachter vor einer paradiesischen Kulisse steht. Den Hintergrund bildet PAs Gesicht. "Hiermit präsentiere ich euch das finale Cover zu meinem besten Werk!", schrieb der damals zu dem Cover.


Foto:

Cover von PA Sports zu "Verloren im Paradies", http://amzn.to/2GAt2Qn

Kool Savas – "Essahdamus"

"Einfach die beste Idee aller Zeiten dieses Cover. Ich liebe es", schrieb die Userin des Kommentars dazu.

Das Cover soll Savas als kleinen Jungen auf seiner damaligen Zugfahrt mit seiner Mutter aus der Türkei nach Deutschland zeigen. Draußen ist unter anderem ein Soldat zu sehen, der einen Militärhelm mit der türkischen Flagge trägt.

Savas arbeitete 2016 für das unkonventionelle Cover erstmals mit Adopekid zusammen. Von ihm kam offenbar die zündende Idee, wie Savas berichtete: "Er so: 'Ey, lass uns bitte in eine andere Richtung gehen. Lass uns was ganz Neues machen. [...] Das wird aber gar nicht nach Hiphop aussehen.' [...] Voll der coole Typ."


Foto:

Cover von Kool Savas zu "Essahdamus", http://amzn.to/2EZNVY6

SSIO – "0,9"

Ein extrem aufwändiges Cover, das eine Hommage an den Comic "The Mask" darstellt. Zudem soll es aus dem Cover von SSIOs vorherigem Album "BB.U.M.SS.N" rauszoomen. Auf dem war die Hand dargestellt, die aus SSIOs Hosenstall gehalten wird.

Die Idee hinter dem Cover stammte von Produzent Reaf, wie SSIO im Interview erzählte.


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Cover von SSIO zu "0,9", http://amzn.to/2HzfnKJ

Check hier alle Antworten und Diskussionen zu den Covern ab:

Hiphop.de

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