11 Dance-Battles, die dir den Glauben an die Kultur zurückgeben

Hiphop ist Competition. Battlen ist Teil der Kultur und repräsentiert einen friedlichen Lösungsweg für Konflikte aller Art. Darüber hinaus setzen sich die Ursprünge der mittlerweile stärksten Jugendbewegung nicht ausschließlich aus Beats und Bars zusammen. Graffiti, Beatboxing und Breakdance sind ebenso Ausdrucksmöglichkeiten und bieten Gelegenheit es sich und der Welt zu beweisen.
Womit wir beim Thema wären: Die Anfänge des Breakdance gehen zurück bis in eine Zeit, als die Beatles noch in Vollbesetzung Musik machten. Dennoch genießen Dance-Battles weiterhin ein hohes Ansehen und begeistern die Massen. Wir haben in paar der brisantesten Wettkämpfe der letzten Jahre zusammengestellt, damit du siehst, dass Moves manchmal heftiger knallen als Deine-Mutter-Punchlines.

Massive Monkees vs. Jinjo Crew


40 Millionen Klicks können kaum irren. Das hier ist Tanzperfektion to the fullest. Schulungsmaterial in Sachen B-Boying. Die Powermoves zerstören.

Team Rhônes Alpes vs. Gamblerz


Dieses Gruppen-Battle hat es in sich. Das Finale der Veranstaltung Chelles Battle Pro ist eine Vorführung der Körperbeherrschung. Die Performances beider Teams suchen ihresgleichen. Timing und Ausdruck sind außergewöhnlich. Warum zum Circus Roncalli pilgern, wenn man sich solche Battles gönnen kann.

Bboy N*ggaz & BillyBoy vs. Neguin & Lil G


Ein Halbfinale auf Final-Niveau: Frankreich gegen Südamerika. Die beiden Breaker aus Frankreich sind Teil der Pockemon Crew. Ja, Wortspiele und lustige Crew-Namen gibt es nicht nur bei den Leuten mit dem Mic in der Hand.

PradaG & Smurf vs. Stripes & Tata


Tag Team-Wettkampf bei der Shock The World-Series in Japan. Zwei Duos treffen aufeinander und eskalieren auf dem Floor. Körperkontrolle ist eine Untertreibung für die Aktionen, die dort stattfinden.

Nach dem Einstieg mit Gruppenwettkämpfen folgen nun ein paar aufreibende Duelle Mann gegen Mann ...

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Song-Konzept des Jahres? "I'm Not Racist" kämpft gegen die Spaltung der Gesellschaft

Song-Konzept des Jahres? "I'm Not Racist" kämpft gegen die Spaltung der Gesellschaft

Von Michael Rubach am 30.11.2017 - 12:32

In den letzten 24 Stunden ist ein Video viral gegangen, das keine süßen Katzenbabies oder einen überdreisten Prank zeigt. Joyner Lucas hat mit I'm Not Racist ein todernstes Thema auf den Tisch gepackt, das momentan allzu präsent erscheint. Seitdem Donald Trump es zum Präsidenten geschafft hat, ist die Stimmung in Übersee maximal angespannt. Schwarze und weiße Bevölkerungsgruppen haben sich immer weniger zu sagen und konfrontieren sich stattdessen mit gegenseitigen Vorwürfen. Trauriger Höhepunkt dieser gesellschaftlichen Spaltung ist der Anschlag in Charlottesville, bei dem ein wohl rechtsgesinnter Attentäter in eine Menschentraube aus Demonstranten gerast ist.

Aber zurück zur Musik – wobei es Musik nur ungefähr trifft. Joyner Lucas bietet auf einem The Cratez-Beat (ja, die deutschen Produzenten) einen circa siebenminütigen Konzeptsong, der wieder ins Bewusstsein ruft, was eigentlich schief läuft:

Bereits der Beginn ist derart eindringlich, dass man als Zuschauer kurz erschrickt und sich fragt, ob der weiße Mann mit der Make-America-Great-Again-Kappe das gerade wirklich von sich gegeben hat. Alle gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung bündelt Lucas in der Figur des Trump-Fans. Das tut er so eindrucksvoll, dass es fast körperlich wehtut:

"You motherf*ckas needa get your damn priorities straight / Wait, it's like you're proud to be fake / But you lazy as f*ck and you'd rather sell drugs / Than get a job and be straight, and then you turn around and complain"

Dann übernimmt der schwarze Protagonist und rappt die Geschichte aus seinem Blickwinkel. Auch hier wird deutlich, was in den Staaten augenscheinlich für kulturelle Unterschiede bestehen. Die Strophe gerät nicht minder eindringlich und beleuchtet die andere Seite der gleichen Medaille. Dazu ertönt ständig die Line "I'm not racist", obwohl beide permanent rassistische Klischees bedienen. Stereotype, wohin das Auge schaut:

"All you do is false sh*t, this the sh*t that I'm forced with / And you don't know sh*t about my people, that's what bothers you / You don't know about no fried chicken and no barbeque / You don't know about the two-step or no loose change / You don't know about no 2 Chainz or no Kool-Aid, you don't know!"

Als die Darsteller schlussendlich ihre Standpunkte klargemacht haben, erkennt der Zuschauer, dass zum gegenseitigen Verstehen eigentlich gar nicht so viel fehlt. Die argumentative Haltung der beiden ist nämlich nahezu identisch und verbindet über das Menschsein hinaus. Die Letzte Zeile des Tracks ist daher wieder für das Statement "I'm not racist" vorgesehen – nur mit dem Unterschied, dass kein Platz mehr für ein "aber" bleibt. Dass sich die beiden Darsteller dann in den Armen liegen, unterstützt diesen Gedanken.

Wer jetzt meint, dass dieses Video nichts mit unseren Verhältnissen in Deutschland gemein hat, der liegt falsch. Beliebte Sätze wie "Ich bin kein Nazi, aber ..." lassen sich leider relativ mühelos auf den Rap von Lucas übertragen. Das ist die große Leistung hinter diesem Konzeptsong, der mit nur einem Setting und zwei Schauspielern eine globale Fragestellung aufwirft: Wie kommen wir trotz aller Unterschiede miteinander klar, ohne uns an die Gurgel zu springen?

Dass eine künstlerische Antwort aus dem Hiphop heraus entsteht, ist irgendwie logisch. Kaum eine andere Kulturform wirkt so integrativ. Unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Rasse kann sich einfach jeder einbringen, der Bock darauf hat. Wer malen will, der malt, wer rappen will, der rappt und wer breaken will, der breakt und so weiter – es zählen nur Skills. Was gesamtgesellschaftlich hingegen wohl am meisten zählt, ist der Wille zum Dialog. Das hat dieses Werk von Joyner Lucas vorgeführt.


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