Homerecording (Teil 6): Vocal Mixing Basics II – Wie setzt man Kompression richtig ein?

Da wir im letzten Artikel bereits die Grundzüge des Equalizings durchgearbeitet haben, wird es in dieser Folge um das nächste wichtige Plug-In beim Vocal Editing gehen: den Kompressor. Damit ist ein Regelverstärker gemeint, der den Lautstärkepegel des Audiomaterials in Bruchteilen von Sekunden anpasst. Dieses Plug-In erlaubt es, unseren Vocals Nachdruck und Durchschlagskraft gegenüber dem Instrumental zu verleihen.

Bevor ich euch jedoch den Umgang mit dem Effekt im Video zeige, solltet ihr die Funktionsweise des Effekts verstehen. Im Folgenden erkläre ich euch daher zunächst die verschiedenen Parameter des Plug-Ins.

1. Threshold

Der Threshold, zu Deutsch „Schwellenwert“, zeigt an, ab welchem Wert die Kompression den Eingangspegel eines Signals zu reduzieren beginnt. Die Reduktion der Lautstärke wird als „Gain Reduction“ bezeichnet.

2. Ratio

Sie bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Anstieg des Eingangssignals über den Schwellenwert und dem komprimierten Ausgangssignal. Klingt unfassbar kompliziert, ist aber in der Praxis höchst simpel. Beispiel: Wir stellen eine Ratio von 3:1 ein. Das bedeutet: Wird der Threshold um 3 dB überschritten, erhöht sich der Ausgangspegel nur um 1 dB.

3. Attack

Attack betrifft die Einregelzeit des Kompressors und bestimmt somit, wie lange es dauert, bis die Kompression nach Überschreiten des Thresholds einsetzt, um den Pegel auf einen festgelegten Wert herunterzuregeln.

4. Release

Als Gegenstück zum Attack reguliert das Release die Zeit, die der Kompressor benötigt, um das Signal nach Unterschreiten des Thresholds wieder auf den unreduzierten Pegel zurückzuregeln.

5. Knee

Dieses Parameter beschreibt die Rate zwischen Kompression und Nicht-Kompression. Die Kompression startet hierbei bei einem Wert von 1 zu 1 und endet bei der eingestellten Knee-Rate.

6. Gain

Ihr kennt es schon: Was wir reduzieren, geben wir später wieder hinzu. So auch den Pegel. Die Dynamik des Audiomaterials wurde durch den Kompressor massiv „zusammengedrückt“, so dass wir nun den gesamten Pegel ohne große Bedenken mit Hinblick auf Lautstärkesch****ungen hochregeln können.

Mit Kompression lassen sich also Lautstärkeunterschiede auf ein Mindestmaß reduzieren. Dies erlaubt es, den nun einheitlich gemachten Pegel zu erhöhen – und das sogar über den anfänglichen Pegel. Kompression ermöglicht somit höhere Lautheit. Der Nachteil: Zuvor kaum hörbare Störgeräusche (Noise Floor) werden ebenso lauter. Bemüht euch also unbedingt um saubere Tonaufnahmen.

Im nachfolgenden Video zeige ich die Verwendung des Kompressors für Vocal-Material. Zuvor solltet ihr euch jedoch mit dem EQing vertraut gemacht und eure Vocals dementsprechend bearbeitet haben.

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Homerecording (Teil 4): Setup – Wie stelle ich mein Equipment ein?

Homerecording (Teil 4): Setup – Wie stelle ich mein Equipment ein?

Von Johannes Hagen am 16.03.2018 - 19:00

Nachdem die Basics – Hardware-Ausstattung, Software und Instrumentals – im Detail vorgestellt wurden, geht es nun ans Eingemachte – das eigentliche Recording. Wobei, noch nicht direkt. Ich erkläre euch zunächst, wie ihr eure Boxen ausrichtet, das Mic einstellt und eine möglichst hallarme Umgebung schafft. Wenn euer Setup steht, legen wir mit den Aufnahmen los.

Grundlegendes Setup

Wir sollten von den gleichen Grundvoraussetzungen ausgehen: Ihr sitzt vor eurem Rechner, das Interface ist via USB verbunden und der Treiber installiert. Die Line-Outs des Interfaces sind mit den Line-Ins der Monitore verkabelt. An den Monitoren selbst habt Ihr häufig noch Regler für Hoch- und Tieftöner. Schmeißt euch gute Musik in die Playlist und stellt eure Abhöre nach eurem Geschmack ein. Bei der Ausrichtung solltet ihr die Raumbedingungen miteinbeziehen: die Boxen sollten auf Kopfhöhe angebracht werden, dazu bietet sich die Verwendung von Stativen an. Im 60°-Winkel zueinander ausgerichtet sollen Monitore die beste direkte Beschallung ermöglichen. Übrigens sollten sie möglichst weit weg von Wänden oder direkt vor der Wand positioniert werden (Recherchiert dazu bitte euer Modell).


Foto:

Thomann, https://www.thomann.de/de/onlineexpert_page_studiomonitore_aufstellung.html

Als nächstes ruft ihr die Audioeinstellungen eures Rechners auf. Hier solltet ihr euer Interface nicht nur als Ausgabegerät (für die Wiedergabe über die Monitore), sondern auch als Eingabequelle wählen – wir wollen schließlich das Mic anschließen. Das Mikrofon wird mit einem XLR-Kabel an das Interface angeschlossen. Dreht bitte vor dem Einstecken das Output (die Lautstärke) und das Gain (die Eingangslautstärke) des Inputs ganz herunter. Jetzt könnt ihr das Mic einstecken.


Foto:

Johannes Hagen

 

Das Einstellen des Mics

Jetzt können wir das Mikrofon einstellen. Stellt das Mic so auf, dass ihr in aufrechter Haltung mit dem Mund davor platziert seid. Beim Thema Abstand und Neigung scheiden sich die Geister –  Klangfarbe und individuelle Stimmeigenschaften lassen sich dadurch gezielt regulieren. Ich empfehle zunächst, das Mic gerade und mit einer guten Handbreite Abstand aufzurichten. Wenn ihr einen Pop-Schutz habt, umso besser: Platziert ihn zwischen Mund und Mikrofon. Dadurch reduziert ihr störende Zischlaute (wie S, SCH, Z) und Plosive (wie P, T, K), die zu Übersteuerung führen können. Diese Angaben sind aber keineswegs in Stein gemeißelt – probiert einfach aus, was eurem Höreindruck am ehesten entspricht.


Foto:

Johannes Hagen

Wo recorde ich am besten? 

Einen letzten Aspekt gilt es vorab noch zu klären. In welchen Raum hinein nehmen wir eigentlich auf? Bei Stimmaufnahmen sollte man darauf achten, dass man nicht zu viel Raumhall und frühe Schallreflexionen mit einfängt: Dadurch kann das Ergebnis extrem unsauber klingen und die Bearbeitung massiv erschwert werden. Natürlich kann man bereits im eingerichteten Zimmer aufnehmen, Textilien wie Teppich, Matratzen und dergleichen absorbieren bereits einiges an Nachhall. Wer die Muße hat, kann natürlich auch einen kleinen Raum mit Akustikschaumstoff auskleiden. Da ich nicht davon ausgehe, dass ihr euch direkt eine Booth zimmert, habe ich hier ein paar Tipps für euch:

1. Der Kleiderschrank. Ein gut gefüllter Kleiderschrank reduziert den Hall bereits um ein Vielfaches. Öffnet den Kleider Schrank nur ein wenig und deckt alle glatten Oberflächen mit Textilien ab. Mic-Ständer rein, voilà.

2. Die geknickte Matratze. Eine meiner Eigenkreationen: Nehmt eine alte (bezogene) Matratze und knickt sie in der Mitte. Schiebt sie so gefaltet unters Bett und wartet eine Weile – sie sollte im geknickten Zustand bleiben. Später platziert ihr sie auf einer Kommode, so dass ihr den Mikrofonständer direkt am Knick platzieren könnt. Mit Kissen könnte ihr die „Booth“ noch weiter auskleiden.

3. Der Micscreen. Eine gelungene, portable Investition ist der Micscreen. Er dient als Absorber und wird direkt hinter dem Mikrofon angebracht. Ab 40€ aufwärts sind die kleinen Helferlein erhältlich.

Das Recording

Lange genug herumphilosophiert, jetzt kann es losgehen. Öffnet eure Produktionssoftware (siehe Teil 1) und erstellt eine neue Audiospur. Wählt den Input aus, in dem das Mikrofon steckt, und dreht das Gain vorsichtig auf. Wenn ihr nun ins Mic sprecht, solltet ihr einen Ausschlag des Eingangssignals sehen. Stellt das Gain so ein, dass ihr einen maximalen Eingangspegel von etwa -13 dB habt – so bleibt uns später noch genug Spielraum (Headroom) zum Abmischen. Generell sollte die Eingangslautstärke nicht allzu stark variieren, merkt euch also euren Abstand zum Mic bei der Aufnahme. Damit das Ganze auch wirklich Spaß macht, kommen jetzt unsere Instrumentals ins Spiel: Was auch immer ihr auf dem PC liegen habt – zieht es einfach per Mausklick in eure Software. Wichtig sind jetzt Kopfhörer – ihr wollt ja nicht, dass der Beat über die Monitore direkt ins Mic schallt. Dreht das Output herunter und steckt die Kopfhörer ins Interface. Beat sollte nur noch über die Kopfhörer zu hören sein.


Foto:

Logic Pro X

In den nächsten Artikeln werde ich Schritt für Schritt zeigen, wie Vocals verarbeitet werden können, um sie schlussendlich über dem Instrumental abzumischen. Was wir dafür in erster Linie brauchen, ist sauberes Audiomaterial – also: Zückt das Textblatt, stellt euch ans Mic und drückt den roten Knopf. Probiert es aus. Wenn ihr mehrere Spuren aufnehmen wollt, könnt ihr jederzeit weitere Audiospuren hinzufügen. Auch mit dem Anpassen der Lautstärken könnt ihr euch schon vertraut machen. Vielleicht klingen einige Parts auch schon echt stabil, so ganz ohne Mixing. Dennoch wird das Rohmaterial keinen Vergleich zu unserem Endprodukt darstellen - in den nächsten Wochen stelle ich die wichtigsten Plug-Ins vor, die euren Vocals den nötigen Schliff verpassen.


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